Sachsen: Ausgangssperre für einzelne Landkreise?

Sachsen wird von der zweiten Corona-Welle hart getroffen. Landkreise wie Bautzen oder der Erzgebirgskreis hatten teilweise die meisten Neuinfektionen in Deutschland. Die Regierung erwägt nun drastische Maßnahmen.

Arzt, Patienten
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Ein Blick auf die Corona-Karte zeigt, dass Sachsen immer noch tief rot ist. Im gesamten Bundesland liegt die Inzidenz über 50. Der Erzgebirskreis gehört mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 400 zu den am stärksten betroffenen Landkreisen in ganz Deutschland. Der Landkreis Bautzen ist ihm dicht auf den Fersen.

Im Landkreis Bautzen haben die Verantwortlichen bereits Alarm geschlagen: Krankenhäuser seien an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Sechs von acht Kliniken im Landkreis hätten Probleme, weil ein "wesentlicher Teil" des Klinikpersonals selbst an Corona erkrankt oder in Quarantäne sei.

Maskenpflicht auch im Freien

Bei einer Konferenz mit den Landräten des Erzgebirgskreises, Bautzen und Görlitz am Wochenende haben Ministerpräsident Kretschmer und Sozialministerin Köpping auch verschärfte Maßnahmen für diese Gebiete ins Spiel gebracht.

Dazu gehören ein Betretungsverbot für Eltern in Kitas und Schulen und eine Maskenpflicht auch für Großparkplätze.

Ausgangssperren, wie es sie im Landkreis Berchtesgadener Land gibt wurden zwar besprochen, allerdings auch vorerst wieder verworfen. "Der Holzhammer bleibt zunächst aus", fasste der Bautzner Landrat Michael Harig die Konferenz zusammen.

Sperrstunden nicht ausgeschlossen

Sollten die Neuinfektionszahlen in Sachsen allerdings weiter steigen, seien Sperrstunden nicht mehr ausgeschlossen, betonte Kretschmer und kündigte dazu weitere Beratungen am kommenden Wochenende an.

Erst einmal will Gesundheitsministerin Köpping den Schutz für ältere Menschen und Vorerkrankte verstärken. Die Verteilung von FFP2-Masken über die Apotheken sei für diese Gruppen in Vorbereitung. Außerdem soll Geschäften spezielle Einkaufszeiten für Senioren empfohlen werden.

Keine schnellen Lockerungen

Sozialministerin Köpping dämpfte unterdessen auch die Hoffnungen auf schnelle Lockerungen. Seit Beginn des Teil-Lockdowns sei noch nicht genug Zeit vergangen, um seine Wirkung zu erkennen.

Außerdem könne immer noch nicht genau gesagt werden, warum die Infektionszahlen in Sachsen zuletzt so rasant gestiegen seien. Köpping vermutet als Ursachen Kontakte in der Familie und zwischen Freunden, aber auch die Nähe der besonders stark betroffenen Landkreise zur Grenze.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 15. November 2020 | 10:00 Uhr

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