Schulöffnung in Sachsen-Anhalt: „Es gibt kein Konzept!“

In dieser Woche besuchen viele Klassenstufen wieder die Schulen in Sachsen-Anhalt. Nach dem ersten Tag wird Kritik laut: Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich vom Ministerium alleingelassen.

Ein Schülerin mit Mundschutz sitzt im Klassenraum eines Gymnasiums.
Unterricht mit Abstand: Das ist auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Pflicht. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt sind die Abschlussjahrgänge 2020 schon seit einigen Tagen wieder im Schulunterricht. Bis zu den Pfingstferien sollen auch alle anderen Klassenstufen tageweise wieder zurückkehren. Das kündigte Bildungsminister Marco Tullner an. Seit dem 4. Mai gehen all jene wieder in die Schule, die 2021 ihren Abschluss machen und die vierten Klassen an Grundschulen. Ab 6. Mai soll zusätzlich an jedem Tag eine andere Klassenstufe in die Schule gehen.

Hygienemaßnahmen einhalten - aber wie?

Erst wenige Tage zuvor wurde die Öffnung der Schulen bekannt gegeben. Deshalb hatte Doreen Lehnertz, Schulleiterin an der Freien Grundschule Riestedt, viel zu tun, um alle Vorschriften einhalten zu können. Auch am vergangenen Wochenende hat sie daran gearbeitet.

Gewünscht hätten wir uns, dass wir das eher erfahren hätten. Nicht aus der Zeitung oder von den Eltern. Sondern von den verantwortlichen Stellen, damit wir mehr Zeit gehabt hätten, das Ganze zu organisieren.

Doreen Lehnertz, Schulleiterin

Es geht um Abstandsregeln im Schulhaus und auf dem Weg zum Unterricht, aber auch darum, ob Eltern Desinfektionsmittel mitbringen dürfen. Die Schulleiterin hätte sich von der Regierung einen konkreteren Plan gewünscht, wie die Regelungen eingehalten werden sollen. Vor allem auch, um die eigenen Lehrerinnen und Lehrer besser schützen zu können.

Das sind schon Sachen, die kann man gar nicht abschätzen, woran da zu denken ist. Das war schon schwierig, muss ich ganz ehrlich sagen!

Doreen Lehnertz, Schulleiterin

Insgesamt sei die Situation an ihrer Schule aber verhältnismäßig entspannt. Zum Beispiel ist das Schulgebäude groß genug.

Macher in Mitteldeutschland: Denis Vogler aus Riestedt vor seiner Grundschule. 4 min
Bildrechte: MDR JUMP/Richard Schönjahn

Denis Vogler wollte nicht mehr zusehen, wie das geschlossene Schulgebäude in Riestedt verwahrlost. Deshalb hat er eine eigene Grundschule gegründet. Schon bald soll eine Sekundarschule folgen.

MDR JUMP Do 10.10.2019 07:05Uhr 03:32 min

https://www.jumpradio.de/thema/macher-in-mitteldeutschland-freie-grundschule-riestedt-denis-vogler-sachsen-anhalt-102.html

Rechte: MDR JUMP

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An vielen Schulen gibt es Probleme

Nicht überall läuft es so verhältnismäßig gut, wie in Riestedt. Das erklärt Eva Gerth, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW in Sachsen-Anhalt. Auch sie berichtet von einem großen Zeitproblem:

Die Schulöffnungen finden überhastet statt. Wir hätten uns gewünscht, wenn Sachsen-Anhalt sich ein bisschen mehr zurückgehalten hätte.

Eva Gerth, GEW Sachsen-Anhalt

Bei Weitem werden nicht alle Corona-Vorschriften eingehalten werden, sagt sie. Vor allem der Schutz der Lehrerinnen und Lehrer komme oft zu kurz.

Wir haben Kolleginnen und Kollegen, die sind Risikogruppen. Zum Teil werden sie gezwungen, in die Schule zu gehen. Einfach, weil die Schulen personell unterbesetzt sind. Wir hatten vor Corona ein Personalproblem in den Schulen. Das hat sich natürlich nicht wesentlich geändert.

Eva Gerth, GEW Sachsen-Anhalt

Das Bildungsministerium teilte zu diesem Thema mit, dass es für den Einsatz von Lehrkräften konkrete Regelungen geben würde. Der Einsatz betroffener Lehrerinnen und Lehrer sei "möglichst zu vermeiden oder nur mit äußerster Sensibilität und unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorkehrungen vorzunehmen."

Ein Konzept fehlt

Das Problem der Schule in Riestedt kann auch Eva Gerth flächendeckend für Sachsen-Anhalt bestätigen:

Es gibt kein Konzept, sondern die Schulen werden einfach beauftragt: Macht ein Konzept, ohne, dass es Vorgaben gibt, wo die Schulen nur zum Teil auf ihre Verhältnisse anpassen müssten.

Eva Gerth, GEW Sachsen-Anhalt

Eva Gerth
Eva Gerth, GEW Sachsen-Anhalt Bildrechte: imago images/Christian Schroed

Wie geht es an den Schulen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weiter?

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