Helfen Schnelltests die Covid-Ausbreitung zu stoppen?

Testen, testen, testen – für viele ist das der Weg aus der Pandemie, langsam zurück in ein halbwegs normales Leben. Kann das klappen? Wenn man es richtig macht, dann vielleicht.

Corona-Testzentrum im Kulturpalast Dresden
Bildrechte: xcitepress

Nein, so hat es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag bei einem Pressegespräch noch einmal klargestellt: Ein negativer Corona-Schnelltest ist eben kein Freifahrtschein: „Die Aussagekraft ist sehr, sehr vorübergehend.“ In der Tat ist das Ergebnis eben nur eine Momentaufnahme mit kurzem Haltbarkeitsdatum.

Und nicht nur das. Eigentlich machen die Tests auch nur Sinn, wenn man sie sehr regelmäßig macht. Denn nur so lässt sich – wenn eine Infektion bei einem Test nicht aufgefallen ist – trotzdem der potenzielle Schaden minimieren. Dafür muss sie dann möglichst schnell beim nächsten Test erkannt werden. Er selbst teste sich zwei bis dreimal in der Woche, so Spahn.

Die meisten von uns sind von dieser Marke allerdings sehr weit entfernt. Dabei haben wir alle im Prinzip seit 8. März alle einen Anspruch auf mindestens einen kostenlosen Schnelltest pro Woche.

Nur nochmal zur Klarstellung: Das sind nicht die Selbsttests, die man im Handel selbst kaufen kann, sondern solche, die man in einem der Schnelltestzentren machen lassen kann. Die Liste der Testzentren in Sachsen findet ihr hier, für Sachsen-Anhalt gibt es die Infos hier und für Thüringen hier.

Kretschmer beklagt oft falsche Interpretation der Impfverordnung

Fällt ein Schnelltest positiv aus, muss das Ergebnis durch einen präziseren PCR-Test noch einmal bestätigt werden. Isolieren sollte man sich aber sicherheitshalber sofort. Experten warnen immer wieder: Die Pandemie lässt sich nicht wegtesten. Wichtig ist es, dass die Zahl der Infizierten sinkt. Das passiert über Kontaktreduktion und darüber, dass nachweislich Infizierte nicht mit anderen in Kontakt kommen, weil sie zu Hause zunächst auf die Bestätigung des positiven Testergebnisses per PCR und dann auf das Ende ihrer Krankheit warten.

Doch Schnelltests sollen helfen, ein möglichst realistisches Bild der Pandemielage zu bekommen. Und dafür sollten die Angebote auch genutzt werden. Immer wieder werde die Impfverordnung des Bundes falsch interpretiert, twitterte Sachsens Ministerpräsident Michal Kretschmer neulich: „Mindestens einmal pro Woche bedeutet ausdrücklich, dass Tests mehrfach wöchentlich kostenlos möglich sind. Empfohlen sind sie dreimal pro Woche.“ Wobei am Ende die Verfügbarkeit der Testkapazitäten bestimmt, wie oft man sich tatsächlich testen lassen kann.

Doch was bringen die Schnelltests tatsächlich? Eine noch nicht von Fachkollegen begutachtete Studie britischer Forscher sieht sie tatsächlich als wirksames Instrument, die Covid-Ausbreitung zu stoppen. Ausgewertet wurden dabei Test- und Contact-Tracing-Daten aus der Zeit vom 1. September 2020 bis zum 28. Februar 2021 in England. Dabei kamen Informationen zu etwa einer Million Menschen mit positiven Coronavirus-PCR-Test und die Ergebnisse von PCR-Tests von etwa 2,5 Millionen anderen Menschen zusammen, die mit den Infizierten in Kontakt gekommen waren.

Die empfindlichsten Schnelltests, so die Auswertung der Forscher, hätten dabei fast 90 Prozent der Fälle erkennen können, die letzten Ende zu einer infizierten Kontaktperson führten.

Betriebe sollen Testangebote machen müssen

Grundsätzlich gilt, das hat eine Übersichtsarbeit des Cochrane-Netzwerks bestätigt, dass Schnelltests bei Covid-Infizierten mit Symptomen deutlich besser funktionieren als bei solchen ohne Symptome. Das heißt: Sie finden längst nicht jede Infektion, im Idealfall aber womöglich folgenschwere Fälle. Nur sind allerdings Menschen auch vor Beginn der Covid-Symptome ansteckend. Laut Robert Koch-Institut spielen solche Übertragungen aber vermutlich „eine untergeordnete Rolle“. Wenn das tatsächlich stimmt, wäre das zumindest eine gute Nachricht für die Schnellteststrategien.

Die Bundesregierung will in Zukunft auch Unternehmen verpflichten, ihren Mitarbeitern in Zukunft Corona-Tests anzubieten. Im Bundestag beschlossen ist das Gesetz aber noch nicht. Bisher hat offenbar nur ein kleiner Teil aller Betriebe Tests angeschafft.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 17. April 2021 | 06:15 Uhr

Weitere Informationen zu Corona