Kinderkrankengeld deutlich ausgeweitet – noch viele Fragen offen

Weil die Schulen und Kitas weiter zu sind soll es doppelt so viele Kinderkrankentage geben. Doch wie genau das umgesetzt werden soll ist noch unklar.

Eine Mutter arbeitet Zuhause an einem Laptop, während ihre beiden Kinder neben ihr malen und ein Buch ansehen.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder haben vereinbart, die Kinderkrankentage in diesem Jahr zu verdoppeln. Pro Elternteil soll es 20 statt zehn Tage geben. Für Alleinerziehende steigt der Anspruch von 20 auf 40 Tage.

Einigung Bund-Länder-Schalte

So steht es im aktuellen Bund-Länder-Beschluss:
Der Bund wird gesetzlich regeln, dass das Kinderkrankengeld im Jahr 2021 für 10 zusätzliche Tage pro Elternteil (20 zusätzliche Tage für Alleinerziehende) gewährt wird. Der Anspruch soll auch für die Fälle gelten, in denen eine Betreuung des Kindes zu Hause erforderlich wird, weil die Schule oder der Kindergarten bzw. die Klasse oder Gruppe pandemiebedingt geschlossen ist oder die Präsenzpflicht im Unterricht ausgesetzt wurde.

Kinderkrankentage wegen geschlossener Schulen und Kitas

Wegen der Corona-Krise gab es schon 2020 mehr Kinderkrankentage. Doch um Eltern, die wegen der Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssen, finanzielle Sorgen zu nehmen, wird das Angebot nun deutlich ausgeweitet: Die Kinderkrankentage dürfen nicht nur bei Krankheit des Kindes in Anspruch genommen werden, sondern auch, wenn Schule oder Kita aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen sind. Außerdem soll das auch dann gelten, wenn eine Kita grundsätzlich weiter geöffnet ist, die Eltern aber freiwillig der Bitte nachkommen, ihre Kinder nicht in die Einrichtung zu bringen.

Umsetzung noch unklar

Laut dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen gibt es aktuell noch keine Regelungen aus dem Gesundheitsministerium. Bisher lägen keine weiteren Informationen zu den Plänen vor. Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es:

Wir werden zeitnah einen Vorschlag für eine gesetzliche Regelung vorlegen.

Der GKV geht davon aus, dass die staatliche Maßnahme im Rahmen der Pandemiebekämpfung auch staatlich finanziert werde. Kinderkrankengeld zahlt normalerweise die gesetzliche Krankenkasse, wenn Eltern wegen der Pflege eines kranken, unter 12 Jahre alten Kindes nicht arbeiten gehen können. Es beträgt 90 Prozent des Nettoverdienstes.

Praktische Fragen offen

  • Wie kommt man an das Geld?

Normalerweise stellt ja der Arzt ein Attest aus, wenn das Kind krank ist. Dieses wird dann an die Krankenkasse geschickt und man bekommt das Kinderkrankengeld. Die Neuregelung betrifft nun aber auch gesunde Kinder, wo es kein Attest gibt, da es ja auch gar nicht um eine Krankschreibung geht.

  • Wird das Geld auch an Mitarbeiter gezahlt, die im Homeoffice sitzen?

Das ist wohl laut Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Familienministerin Franziska Giffey (SPD) so geplant. Homeoffice und eine gleichzeitige Kinderbetreuung sei nicht zumutbar.    

  • Haben privatversicherte Eltern einen Anspruch?

Laut der bisherigen Regelung gehen nicht gesetzlich Versicherte leer aus. Die SPD plädiert allerdings dafür, dass es auch für privatversicherte Eltern eine Lösung geben soll.

  • Wie viele Krankentage darf man wegen Schul- oder Kitaschließung geltend machen?

Noch unklar ist, ob man alle Krankentage wegen Schul- oder Kitaschließung verbrauchen darf oder nur die zusätzlichen. Immerhin käme man mit den 20 zusätzlichen Tagen komplett über den Januar. Aber wann Kitas und Schulen wieder aufmachen ist ja noch ungewiss.

Beschlossen werden könnten die Regelungen Mitte des Monats, wenn zum ersten Mal in diesem Jahr der Bundestag zusammenkommt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Bei der Arbeit | 08. Januar 2021 | 12:45 Uhr

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