Ferienverlegung: "Den Eltern wird überproportional viel aufgebürdet"

In Sachsen sind die Winterferien verlegt worden. Nadine Eichhorn vom Landeselternrat erklärt im MDR JUMP-Interview die damit verbundenen Herausforderungen.

Zwei Kinder mit Schlitten im Wald
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Die Schulen in Sachsen bleiben bis Ende Januar geschlossen. Daraufhin hat die Landesregierung entschieden, die Winterferien anzupassen. Eine Ferienwoche soll direkt auf die Woche nach den Schulschließungen gelegt werden. Die zweite Woche soll in die Karwoche vor Ostern wandern. Dadurch gehen den Kindern und Jugendlichen keine Ferien verloren und die Lehrer haben sieben Wochen am Stück Zeit, Inhalte zu vermitteln. Darüber sprechen wir mit Nadine Eichhorn, sie ist stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrates Sachsen.

Winterferien in Mitteldeutschland
Sachsen Sachsen-Anhalt Thüringen
01.02. - 07.02.2021

29.03. - 01.04.2021
08.02. - 13.02.2021

(Entscheidung über Änderung steht aus)
25.01. - 30.01.21

MDR JUMP: Frau Eichhorn, das klingt doch gut mit den Winterferien, oder was sagen Sie?

Geht so. Es ist ja jetzt nicht so, dass wir derzeit frei haben, die Schüler und die Eltern, sondern natürlich ist momentan auch die häusliche Lernzeit, die vielen sehr viel abverlangt. Und man muss natürlich bedenken, die meisten Eltern sind Arbeitnehmer, hatten ihren Urlaub geplant, sind jetzt darauf angewiesen, dass der Arbeitgeber da Flexibilität und gutem Willen zeigt, dass man Urlaub auch noch mal umplanen kann.

Also für die Schüler ist es vielleicht gut, die haben eine Chance, sich weniger anzustecken. Sie meinen, für die Eltern ist es schlecht, weil die ihren Urlaub verschieben müssen?

Nadine Eichhorn, Landeselternrat Sachsen
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Ganz genau! Also natürlich sehen wir Eltern auch, dass die Infektionslage gerade sehr viele Einschnitte nötig macht. Dafür haben wir Verständnis und es wird jedem viel abverlangt. Auf der anderen Seite müssen wir aber sehen, dass den Eltern gerade überproportional viel aufgebürdet wird. Das heißt, natürlich haben die wenigsten Urlaub gebucht und wollten in den Ferien im Februar wegfahren. Aber gerade wenn man kleinere Kinder auch hat, plant man den Urlaub entsprechend, sodass die Kinderbetreuung während der Ferienzeit sichergestellt ist und die muss jetzt entsprechend umgeplant werden.

Sie kriegen ja viele Anfragen von den Eltern in Sachsen. Da geht es natürlich auch oft um die Notbetreuung. Wie ist denn da so der Tenor? Wie ist denn da die Stimmung?

Durchwachsen. Also natürlich ist es halt viele vor eine sehr große Herausforderung, die keinen Anspruch auf Notbetreuung haben und jetzt nicht wissen, wie sie alles unter einen Hut bekommen sollen. Die Eltern, die Anspruch auf Notbetreuung haben, sind häufig auf der einen Seite froh darum. Und auf der anderen Seite sehen wir aber auch, dass es nicht immer gelingt, dass die Kinder die Schulaufgaben in dieser Zeit machen. Sodass dann Angst vorhanden ist, dass den Kindern durch die Notbetreuung auch ein Nachteil entsteht. Und bei anderen funktioniert es sehr gut. Und es kommen positive Rückmeldungen. Von daher durchwachsen.

Erst sollten die Ferien ausfallen, jetzt werden sie verschoben. Wie empfinden Sie das? Ist das Hickhack oder ist das letztendlich eine gute Lösung?

Man hat sich dazu entschieden, im Rahmen der Kabinettsrunde, dass eine Ferienwoche im Februar bestehen bleiben soll. Dass diese allerdings vorgezogen wird auf den 1. Februar.  Die Gründe dafür, zumindest so, wie es uns genannt wurde, waren ganz einfach, dass man gesagt hat: „Okay, die Schulen, bis Ende des Monats sollen sie zu bleiben.“. Und dann ergibt es wenig Sinn, dass ab dem 1. Februar Wechselunterricht für die Klassenstufen stattfindet und ab dem 8. Februar Ferien sind. Entsprechend wurde vorverlegt.

Der Grund ist erstmal verständlich, nur jetzt müssen wir gucken wie kriegen wir es für die Eltern hin, dass wir den nicht noch einfach nur zusätzlich Sachen aufbürden, nämlich: „Plant mal um“. Sondern, dass man da auch eine gewisse Flexibilität, auf anderer Seite verlangt. Dass einfach gesagt werden muss. „Okay, wir haben als Eltern keine Wahl, dann müssen auch die Arbeitgeber usw. mitziehen“.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 06. Januar 2021 | 19:10 Uhr

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