Wie funktionieren Corona-Schnelltests für zu Hause?

Gewissheit, zumindest so einigermaßen, innerhalb von Minuten – das versprechen Corona-Schnelltests. Die sind seit kurzem auch für zu Hause erlaubt. Doch ein entscheidendes Problem gibt es - noch.

Blick auf einen Corona-Schnelltest
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Das Thema Corona wird uns noch lange beschäftigen, zumal viele Experten ja sogar eine dritte Welle befürchten. Das heißt: Die Zahl der Infektionen dürfte bald wieder nach oben gehen – vor allem, weil neue Virusvarianten ansteckender sind als die bisherige Form. Das bedeutet, dass die bisherigen Corona-Regeln – zum Beispiel zum Abstand und zum Lüften – nicht mehr so gut wirken.

Corona Schnelltests liegen auf einer schwarzen Unterlage.
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Mehr Corona-Tests könnten ein Weg sein, die Lage ist den Griff zu bekommen. Allerdings sind die Kriterien für einen PCR-Test ja ziemlich streng. Längst nicht jeder, der einen möchte, bekommt auch einen. Anders wäre das mit Antigen-Schnelltests. Auch mit denen sollte sich eine Infektion zum Zeitpunkt des Tests erkennen lassen – wenngleich mit einer etwas geringeren Genauigkeit. Die Tests liefern dafür schnell, nach 15 bis 30 Minuten, ein Resultat. Das ist klar ablesbar, so ungefähr wie bei einem Schwangerschaftstest. So lassen sich in einer Momentaufnahme vor allem hochinfektiöse Menschen mit hohen Viruslasten erkennen – ein Freifahrschein ist ein negatives Testergebnis aber auf keinen Fall.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) führt eine Liste mit verlässlichen Schnelltests. Bisher mussten die Proben für solche Tests allerdings von medizinischem Fachpersonal genommen werden. Doch das ändert sich nun. Seit Anfang des Monats ist eine Erweiterung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung in Kraft. Das heißt: Nun dürfen Selbsttests auch für die Eigenanwendung an Privatpersonen verkauft werden. Denkbar wären hier zum Beispiel Gurgeltests, bei denen man sich nicht in der Nase rumpulen muss, sondern mit einer Flüssigkeit gurgeln könnte, die dann untersucht wird.

Noch keine Produkte auf dem Markt

Beim Schnelltest wird nicht direkt nach dem Virenerbgut gefahndet, sondern nach bestimmten Eiweißfragmenten, die charakteristisch für den Sars-CoV-2-Erreger sind. Vor Weihnachten hat sich vielleicht der eine oder die andere so testen lassen. Bisher ist es nur leider so, dass es noch keine entsprechenden Schnelltests für zu Hause auf dem Markt gibt. Das liegt daran, dass noch kein Produkt die notwendige CE-Zertifizierung hat. Unter anderem müssen die Hersteller dafür bei unabhängigen Test-Stellen zeigen, dass ihr Produkt auch wirklich von Laien zu beherrschen ist und dass die das abgebildete Testresultat auch wirklich verstehen können. Entscheidend dürfte dabei auch eine präzise und verständliche Gebrauchsanweisung sein.

Einem Kind wird eine Probe für einen Corona-Test abgenommen
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Beim Verband der Diagnostica-Industrie geht man nach eigenem Bekunden davon aus, dass noch innerhalb dieses Monats „mit den ersten Eigenanwendungstests zu rechnen“ ist. „Zuverlässigkeit geht vor Schnelligkeit“, sagt Verbandsgeschäftsführer Martin Walger. „Die Bereitstellung von Eigenanwendungstests kann nicht per Knopfdruck verlangt werden. Aber von den Herstellern darf erwartet werden, dass sie überprüfte und verlässliche Qualität liefern.“

Verkauft werden dürften die Schnelltests für den Heimgebrauch unter anderen in Apotheken. Ob sie auch in Drogerieketten oder im Versandhandel angeboten werden, wird man sehen müssen. Gesetzlich möglich wäre es wohl.

Studie belegt, dass Laien sich selbst testen können

Eine wissenschaftliche Untersuchung vom Ende vergangenen Jahres hat belegt, dass sich auch Laien durchaus zuverlässig selbst testen können. „Die Studie zeigt uns, dass die angeleiteten Selbstabstriche für den untersuchten Antigentest nicht schlechter als professionelle Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum sind", so Co-Autorin Claudia Denkinger vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Impfstoff als Mangelware vor einem geöffneten Medizinkühlschrank
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Wenn es dann tatsächlich mal Schnelltests für zu Hause zu kaufen gibt, muss man aber aufpassen: Wichtig ist, dass es sich tatsächlich um Antigen-Schnelltests handelt – und nicht, um Antikörper-Tests. Die sind schon seit einer Weile erhältlich, liefern aber nur Informationen darüber, ob jemand schon mal in der Vergangenheit Corona hatte – und nicht, ob er oder sie aktuell infiziert ist. Aber genau diese Information ist ja wichtig, wenn man sich mit anderen treffen will.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände findet die Schnelltests zur Eigenanwendung im Grundsatz gut. „Corona-Schnelltests für Privatpersonen sind eine vernünftige Ergänzung der Teststrategie im Kampf gegen die Pandemie“, so Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. Die Gesellschaft sollte „diese Chance auch nutzen“.

Positives Ergebnis muss per PCR bestätigt werden

Treffen mit Freunden, Besuch bei den Großeltern – alles natürlich unter Einhaltung der Corona-Regeln. Aber dank Schnelltests allein wieder darüber nachdenken zu können, wäre ja tatsächlich ziemlich toll. Wobei die Tests sicherlich kein superbilliges Produkt werden, das kann man wohl schon mal sagen, auch wenn noch keine genauen Preise feststehen. Jeder Hersteller und jede Apotheke würden sie individuell kalkulieren und ausweisen, heißt es.

Und was, wenn man ein positives Testergebnis hat? Dann gilt: Erst einmal muss man in Quarantäne, dann sollte man mit dem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen und die weiteren Schritte absprechen. Der positive Schnelltest muss auf jeden Fall noch einmal durch einen PCR-Test überprüft werden. „Nur ein PCR-Test vom Labor kann das Ergebnis des Schnelltests sicher bestätigen und damit das Infektionsgeschehen präzise abbilden“, sagt auch Apotheker-Vertreterin Overwiening.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 14. Februar 2021 | 13:40 Uhr

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