Sinkende Inzidenzen: Wird die Maskenpflicht bald aufgehoben?

Beim Einkaufen, im Restaurant oder auf Arbeit: Trotz sinkender Inzidenzen gilt an vielen Orten nach wie vor Maskenpflicht. Gesundheitsminister Jens Spahn stellt allerdings ein Ende in Aussicht - mit Einschränkungen.

Eine Frau trägt in der S-Bahn eine obligatorischen FFP2-Maske, sie spiegelt sich in der Fensterscheibe des Abteils.
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An kaum einer Schutzmaßnahme in der Corona-Pandemie hat sich so viel Streit entzündet, wie an der Maskenpflicht. Doch die könnte vielerorts schon bald wieder der Vergangenheit angehören, wenn es nach einigen Politikern geht. Mit rückläufigen Inzidenzen und steigender Impfquote würde eine Maskenpflicht nicht mehr notwendig.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki sieht etwa keine juristischen Voraussetzungen mehr für eine Maskenpflicht: "Wer die längerfristige Aufrechterhaltung der allgemeinen Maskenpflicht möchte - egal, ob in Innenräumen oder im Freien - muss dafür die gesetzliche Grundlage schaffen. Die gibt es bei einer dauerhaften Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 nicht", sagte er am Montag der DPA.

Ende der Maskenpflicht im Unterricht?

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht rief die Bundesländer dazu auf, zu überprüfen, ob die Maskenpflicht noch verhältnismäßig sei. Sie sagte der "Bild am Sonntag", dass die Masken vor allem für Schüler im Unterricht eine Belastung seien. Viele Landkreise in Sachsen haben die Maskenpflicht an Schulen allerdings bereits gelockert.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz Peter-Meidinger, warnt allerdings davor, Masken im Unterricht zu schnell abzuschaffen. Es gebe aber immer noch erhöhte Infektionszahlen bei Kinder und Jugendlichen, die bisher kaum geimpft seien. Viele Lehrer hätten außerdem ebenfalls noch keinen vollständigen Impfschutz.

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner reagierte verhalten auf die Vorstöße. Es sei falsch, "jetzt schon sämtliche Schutzmaßnahmen über Bord zu werfen, bevor alle, die das möchten, den vollständigen Impfschutz erhalten haben", erklärte Werner nach Angaben ihres Ministeriums am Sonntag in Erfurt.

Maskenpflicht in den Innenstädten teilweise abgeschafft

Es gibt allerdings auch Stimmen, die vor einem übereilten Ende der Maskenpflicht warnen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält zwar eine Aufhebung der Maskenpflicht im Freien für möglich, in Innenräumen sollte sie aber weiter bestehen bleiben, bis etwa 70 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft sind.

Einige Städte, wie Halle oder Leipzig haben die Maskenpflicht in ihren Fußgängerzonen bereits vor ein paar Wochen aufgehoben. In anderen Bereichen, etwa in der Außengastronomie, besteht die Pflicht allerdings nach wie vor.

Spahn: "Im Zweifel mit Maske"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schlägt unterdessen einen Stufenplan zur Abschaffung der Maskenpflicht vor. In einem ersten Schritt könnte die Maskenpflicht in Außenbereichen entfallen. In Regionen, in denen die Impfquote hoch ist und die Inzidenzen niedrig, könne sie auch drinnen abgeschafft werden. Trotzdem rät Spahn: "Im Zweifel mit Maske - besonders beim Reisen und bei Treffen in Innenräumen".

In Dänemark ist die Maskenpflicht seit Montag bereits fast komplett abgeschafft. Lediglich im öffentlichen Nahverkehr bleibt die Pflicht weiter bestehen, allerdings nur, wenn man keinen Sitzplatz hat. Auch diese Ausnahme soll am 1. September enden.

Mit Material von dpa, MDR Sachsen

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 14. Juni 2021 | 08:00 Uhr

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