Die neuen Corona-Regeln: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Zuletzt aktualisiert: 16.04.2020 | 18:57 Uhr

Erste Lockerungen der strengen Corona-Verordnungen werden schrittweise umgesetzt. Doch bleiben viele Fragen: Warum gibt es keine Maskenpflicht oder warum dürfen nur bestimmte Geschäfte öffnen? Wir haben die Fragen von MDR JUMP-Hörern gesammelt. Die Antworten findest du hier!

Modell Coronavirus
Computermodell des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

An eine Sache muss sich Deutschland in der Corona-Krise wohl gewöhnen: Normal ist in unserem täglichen Leben nicht mehr allzu viel. Und so richtig normal wird es wohl auch so schnell nicht werden. Das zeigen auch die Beschlüsse zur Zukunft der Corona-Regeln, die Bund und Länder am Mittwoch getroffen haben: Einige Beschränkungen werden leicht gelockert, insgesamt bleiben aber viele bestehen, einstweilen bis zum 3. Mai – denn nur so lässt sich der Kampf gegen den Erreger Sars-CoV-2 weiter erfolgreich führen. Bundeskanzlerin Merkel sagte am Mittwoch:

Wir müssen die Erfolge sichern, die wir erreicht haben.

Denn tatsächlich: Zuletzt war die Zahl der Neuinfektionen zwar deutlich gesunken. Durch die Lockerungen dürfte sich das aber wahrscheinlich wieder ein Stück weit ändern.

Epidemiologen warnen: Bislang hat Deutschland der ersten Welle des Virus standgehalten, die Anstrengungen müssen aber bis zur Entwicklung eines Impfstoffs weitergehen – auch wenn die Einschränkungen in der Praxis viele Menschen auf eine harte Belastungsprobe stellen.

Uns haben zahlreiche Fragen von MDR JUMP-Hörern und Usern erreicht. Hier die Antworten auf die wichtigsten Punkte:

1. Warum gibt es keine generelle Maskenpflicht? Wann sollte ich jetzt eine Maske tragen?

Das Thema einer Maskenpflicht war, so ist zu hören, bei der Telefonschalte von Kanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs eines der umstrittenen Themen. Das Ergebnis: Eine Maskenpflicht, wie sie sich etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gewünscht hätte und wie sie in Städten wie Jena und bald auch Hanau in Hessen gibt, wird bundesweit zunächst nicht eingeführt.
Das hat wohl auch damit zu tun, dass nicht genügend geeignete Masken zur Verfügung stehen. „Wir müssen ja das, was wir fordern von den Bürgerinnen und Bürgern, auch wirklich umsetzen können“, erklärte Merkel dazu.

2. Momentan gibt es eine "dringende Empfehlung" Masken beim Einkaufen oder im ÖPNV zu tragen - welche sind geeignet?

Das können auch sogenannte Alltagsmasken aus Stoff sein, die Mund und Nase bedecken. Seien solche Masken einmal weit genug in der Bevölkerung verbreitet, könne man später auch über eine Maskenpflicht nachdenken, heißt es aus der Politik.
Vielleicht aber mal noch eine Erinnerung: Die Alltagsmasken schützen Trägerin oder Träger nicht wirklich vor dem Sars-CoV-2-Erreger. Bestenfalls helfen sie dabei, dass man niemanden anders unabsichtlich ansteckt. Und wichtig ist: Auch wer eine solche Maske trägt, muss sich unbedingt an die Abstandsregeln halten.

3. Wann öffnen Spielplätze wieder?

Wann die Kleinen wieder auf Schaukeln, Wippen und Kletterspinnen toben können, ist bisher noch nicht klar. Einstweilen bleiben Spielplätze geschlossen – und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Das liegt daran, dass sich auf ihnen einfach zu viele Menschen versammeln und eine Übertragung des Virus dort besonders einfach möglich wäre. Zumal gerade kleine Kinder mit Abstandsregeln ein Problem haben, weil sie diese weder begreifen noch befolgen würden.
Für Eltern sind die anhaltenden Spielplatzsperrungen zugegeben ziemlich nervig. Ihnen bleiben Möglichkeiten wie wohnortnaher Sport wie Inline-Fahren oder das Malen mit Kreide auf dem Fußweg, um den Nachwuchs zu beschäftigen.

4. Wann darf ich wieder in andere Bundesländer fahren?

Auch hier kann man – leider – nicht mit einem Datum antworten. Vorerst bis zum 3. Mai gelten die Kontaktbeschränkungen ja weiter. Die Menschen in Deutschland sollen sich möglichst viel zu Hause aufhalten, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.
Das heißt: Private Reisen und Verwandtenbesuchen bleiben de facto tabu. Auch Tagestourismus zum Beispiel in die benachbarten Bundesländer ist nach wie vor nicht drin. Wann sich das ändert, ist zurzeit nicht klar.

5. Muss ich eine Corona-App nutzen?

Vielleicht erst noch einmal zu Erinnerung, was eine Corona-App eigentlich soll: Ein entsprechendes Programm, installiert auf dem Smartphone mit GPS-Sensor, könnte einen warnen, wenn man Kontakt mit einer infizierten Person hatte. Dann müsste man sich in häusliche Quarantäne begeben, um den Erreger nicht ebenfalls weiter zu tragen.
Eine Pflicht, solch ein Programm zu nutzen, gibt es nicht. Sie ist aus rechtlichen Gründen auch nur schwer vorstellbar. Es soll außerdem auch noch Menschen geben, die gar kein Smartphone haben, nicht zuletzt auch gerade in der Risikogruppe der Senioren.
Andererseits sind Corona-Apps durchaus sinnvoll, um Infektionsketten nachverfolgen zu können. Erfolgreich können sie nur sein, wenn möglichst viele Menschen mitmachen. Deswegen wollen Bund und Länder die Menschen in Deutschland dazu auffordern, solche eine App zu installieren – und jetzt kommt’s – sobald sie verfügbar ist.
Denn bisher gibt es die Programme noch nicht. Experten arbeiten aber daran. Ein gesamteuropäisches Architekturkonzept namens „Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing“ liegt zumindest schon vor. Es soll helfen, die Datenschutzregeln einzuhalten. Unter anderem wird durch die entsprechenden Apps dann kein Bewegungsprofil der Nutzer erfasst.

6. Warum werden die Kontaktsperren und Einschränkungen verlängert?

Darauf gibt es eine ziemlich simple Antwort: Kontaktsperren und Einschränkungen werden verlängert, weil weiterhin die Gefahr besteht, dass das Corona-Virus unser Gesundheitssystem in die Knie zwingt und dann viele Menschen sterben. Der Erreger zirkuliert noch, die meisten Menschen in Deutschland haben keinerlei Abwehrkräfte dagegen.
Dass die Fallzahlen zuletzt gesunken sind, hat mit den bisherigen Beschränkungen zu tun. Werden sie jetzt gelockert, werden auch die Infektionen wieder zunehmen. Im Idealfall ist der Anstieg nicht zu stark, sodass alle Infizierten gut behandelt werden können.
Man kann sich das so vorstellen, als hätte man eine Wasserleitung mit einem Loch im Bad. Wenn man das Loch mit der Hand abdichtet, läuft das Wasser ab und der Fußboden trocknet langsam. Sobald man die Hand aber auch nur ein bisschen vom Loch nimmt, läuft weiteres Wasser nach – und man steht wieder im Nassen.
Deswegen bleibt das Kontaktverbot jetzt erst einmal bis zum 3. Mai, am 30. April wird wieder verhandelt, wie es weiter geht. Mit einer vollständigen Aufhebung der Beschränkungen ist auch dann nicht zu rechnen.

7. Was wird jetzt aus meinem Urlaub im Sommer?

Für zahlreiche Menschen ist der Sommerurlaub das Highlight schlechthin. Dieses Jahr, soviel kann man schon mal sagen, wird er in vielen Familien anders ablaufen als sonst. Nach wie vor gilt eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für touristische Reisen ins Ausland. An den Grenzen gibt es verschärfte Kontrollen. Übernachtungsmöglichkeiten im Inland gibt es derzeit de facto auch nicht, weil Hotels, Pensionen und Campingplätze geschlossen sind.
Vor ein paar Tagen hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen den Menschen von Buchungen für den diesjährigen Sommerurlaub abgeraten: "Ich rate dazu, mit solchen Plänen noch zu warten. Für Juli und August kann derzeit niemand verlässliche Vorhersagen machen", sagte sie.
Schulkinder werden auf jeden Fall Ferien haben. Zu den Großeltern sollten sie dabei wenn möglich nicht, wegen der Ansteckungsgefahr. Aber viele Arbeitnehmer werden ihren Urlaub in diesem Jahr trotzdem nehmen müssen. Das hat auch damit zu tun, dass Arbeitgeber für das Mitnehmen von Resturlaub ins kommende Jahr finanzielle Rückstellungen bilden müssen – und darauf in der aktuellen Krise wenig Lust haben dürften.

8. Wie kommt die Quadratmeterzahl zustande, nach der Geschäfte wieder öffnen dürfen?

Dass Läden mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern bald für Kunden wieder öffnen dürfen, größere aber nicht, ist vor allem eines: ein politischer Kompromiss. Eine harte wissenschaftliche Grundlage für die Quadratmeterzahl gibt es nicht. Auch nicht dafür, dass zum Beispiel Autohäuser oder Buchläden wieder öffnen dürfen, Möbelhäuser und andere aber nicht.
Bei den Verhandlungen zwischen Bund und Ländern war die Frage der Öffnung der Geschäfte heiß diskutiert. Zwischen NRW- Ministerpräsident Armin Laschet und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier soll es Streit gegeben haben. Laschet soll Altmaier vorgeworfen haben, sich zu wenig um die Interessen des Handels zu kümmern. Ursprünglich soll eine Grenze von 400 Quadratmetern geplant gewesen sein, im Zuge der Verhandlungen wurde sie dann auf 800 Quadratmeter erhöht. Der Handelsverband HDE ist damit nicht zufrieden, er beklagt Wettbewerbsverzerrungen zwischen verschiedenen Firmen.
Für die Wiedereröffnung der Läden gibt es auf jeden Fall Bedingungen: Die Händler müssen den Zutritt beschränken und Regeln beim Abstand zwischen den Kunden und bei der Hygiene einhalten. Außerdem müssen Länder und Kommunen die Regeln in der Praxis umsetzen, hier kann es zu individuellen Unterschieden bei den Anforderungen kommen.

9. Angeblich ist das Virus aus einem Labor in Wuhan entkommen, was ist da dran?

Die Familie der Corona-Viren ist schon lange bekannt, weniger schwerwiegende Varianten plagen den Menschen seit langem. Bis heute ist nicht klar, wie nun der aktuelle Sars-CoV-2-Erreger auf den Menschen übergesprungen ist. Eine mögliche, nicht unwahrscheinliche Erklärung ist, dass der Virus durch den Verzehr von exotischen Lebewesen aus einem tierischen Zwischenwirt in den Körper des ersten Patienten in China gelangt ist. Hieb- und stichfeste Beweise dafür fehlen aber.
Das bedeutet, dass auch andere Erklärungen diskutiert werden. Immer wieder werden dabei die Namen von zwei Labors in der chinesischen Stadt Wuhan genannt: das „Wuhan Institute of Virology“ und das „Wuhan Center for Disease Control and Prevention“. Von Wuhan aus, so viel scheint klar, hat der Erreger seinen Siegeszug um die Welt begonnen. Und im ersten der beiden Labore hatten US-Diplomaten, wie erst kürzlich bekannt wurde, schon 2018 Sicherheitsprobleme beklagt. Dafür, dass das Virus tatsächlich von dort stammt, fehlen aber jegliche Beweise.
Klar zu sein scheint, dass der Erreger keine absichtlich gezüchtete Biowaffe ist. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher nach der Analyse seines Erbguts. Die Begründung: Die Infektion von Zellen durch den Erreger ist vergleichsweise ineffizient, Erschaffer einer Biowaffe hätten leicht einen noch viel effektiveren Virus erschaffen können.
Das heißt: Wenn der Sars-CoV-2-Erreger tatsächlich aus einem Labor stammen sollte, wofür es derzeit keine Belege gibt, wäre es am ehesten ein Unfall gewesen und keine Absicht.

10. Wann gibt es Impfschutz, bzw. Medikamente?

Das ist nicht einfach zu sagen. Aktuell laufen sowohl Medikamenten- als auch Impfstoffentwicklung auf Hochtouren. Es gilt als wahrscheinlich, dass Medikamente vor einem Impfstoff auf dem Markt sein dürften. Das hat damit zu tun, dass für die Behandlung von Covid-19-Patienten teils auf Wirkstoffe gesetzt wird, die für andere Erkrankungen bereits im Einsatz sind. Das macht den Zulassungsprozess einfacher.
Allerdings gehen Experten davon aus, dass von einem Corona-Medikament auch keine Wunder zu erwarten sind. Solche Wirkstoffe dürften bestenfalls die Symptome etwas abmildern oder die Dauer einer Erkrankung leicht verkürzen.
Einen umfassenderen Schutz vor den negativen Folgen würde ein Impfstoff bieten. Auch an dem Forschen zahlreiche Teams weltweit. Die Zeitspanne bis zu einer Markteinführung gilt hier als länger, auch wegen der nötigen Tests. Wenn viele Millionen, vielleicht sogar Milliarden von Menschen geimpft werden, muss klar sein, dass es am besten keine Nebenwirkungen gibt.
Bis ein Impfstoff vorliegt, könnten ein bis anderthalb Jahre vergehen, ist immer wieder zu hören. Tatsächlich gibt es aber noch nicht einmal eine Garantie, dass es am Ende überhaupt einen Impfstoff geben wird.

11. Warum sind die Regeln in den Bundesländern in Deutschland unterschiedlich?

Das hat mit dem Föderalismus zu tun. Entscheidungen sollen möglichst dort getroffenen werden, wo man sich am besten mit den Bedingungen vor Ort auskennt. In manchen Fragen ist das der Bund, zum Beispiel bei der Frage der Außengrenzen. In anderen Punkten treffen Länder und Kommunen die Entscheidungen. Das ist für die Menschen nicht immer einfach, weil eine Art juristischer Flickenteppich entsteht.
Der Föderalismus bietet aber auch ernsthafte Vorteile beim Kampf gegen Corona, weil die Bedingungen in vielen Fällen wirklich von Land zu Land verschieden sind – bei der Frage der Infektionsrate pro Kopf zum Beispiel oder aber bei der Menge der für die Bevölkerung zur Verfügung stehenden Intensivbetten im Krankenhaus.   

12. Warum bleiben Gaststätten und Kirchen geschlossen, Schulen und Geschäfte dürfen aber öffnen?

Die aktuell ausgehandelten Regeln sind ein Kompromiss. Und zum Wesen von Kompromissen gehört, dass sie nie jeden zufriedenstellen können. Vor allem um die Frage der Gottesdienste hat es, so war nach den Verhandlungen zu erfahren, eine längere Diskussion in der Schalte zwischen Bund und Ländern zu den neuen Regeln gegeben. Dabei spielte unter anderem die Frage eine Rolle, ob das aktuelle Verbot gegen die im Grundgesetzt garantierte Religionsfreiheit verstößt.
Eine katholische Kirchgemeinde in Berlin hatte vor Gericht ein Ende des Gottesdienstverbotes erreichen wollen, war damit aber gescheitert. Die Richter hatten zur Begründung auf den Infektionsschutz verweisen.
Thüringens Ministerpräsident Ramelow hatte sich in den aktuellen Verhandlungen nun zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin laschet für Erleichterungen für die Religionsgemeinschaften stark gemacht, konnten sich aber nicht durchsetzen.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer erklärte anschließend, Bundesregierung und einige Ministerpräsidenten wollten in der kommenden Woche aber mit den Religionsgemeinschaften sprechen. Es solle um die Frage gehen, ob und unter welchen Bedingungen Gottesdienste möglicherweise ab Anfang Mai möglich sein könnten.

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