Corona-Risikogebiet Tschechien: Politikerin fordert Grenzschließung

Die Zahl der Corona-Infizierten wächst in Tschechien rasant an, deshalb wurde der nationale Notstand ausgerufen und die Maßnahmen sollen noch verschärft werden.

Grenzübergang zu Tschechien
Bildrechte: imago images/Bernd März

Die Corona-Situation in Tschechien scheint immer mehr außer Kontrolle zu geraten: Das Nachbarland verzeichnet einen starken Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen. Im Schnitt steckten sich nach Angaben der EU-Agentur ECDC binnen 14 Tagen 493,1 Menschen je 100 000 Einwohner an – der höchste Wert innerhalb der EU.

Die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Pandemie überstieg am Montag erstmals die 1000er-Marke. In Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung starben 1045 Menschen, wie aus den Daten des Gesundheitsministeriums hervorging.

Nach Informationen unseres ARD-Reporters Danko Handrick bereitet sich die tschechische Regierung auf die Überlastung des Gesundheitssystems vor. Offenbar wird mit Deutschland verhandelt, ob unter anderem Deutschland Patienten aus Tschechien aufnehmen kann.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie greift Tschechien zu immer härteren Maßnahmen. Von Mittwoch an werden Versammlungen mit mehr als sechs Menschen verboten, wie Gesundheitsminister Roman Prymula bekanntgab.

Restaurants, Bars und Klubs müssen dann bis auf weiteres schließen. Der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit wird untersagt. Alle Schulen müssen bis Anfang November für knapp drei Wochen zum Fernunterricht übergehen. Die Maskenpflicht gilt nicht mehr nur in Innenräumen, sondern auch an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel. Geschäfte bleiben geöffnet.

Notstand in Tschechien

Bereits Ende September wurde in Tschechien der nationale Notstand für 30 Tage ausgerufen. Es ist bereits der zweite Notstand der wegen Corona von der Regierung in Prag verhängt wurde. Der Notstand ermöglicht es der Regierung zum Beispiel Bürgerrechte wie die Versammlungsfreiheit einzuschränken, die Gerichte können höhere Strafen verhängen und Maßnahmen ohne Zustimmung des Parlaments werden möglich.

Roman Prymula
Der tschechische Gesundheitsminister Roman Prymula. Bildrechte: dpa

Der „raketenhafte Anstieg" der Infektionen müsse gestoppt werden, um einen Engpass bei der medizinischen Versorgung zu verhindern, sagte Gesundheitsminister Roman Prymula.

Harte Corona-Maßnahmen

Zuschauer sind im Sport nicht erlaubt. Für 14 Tage sind Veranstaltungen mit Gesang gestrichen. Dazu zählen Opern, Musicals und kollektives Chorsingen. Im Theater und Kino sind maximal 500 Zuschauer, ohne Pause, erlaubt. Die Regierung um Ministerpräsident Andrej Babis will außerdem ein Maßnahmen-Paket vorstellen. Unter anderem werde über die vollständige Schließung der Theater und Kinos verhandelt, erklärte Gesundheitsminister Roman Prymula. Außerdem sollen Hotels genutzt werden können, um Menschen in Quarantäne unterzubringen und von ihren Familienmitgliedern zu isolieren. So soll verhindert werden, dass das tschechische Gesundheitswesen womöglich in drei Wochen an seine Grenzen kommt.

Tschechische Grenze zu Sachsen

Noch ist die Grenze zwischen Tschechien und Sachsen geöffnet. Das heißt Sachsen können immer noch in Tschechien einkaufen. Auch die Geschäfte sind vom Notstand nicht betroffen und weiterhin geöffnet.

Allerdings wird von deutscher Seite immer wieder eine Grenzschließung bei weiter steigenden Infizierten-Zahlen im Nachbarland gefordert. Kürzlich sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken Susanne Schaper:

Wenn die Zahlen weiter in diesem Maße steigen, ist das nicht aufrechtzuerhalten, die Grenzen müssten geschlossen werden.

Bislang sind das aber Einzelmeinungen. Für eine Grenzschließung sieht man im sächsischen Sozialministerium keinen Handlungsbedarf.

Fahrten nach Tschechien

Die Bundesregierung hat ganz Tschechien zum Corona-Risikogebiet erklärt. Wer dorthin einreist, muss später in Deutschland unter Umständen bestimmte Corona-Auflagen erfüllen. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer appellierte bereits an die Eigenverantwortung. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er angesichts der aktuellen Situation und der Schutzvorschriften das Nachbarland besuchen wolle oder nicht. Zugleich kündigte Kretschmer Ausnahmeregelungen an.

Besonders für Pendler und Menschen, die Angehörige oder medizinische Einrichtungen besuchen, wurde diese Regelung eingeführt: Wer weniger als 48 Stunden in Tschechien war, muss bei der Rückkehr nach Deutschland nicht in Quarantäne und muss auch keinen Corona-Test machen. Diese Ausnahme gilt, laut dem sächsischen Sozialministerium, auch für den kleinen Grenzverkehr, also zum Beispiel zum Einkaufen oder für Ausflügler.

Bei der Einreise von Reisenden aus Tschechien nach Deutschland sind ansonsten eine Quarantäne und ein Corona-Test verpflichtend. Aber eine Durchreise ist ohne Nachweise möglich, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Webseite.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 13. Oktober 2020 | 06:00 Uhr

Weitere Informationen zu Corona