Können Mücken das Coronavirus übertragen?

Die Mückensaison steht bevor und viele Menschen stellen sich eine berechtigte Frage: Sind die Insekten dieses Jahr nicht nur nervig, sondern durch die Corona-Pandemie eine zusätzliche Gefahr? Experten geben Entwarnung.

Mücke
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Bisher gibt es keine klaren Beweise dafür, dass Mücken als Überträger des Coronavirus eine wichtige Rolle spielen. Der Hauptübertragungsweg für das Coronavirus bleibt laut der Weltgesundheitsorganisation die Tröpfcheninfektion. Auch der Mediziner Dr. Christoph Specht schließt deshalb eine ernstzunehmende Coronavirus-Gefahr durch Mücken aus:

Die Angst, dass jetzt im Sommer die Mücken eine Infektionswelle verschlimmern würden, ist Gott sei Dank nicht begründet.

Das heißt, der klassische Weg über die Tröpfcheninfektion ist deutlich gefährlicher. Deswegen sollte durch Abstände und Mundschutz verhindert werden, dass beim Niesen oder Husten Tröpfchen auf andere Menschen übertragen werden.

Mücken übertragen Viren schlecht

Damit eine Stechmücke ein Virus übertragen kann, muss sie dieses beim Blut saugen aus der Blutbahn des Menschen bekommen. Das wäre die erste Hürde für das Insekt, um an das Coronavirus zu gelangen. Experten zufolge wurde Erbgut des Coronavirus bei Erkrankten zwar im Blut nachgewiesen, allerdings kein vermehrungsfähiges Virus. Außerdem müsste sich das Virus in der Mücke vermehren, damit sie andere Menschen anstecken kann. Auch die Abgabe eines Virus durch eine Mücke auf einen Menschen ist ein sehr komplizierter Prozess. Das hat Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Argrarland-Forschung in Müncheberg MDR JUMP gesagt.

Mücke und Erreger kommen nicht zusammen, wenn es nicht passt.

Dieser komplizierte Prozess wäre für das Virus ein viel zu schwieriger Weg, um sich zu verbreiten, so Werner. Nach aktuellem Forschungsstand sei deswegen ausgeschlossen, dass durch Mücken eine Coronavirus-Gefahr besteht.

West-Nil-Virus bleibt Gefahr

Obwohl also Mücken das Coronavirus vermutlich nicht übertragen können, sind sie nicht grundsätzlich ungefährlich. Im vergangenen Jahr wurde ein Fall bekannt, bei dem ein Mensch erstmals durch eine Mücke mit einem West-Nil-Virus infiziert wurde. Die Person aus Sachsen erkrankte dadurch an einer Gehirnentzündung und wurde am Leipziger St. Georg-Klinikum behandelt. Laut Werner nimmt die Gefahr derzeit weiter zu, dass Mücken das West-Nil-Virus übertragen. Dazu forscht die Wissenschaftlerin seit mehreren Jahren, denn jede der 50 verschiedenen Stechmückenarten bringt eigene Eigenschaften mit sich:

Man kann nicht jeder Stechmücke einzelne Viren zuschreiben.

Seit zwei Jahren ist die Infektionsgefahr mit dem West-Nil-Virus gestiegen. Dabei geht es laut Werner nicht darum, dass sich die Anzahl der Mücken deutlich erhöhen würde, sondern die Bedingungen für die Virusverbreitung hat sich deutlich verbessert. Mücken mögen es warm und feucht. Die beiden vergangenen heißen Sommer kamen ihnen also ganz gelegen. Durch die klimatischen Bedingungen kann sich das Virus in der Mücke besser vermehren, deshalb steigt bei einem Mückenstich dann die Infektionsgefahr.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. Mai 2020 | 13:15 Uhr

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