Corona-Pandemie: Verreisen wir jetzt anders?

Corona hat die Tourismusbranche enorm getroffen. Hotels mussten schließen und sind immer noch im Lockdown. Wie sich unser Reiseverhalten in der Krise verändert hat, das hat der ADAC untersucht.

Familie bei Sonnenuntergang am Strand
Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Verändern sich durch die Pandemie dauerhaft die Reisepräferenzen der Deutschen? Dieser Frage ist der Automobilclub ADAC nachgegangen. In einer Studie wurden vergangenen Herbst dazu 5000 Menschen befragt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Keine grundsätzlichen Veränderungen

Der Untersuchung zufolge will die Mehrheit der Menschen nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie ihr Reiseverhalten nicht grundsätzlich ändern. Das sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel im MDR JUMP-Gespräch:

Natürlich bleiben viele Muster auch so wie sie immer waren. Man achtet darauf, dass alles irgendwo wieder normal wird. Aber es gibt schon den Trend hin zur Individualität.

Mittelfristig bleibe Badeurlaub weiter vorne, Kreuzfahrer wollten zurück aufs Schiff und Hotels bleiben die bevorzugte Unterkunftsart. Allerdings gebe es kleine Verschiebungen bei den Präferenzen.

Trend: Mehr für sich sein

Individuelle Reisen hätten hinzugewonnen, so Hölzel weiter: Mehr für sich sein, in einem geschützteren Raum sein, das sei den Menschen wichtiger als zuvor. Deshalb lägen dieses Jahr Ferienhäuser und Camping im Trend, so der ADAC-Experte:

Zwei Männer und eine Frau sitzen vor einem Wohnmobil, eine Frau schaut aus dem Wagen.
Bildrechte: MDR/Stephanie Schettler

Es ist im Grunde auch eine Chance für kleinere Betriebe, auch in abgelegeneren Regionen, die vielleicht nicht so überlaufen waren, auch ein bisschen zu punkten.

Reiseziel Deutschland wird noch beliebter

Ostsee Usedom Heringsdorf
Bildrechte: imago images / Leo

In diesem Jahr - dem zweiten der Corona-Pandemie - steht erneut Urlaub im eigenen Land im Fokus, geht aus der ADAC-Studie hervor. Demnach setzen etwa zwei Drittel der Menschen besonders auf Ziele zwischen Rügen und Garmisch-Partenkirchen. Im vergangenen Jahr verbrachten mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) den Haupturlaub im eigenen Land. Zum Vergleich: 2019 waren es nur 35 Prozent.

Künftig mehr Reisen mit dem Auto

Gepäck liegt im vollen Kofferraum eines Autos.
Bildrechte: dpa

Eine größere Rolle als in Vor-Corona-Jahren dürften der Studie zufolge künftig Reisen mit dem Auto spielen. 44 Prozent der Befragten gaben an, 2019 mit dem Pkw in den Urlaub gefahren zu sein. 2020 waren es 63 Prozent. Zugleich dürften sich Reisen mit dem Flugzeug von dem Einbruch in der Pandemie erholen. In etwa drei bis fünf Jahren wollen bis zu 44 Prozent - und damit mehr Menschen als 2019 - wieder in den Urlaub fliegen.

Dauerhafte Corona-Effekte?

Andreas Hölzel vom ADAC sagt, dass sich die Art wie wir Urlaub machen nur kurzfristig wegen Corona ändert. Als dauerhaften Effekt sieht er aber, dass wir anspruchsvoller werden beim Verreisen. Im MDR JUMP-Gespräch sagte er:

Die Flexibilität bei Buchungen wird sicher eine höhere Bedeutung haben und das Gleiche gilt dann auch für Ansprüche an Stornobedingungen, an Hygienestandards und eine gute Qualität der Gesundheitsversorgung. Das ist sicher auch ein Trend.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Themen des Tages | 04. März 2021 | 19:40 Uhr

Weitere Informationen zu Corona

Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum.
Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank