Impfreaktionen nach dem Corona-Pieks: Müssen wir uns Sorgen machen?

Eine Corona-Impfung verspricht Schutz – und wenn möglichst viele Menschen geimpft sind auch wieder ein halbwegs normales Alltagsleben. Doch immer wieder ist von Problemen nach der Impfung zu hören. Was ist da dran? Hier die Fakten.

Impfung gegen  Covid-19
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Einerseits ist es ein Glück. Mehr und mehr Menschen bei uns in der Region bekommen eine Corona-Impfung. In Sachsen sind rund 550.000 Dosen verimpft worden, in Sachsen-Anhalt rund 300.000 und in Thüringen rund 350.000. Doch jetzt kommt das Andererseits: Immer wieder ist von schweren körperlichen Reaktionen nach der Impfung zu hören, machen Menschen bereitet da Sorgen.

Dabei sind nicht in erster Linie die extrem seltenen Verstopfungen einer Ader im Gehirn das Problem, die für ein kurzzeitiges Aussetzen der AstraZeneca-Impfung gesorgt hatten, sondern zum Beispiel grippeähnliche Erkrankungen mit Schüttelfrost und Fieber. Das für die Sicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im hessischen Langen hat in dieser Woche nun eine Zwischenbilanz zur Häufigkeit solcher Probleme gezogen. Demnach sind schwerwiegende Impfreaktionen nach dem Corona-Pieks weiterhin die absolute Ausnahme.

Das Immunsystem macht sich an die Arbeit

Vielleicht noch mal zur Erinnerung: Grundsätzlich unterschieden werden muss zwischen Impfreaktionen und Impfkomplikationen. Die erste Gruppe ist ganz normal und zeigt vor allem, dass sich unser Immunsystem an die Arbeit macht, das ist sozusagen ein erwünschter Effekt. Hier kann es zu Rötung, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle kommen, aber auch zu Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Das alles sollte in der Regel nach wenigen Tagen komplett abklingen.

Davon zu unterscheiden sind Nebenwirkungen und Impfkomplikationen. Die bergen laut Robert Koch-Institut (RKI) den „Verdacht einer über das übliche Maß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung“ und sind meldepflichtig. Diese Ereignisse sind nämlich nicht nur lästig, sie können richtig gefährlich sein.

Die PEI-Experten haben sich die Daten zu fast neun Millionen Impfungen in Deutschland angesehen, die bis zum 12. März verabreicht worden waren. Im Fall der sogenannten Sinusvenenthrombosen im Gehirn wurde auch noch die Woche bis zum 19. März schon mit ausgewertet. Dabei kam man auf insgesamt 14 Fälle, von denen zwei tödlich verlaufen waren.

Bei der Analyse hatte sich gezeigt, dass es schwerwiegende Probleme insgesamt gesehen statistisch nur bei 3 von 10.000 Impfdosen gab. Impfungen seien „eine effektive Maßnahme, die Corona-Pandemie einzudämmen und sich selbst vor Covid-19 zu schützen“, heißt daher im aktuellen Sicherheitsbericht der Behörde.

Meldungen bei Frauen deutlich häufiger

Insgesamt wurde dem PEI 351 Mal ein Verdacht auf einen Todesfall gemeldet. Die Verstorbenen waren dabei zwischen wenigen Stunden und 40 Tagen zuvor geimpft worden. 286 Fälle betrafen eine Impfung mit Biotech/Pfizer, je vier Moderna und AstraZeneca. Bei den anderen war der Impfstoff nicht bekannt. Bei den meisten Betroffenen bestanden laut PEI „zum Teil multiple Vorerkrankungen“.

Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen wurden insgesamt 19.194 Mal gemeldet. 10.500 Mal für Biontech/Pfizer, 7663 Mal für AstraZeneca und 736 Mal für Moderna. Ein kleinerer Teil davon wurde als schwerwiegend eingestuft, also als Reaktionen, „bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt“ oder die „medizinisch bedeutsam“ wurden. Das war 2287 Mal der Fall. Davon entfielen 1728 auf Biontech/Pfizer, 352 auf AstraZeneca und 113 auf Moderna.

Nach Angaben der Behörde unterscheiden sich Beschwerden über Impfreaktionen bei den drei Herstellern im Detail. Bei Biontech/Pfizer wurde vor allem über Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und Ermüdung berichtet. Bei AstraZeneca waren es vor allem grippeähnliche Erkrankungen, Schüttelfrost und Fieber. Und bei Moderna wurde gelegentlich über Hautauschlag geklagt.

Laut PEI waren die geimpften Personen, bei denen unerwünschte Reaktionen gemeldet wurden, im Mittel 45 Jahre alt. Drei Viertel der Meldungen hätten Frauen betroffen. Diese Verteilung sein nach Daten des RKI vermutlich durch eine höhere Rate an Impfungen bei Frauen zu erklären.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 28. März 2021 | 17:10 Uhr

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Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank