Bleiben wir bis Ostern im Lockdown?

Seit Wochen ist wegen Corona das öffentliche und private Leben stark eingeschränkt. Aber bringt das auch was? Und wie lange geht das alles noch? Hier ein paar Antworten.

Symbolfoto Osterhase mit Maske zum Corona Lockdown und Schutzmassnahmen
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Vielleicht fangen wir doch nochmal mit dem Wort an, das vor einem Jahr noch fast niemand kannte. Lockdown – so nennt man auf Englisch eine Ausgangssperre. Und seitdem die Pandemie unser Land und große Teile der Welt fest im Griff hat, bezeichnet man so auch die Beschränkungen des öffentlichen Lebens durch die viele Geschäfte und Kultureinrichtungen geschlossen sind und sich manche von uns nur noch mit triftigem Grund weiter von ihrer Wohnung entfernen dürfen.

Doch, wenn man ehrlich ist, eine Ausgangssperre ist das eben nicht.

Und das muss man sich klar machen, wenn man sich fragt, warum der Lockdown bisher nicht so richtig wirkt. Der Lockdown ist nämlich gar keiner – auch wenn ihn alle so nennen. Wenn, dann kann man bestenfalls von einem Lockdown light sprechen.

Das ist ja vielleicht auch ganz gut, unsere Leben sind eh schon eingeschränkt genug. Aber das ist eben auch der Grund, warum sich viele Menschen – vor allem im Privaten, aber auch in der Firma – eben doch noch begegnen. Und bei jeder dieser Begegnungen kann der Erreger weitergetragen werden.

Die perfekte Zeit für den Erreger

Die Wintermonate sind die perfekte Zeit für das Sars-CoV-2-Virus: Es ist kalt, die Luftfeuchtigkeit ist hoch, die Sonne selten zu sehen. Dafür halten wir uns gern viel drinnen auf, wo es oft wenig Luftaustausch gibt. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens sollten verhindern, dass die Fallzahlen explodieren – Stichwort: exponentielles Wachstum.

In Schutzausrüstung gekleidete Mitarbeiter des Whiston Hospitals kümmern sich um einen Patienten auf der Intensivstation.
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Doch ob das geklappt hat, ist auch nach mehr als zwei Wochen im neuen Jahr schwer zu sagen - zu wackelig ist die Datenbasis. Weniger Tests über die Feiertage, teilweise geschlossene Labore und Gesundheitsämter, Meldeverzug und so weiter. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet geht davon aus, dass ab dem 17. Januar eine realistische Bewertung der aktuellen Lage möglich ist. Zwischenstände bei den Daten sind nicht nur positiv, so wurde zuletzt gerade bei jungen, mobilen Menschen eine stärkere Betroffenheit bei den Infektionen bemerkt.

Positive Zwischenmeldungen von den Intensivstationen

Ein kleines gutes Zeichen gibt es aber auch: Zumindest auf den Intensivstationen scheint sich die Lage gerade minimal zu entspannen. Es sind nicht mehr ganz so viele Betten mit Corona-Patienten belegt. „Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, wäre das gut. Es geht endlich in die richtige Richtung“, so Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). Man könne heute sehen, dass die Feiertage keinen negativen Effekt für die Intensivstationen hatten. „Die meisten Leute haben sich an Weihnachten anscheinend extrem zurückgenommen“, so Marx. Das bestätigen im Grundsatz auch Mobilitätsforscher.

Doch auch mehrere Wehrmutstropfen gibt es: Lockerungen könne man sich in der aktuellen Lage „absolut noch nicht erlauben“, warnt Intensivmediziner Marx. Dazu komme, dass die Situation nicht in allen Teilen Deutschlands gleich sei. „In Sachsen ist die Lage weiterhin mehr als angespannt.“ Und der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig warnt: „In den Altenheimen wirkt der Lockdown erst mal nicht.“

Zusätzliche Gefahr durch Mutationen

Mikroskop-Aufnahme von Coronavirus
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Insgesamt, warnen Forscher, sind weiterhin zu viele Menschen noch zu mobil. Das machen die oft auch nicht aus Spaß, sondern zum Beispiel, weil sie das für ihren Job müssen. Gerade in kleineren Firmen, wie sie es bei uns in der Region viel gibt, ist Homeoffice oft noch die Ausnahme – und nicht die Regel.

Wenn zumindest ein Teil des öffentlichen Lebens aber fast weiterläuft wie bisher, werden sich die Ansteckungszahlen wohl auch nicht so leicht drücken lassen. Doch genau das fordern viele Seuchenexperten – weil sich die Gefahr durch das Virus nur so unter Kontrolle bringen ließe. Eine besondere Herausforderung sind die aus Großbritannien und Südafrika bekannten Virusmutationen. Sie haben längst auch schon Deutschland erreicht.

Das Problem: Diese Erreger breiten sich noch einmal deutlich einfacher aus. Das heißt: Ein Kontakt, der bisher gerade noch ok war, wird es in Zukunft nicht mehr sein. Die Fallzahlen könnten also noch einmal dramatisch steigen. Mit dem Impfen werden wir dabei wahrscheinlich nicht schnell genug hinterherkommen. Der Forscher Andreas Schuppert von der Technischen Hochschule Aachen spricht von einem Wettrennen zwischen den Impfungen und der Mutante: „Epidemiologisch gesehen macht es deshalb jetzt durchaus Sinn, sehr vorsichtig zu sein. Bis sich der Effekt der Impfungen in den Kliniken zeigt, dürfte es noch einige Zeit dauern.“

Hoffen auf den Sommer - 2022

Zweite Corona-Impfung für 101-Jährige in Halberstadt
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Dass der Lockdown, wenn man ihn denn so nennen will, vor diesem Hintergrund schnell endet, braucht niemand glauben. Und so ist es nur konsequent, dass Sachsen-Anhalt seine Schulen bis Ende Februar geschlossen halten will. Ob die aktuellen Einschränkungen dann tatsächlich bis Ostern gelten würden, wie es die Bundeskanzlerin angeblich ins Gespräch gebracht hat, ist eine andere Sache.

Vielleicht müssen sie allerdings zwischenzeitlich sogar noch einmal verschärft werden. „Fast überall in Europa steigen die Infektionsraten trotz Lockdown. Wir müssen die Lage weiter aufmerksam beobachten und, wenn nötig, reagieren, um das Virus in Schach zu halten“, warnt etwa Bundesfinanzminister Olaf Scholz.

Jetzt kann man fragen, wann das alles endlich mal aufhört. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung wagt zumindest schon mal eine Langfristprognose: „Im Sommer 2022 haben wir das alte Leipzig zurück.“

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 16. Januar 2021 | 11:10 Uhr

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