Viele mitteldeutsche Zoos und Tierparks in Not wegen Corona

07.04.2020 | 13:00 Uhr

Um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen sind auch die Zoos in Mitteldeutschland geschlossen. Zwar gibt es jetzt keine Besucher mehr, aber die Kosten laufen weiter. Denn die Tiere müssen natürlich auch weiterhin versorgt werden. Wie geht es den Zoos jetzt?

zwei Erdmännchen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist ein ungewöhnlicher Anblick: Der Frühling kommt und die Sonne strahlt, aber im Erfurter Zoo sind keine Besucher zu sehen. Das wird sich auch erstmal nicht ändern, denn in Deutschland sollen die Zoos mindestens bis nach Ostern geschlossen bleiben. Eine schwierige Zeit für die zoologischen Gärten, denn die Kosten laufen weiter. Katrin Gallion ist Verwaltungs-Chefin im Zoopark Erfurt und erklärt, dass Zoos keine Kosten sparen und Leute nach Hause schicken können, denn die Tiere müssen weiterhin versorgt und gepflegt werden. Dafür hat der Zoo in Erfurt extra einen Notfall-Plan aufgestellt:

Wir haben ein System, in dem die Tierpfleger in Schichtarbeit arbeiten. Insofern gibt es bei uns keine Auswirkungen, wie Kurzarbeit. Wir hoffen natürlich, dass die Kollegen gesund bleiben und wir keine größeren Personalausfälle zu verzeichnen haben. Die uns dann natürlich an Grenzen bringen würden.

Die momentane Situation bedeutet für Zoos finanzielle Verluste. Denn wo keine Besucher sind, sind auch keine Einnahmen durch Eintrittsgelder. Auch Pachteinnahmen fallen dem Zoopark Erfurt derzeit weg. Aber weil der Zoopark Erfurt zu den städtischen Einrichtungen gehört und deshalb von der Stadt bezuschusst wird, ist immerhin die Hälfte der Gelder gesichert.

Damit sind wir nicht ganz so schlimm betroffen, wie die privatwirtschaftlichen Unternehmen.

Tiere vermissen die Besucher

Zoopark Erfurt Direktorin Sabine Merz
Zoopark Erfurt Direktorin Sabine Merz Bildrechte: IMAGO images / VIADATA

Zoodirektorin Sabine Merz aus Erfurt hat festgestellt, dass es auch den Tieren zu schaffen, wenn sie nicht mehr von hunderten Besuchern am Tag bestaunt werden.

Einer Reihe von Huftieren ist es ziemlich egal. Aber es gibt ein paar Tiere, die reagieren ganz extrem - das hätte ich so auch nicht gedacht. Unsere beliebten Streichelziegen, afrikanische Zwergziegen, die fremdeln schon richtig. Ziegen sind hochintelligente Tiere, die sich sehr schnell an neue Situationen anpassen. Vor zwei Tagen war ich da drin, um zu schauen, wie sie reagieren. Und sie sind geflüchtet. Normalerweise kommen sie, wenn jemand am Futterautomaten oder am Bürsten-Stand steht und sind gleich zur Stelle.

Außerdem gibt es Tiere, denen ohne menschliche Zuschauer sogar etwas langweilig ist:

Nachwuchs bei den Berberaffen, der Kleine ist am 05.08.2018 geboren und bleibt in der Nähe der Mutter
Bildrechte: IMAGO images / Karina Hessland

Langweilig ist es den Berber-Affen. In die Anlage kann man als Besucher reingehen und die Affen direkt beobachten. Denen fehlen die Beobachtungssubjekte. Die Affen haben eine eigene Sozialstruktur. Dazu gehört der Aspekt, dass man andere Lebewesen extrem beobachtet und auch die Sozialstruktur anderer Lebewesen. Um selber abzuschätzen, ob es gefährlich oder interessant ist oder ob es da eine Futterquelle gibt. Da fehlen jetzt deutlich die Besucher, die die Affen nicht mehr beobachten können.

Dafür freuen sich die Affen nun umso mehr über die Pfleger, Gärtner und Handwerker, die immer mal bei den Affen vorbeikommen, erzählt Zoodirektorin Sabine Merz weiter. Doch die Ruhe hat auch gute Seiten, denn im Erfurter Zoopark steht eine Elefantengeburt kurz bevor und so kann sich die Elefantenkuh Chupa noch etwas entspannen. Aber trotzdem bleibt es aufregend, weiß Zoodirektorin Sabine Merz:

Die Elefantengeburt gilt als eine der schwierigsten im Tierreich aufgrund der Anatomie der Elefanten. Da hoffen wir natürlich, das alles gut geht und dass sie ein gesundes Kalb zur Welt bringt.

Einen Abstecher in den virtuellen Zoo

Virtuell kann man den Zoopark Erfurt immer noch besuchen. Auf der Homepage des Zoos gibt es von vielen Tieren Bilder und dazu auch eine Wissensschule für Kinder. Dort können sie gemeinsam mit ihren Eltern mehr über verschiedene Tierarten, wie Elefanten, Yaks und Flamingos lernen. Auch viele andere Zoos haben inzwischen digital nachgerüstet und bieten den Besuchern und Fans lustige und interessante Einblick über die sozialen Netzwerke oder ihre Homepages.

Soforthilfe für Zoos gefordert

Damit die Corona-Pandemie nicht zu einer großen finanziellen Katastrophe für viele mitteldeutsche Zoos wird, fordert der Verband der zoologischen Gärten eine Soforthilfe von 100 Millionen Euro. Das begrüßt auch die Verwaltungs-Chefin des Erfurter Zooparks, Katrin Gallion. Sie weiß auch, dass gerade für private Zoos die Situation noch schlimmer ist, da sie nicht so abgesichert sind, wie städtische Zoos.

So geht es anderen mitteldeutschen Zoos

Sachsen

Jörg Junhold, der Direktor des Leipziger Zoos, merkt es besonders den sozialen Tieren, wie Elefanten und Menschenaffen an, dass sie die Besucher vermissen. Auch der Leipziger Zoo rechnet bereits jetzt mit einem Verlust von mehr als vier Millionen Euro durch die Corona-bedingte Schließung. „Das ist natürlich eine Katastrophe", sagt Jörg Junhold, da sich der Zoo zu 90% selbst finanziert.

Im Zoo Hoyerswerda gibt es eine gute Nachricht: Ein kleines Lämmchen kam zur Welt - ganz ohne Zuschauer. Doch sonst gibt es nicht viel Positives an der Situation, erklärt Eugène Bruins, der Zoodirektor:

Es macht Sorgen, dass man keine Besucher hat momentan, dass man Einnahmen einbüßen muss. Bei uns im Zoo ist das jede Woche fünfstellig. Und mit Ostern ist es natürlich noch viel schlimmer.

Der Zoo der Minis in Aue wird virtuell: Regelmäßig postet der Zoo Updates der Tiere in den Sozialen Netzwerken. So kann man schon jetzt das frischgeborene Alpaka-Fohlen anschauen.

Sachsen-Anhalt

Auch der Bergzoo in Halle ist natürlich wegen Corona geschlossen. Und der Zoo musste auch die Ausstellung „Magische Lichterwelten" frühzeitig beenden. Damit die Besucher trotzdem wissen, wie es ihren Lieblingstieren geht, postet der Zoo kleine Videos in den sozialen Netzwerken.

Ein Mann streichelt ein Schwein.
Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

So einige Tiere im Zoo Aschersleben vermissen die Streicheleinheiten der Besucher. Dann müssen die Pfleger ran. Zum Glück können sie die Schweine auch ganz gut kraulen. Aber die viele Zeit kann man auch sinnvoll nutzen: Die Mitarbeiter können, laut Zoochef Alexander Beck, nun Dinge erledigen, für die sonst keine Zeit bleibt. 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Die Feierabendshow | 03. April 2020 | 18:40 Uhr

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