Wann gehen Schulen wieder in den Regelbetrieb über?

Nach den Sommerferien soll an den Schulen der vollständige Regelbetrieb wiederaufgenommen werden. Das planen die Kultusminister der Bundesländer. Damit müssten auch flächendeckend die Abstandsregeln fallen und weitere Hygienemaßnahmen müssten angepasst werden. Diese Entscheidung wird kritisiert.

Ein Lehrer unterrichtet Deutsch in einer Klasse, die wegen Corona geteilt wurde
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Mindestens 1,5 Meter Abstand sollte gehalten werden, um die Infektionsgefahr zu minimieren. Das gilt auch noch immer in vielen Schulen. In Mitteldeutschland gibt es aber schon jetzt einige Klassen, in denen keine Abstandsgebote mehr gelten. In den Grundschulen wurde der tägliche Unterricht in voller Klassenstärke wieder aufgenommen. Der Mindestabstand von 1,5 Metern gilt hier nicht. Zuletzt hatte das Oberverwaltungsgericht in Magdeburg diese Regelung für Sachsen-Anhalt bestätigt.

Regelbetrieb nach den Sommerferien

Sollte die Zahl der Infizierten weiterhin so niedrig bleiben, wie es derzeit der Fall ist, könnte schon bald ein normaler Betrieb an Schulen organisiert werden. Darauf haben sich die Kultusminister der Länder geeinigt. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig sagte, dass regulärer Schulbetrieb stattfinden müsse, damit das Recht auf Bildung aufrechterhalten werden kann. Dann würde es keine Abstandsregelungen und auch keine kleineren Gruppen in Schulen mehr geben.

Kritik vom Deutschen Lehrerverband

Nachdem unter anderem in Magdeburg und Augustusburg 11 Schulen aufgrund vermehrter Neuinfektionen geschlossen werden mussten, kritisiert Hanz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband den Vorstoß der Kultusminister. Hier würde der zweite vor dem ersten Schritt gemacht werden, sagt er. Er fordert im Gespräch mit MDR JUMP, dass nicht pauschal alle Hygienerichtlinien aufgehoben werden sollten:

Wir brauchen neue Regeln. Eine wäre, dass wir die Klassen voneinander isolieren. Also keine Vermischung des Schulalltags mehr stattfindet. Das war das Problem in Magdeburg, dass wir genau diese Vermischung hatten und die ganze Schule geschlossen werden musste.

Wichtig wären laut Meidinger vermehrte Corona-Tests unter den Lehrkräften. Er fordert auch ein konkretes Lüftungskonzept für die Klassenräume.

Und wir müssen nachdenken, ob wir nicht auch eine Maskenpflicht während des Unterrichts einführen müssen.

All diese Maßnahmen könnten vor allem nach den Sommerferien relevant sein, wenn viele Kinder nach einem Auslandsurlaub an die Schulen zurückkehren. Ziel müsse es sein, die Ausbreitung des Corona-Virus weiterhin zu kontrollieren.

Lehrerin mit Mund- und Nasenschutz begrüßt Schüler Corona
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Umfrage: Mehrheit ist für Regelbetrieb

In einer nicht repräsentativen Umfrage auf der MDR JUMP-Facebookseite sprechen sich zum aktuellen Zeitpunkt (21. Juni 2020, 15 Uhr) gut 77 Prozent der Teilnehmenden für einen Regelbetrieb an den Schulen aus. Ute kommentiert und schreibt: „Weder zu früh noch höchste Zeit, aber wahrscheinlich die beste Entscheidung.“

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