Corona: Wie geht es an unseren Schulen weiter?

Zuletzt aktualisiert: 21.04.2020 | 14:04 Uhr

Ab dem 20. April sollen Schulen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder öffnen. Das ist der aktuelle Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels. Lehrkräfte machen sich Sorgen und glauben nicht, dass dann alles wie immer ablaufen kann. Viele fühlen sich allein gelassen, denn sie müssten sich derzeit selbst um Hygienemaßnahmen kümmern.

Schüler während einer Unterrichtsstunde.
Unterricht wie in diesem Bild: Das können sich viele Lehrerinnen und Lehrer in Mitteldeutschland so schnell nicht vorstellen. Bildrechte: imago/photothek

Update (30.04.2020, 14:01 Uhr): So geht es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weiter

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen planen, wie und wann die Schulen wieder geöffnet werden. Dabei gibt es verschiedene Ideen. Hier der aktuelle Überblick.


Birgit K.* macht sich große Sorgen. Sie ist Schulleiterin an einer Grundschule auf dem Land in Sachsen. Derzeit ist ihre Hauptaufgabe die Notbetreuung für einen kleinen Teil ihrer Schülerinnen und Schüler am Laufen zu halten. Schutz vor dem Corona-Virus gibt es hier vor allem durch ihre eigene Initiative: "Die Kinder, die wir hier haben, habe ich jetzt mit Masken versorgt. Mit selbst genähten, weil es sonst nichts gibt". Auch sonst soll ein potenzielles Ansteckungsrisiko minimiert werden. Türen werden mit kleinen Bänken offengehalten, damit die Türklinken nicht genutzt werden müssen.

* Name von der Redaktion geändert.

Hygienemaßnahmen im Normalbetrieb nicht umsetzbar

Auch wenn sich die Schulleiterin wünscht, dass es bald weitergehen kann: Unter den derzeitigen Bedingungen bezweifelt sie, dass das möglich ist.

Wir fühlen uns ganz schön allein gelassen.

Birgit K., Schulleiterin einer Grundschule in Sachsen
Kerstin Schröter, Fachlehrerin für Biologie und Chemie, gibt einer neunten Klasse eine Biologiestunde am Tag der offiziellen Übergabe des Schulneubaus des Kyffhäusergymnasiums in Bad Frankenhausen.
Derzeit in ganz Mitteldeutschland nirgends zu finden: Normaler Schulunterricht. Bildrechte: dpa

Bis zu 28 Schüler sitzen in einer Klasse. "Da können wir im Klassenzimmer maximal 50 cm Abstand gewährleisten", sagt Birgit K. verzweifelt. Gern würde sie alle ihre Schülerinnen und Schüler mit Schutzmasken ausstatten. Ein Versuch in der örtlichen Apotheke habe gezeigt: Eine Maske kostet drei Euro und kann dann nur für vier Stunden genutzt werden. Das können sie nicht für alle Kinder bezahlen. Ihr Fazit: "Niemand fühlt sich zuständig!"

Wenn alle da sind, können wir nur weiter machen, wie vorher.

Birgit K., Schulleiterin einer Grundschule in Sachsen

Ministerium gibt Verantwortung weiter

Seit dem 18. März findet auch in Sachsen der Unterricht vor allem über digitale Kanäle statt. Ein Pressesprecher des Sächsischen Staatsministerium für Kultus erklärt auf unsere Anfrage: Individuelle Schutzmaßnahmen einzelner Einrichtungen blieben den Schulen selbst überlassen. Schutzmasken für Kinder sollen demnach nach jetzigem Stand nicht ausgegeben werden. Weiter heißt es, dass es diesbezüglich keine generelle Empfehlung seitens des Kultusministeriums geben wird. Die Verantwortlichkeit für eine solche Entscheidung läge beim Krisenstab und den Gesundheitsbehörden.

Normaler Unterricht ab Ende April unwahrscheinlich

Deshalb müssen die Lehrer derzeit weiterhin mit Ungewissheit leben. Dass die Schulen ab dem 20. April wieder regulär öffnen, hält Uschi Kruse von der Lehrergewerkschaft GEW in Sachsen für unwahrscheinlich.

Wenn man sich unabhängig von den aktuellen Hygienevorschriften anguckt, wie alt die Lehrkräfte in manchen Schularten sind, wäre das organisatorisch nicht durchzusetzen, wenn man die Risikogruppe schützen möchte.

Uschi Kruse, GEW Sachsen

Viele Lehrkräfte seien über 50 Jahre alt. Deshalb geht sie davon aus, dass die Schulen nicht ruckartig komplett geöffnet werden.

Entscheidung nach Ostern

Zwei Jungs spielen im Garten.
Derzeit wird eine Notbetreuung in Grundschulen angeboten. Bildrechte: MDR/Unsplah/Ashton Bingham

Auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen ist das ein wichtiges Thema. Hier gibt es bereits Überlegungen und grobe Pläne, wie es ab Ende April weiter gehen kann. Diese seien aber noch nicht spruchreif. Wie soll der Schulbetrieb stattfinden? Oder wird die Schließung noch verlängert? Nach den Osterfeiertagen soll es ein Gespräch der Kultusminister mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geben, um anschließend eine Entscheidung zu fällen.

Aktuelle Situation an Schulen
  Sachsen Sachsen-Anhalt Thüringen
Finden Abiturprüfungen statt? Die Prüfungen sollen wie geplant ab 22. April stattfinden. Die Prüfungen wurden verschoben. Schülerinnen und Schüler können zwischen zwei Terminen wählen. Diese liegen entweder im Mai oder im Juni. Prüfungstermine sollen festgelegt werden, wenn absehbar ist, wann Schulen wieder öffnen.
Werden Sommerferien verkürzt? Derzeit nicht geplant Derzeit nicht geplant Derzeit nicht geplant
Finden Klassenfahrten statt? Alle Klassenfahrten mit einem Ziel außerhalb von Sachsen finden nicht statt. Klassenfahrten mit einem Ziel in Sachsen sollen nach derzeitigem Stand ab 20. April wieder stattfinden. Stornokosten sollen vom Land übernommen werden. Klassenfahrten finden bis zum 31. Mai nicht statt. Stornokosten sollen vom Land getragen werden. Es gibt keine Klassenfahrten bis zum Schuljahresende. Stornokosten sollen vom Land übernommen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 08. April 2020 | 15:10 Uhr

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