Können Luftfilter für einen sicheren Schulstart nach den Sommerferien sorgen?

Obwohl das alte Schuljahr noch nicht zu Ende ist, laufen bereits die Vorbereitungen für den Neustart im Herbst. Viele befürchten wieder ein Chaos für die Kinder, da die kaum gegen das Corona-Virus geschützt sind. Im Moment wird heiß diskutiert, ob Luftfilter entscheidend zur Sicherheit an den Schulen beitragen können oder nicht. Das Bild ist sehr uneinheitlich.

Ein Luftfiltergerät steht in einem Klassenzimmer
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Das neue Schuljahr liegt gefühlt noch in weiter Ferne. Doch viele Eltern fragen sich schon jetzt sorgenvoll, ob es ein drittes Corona-Jahr mit Ausfällen und Homeschooling für die Kinder wird. Die Bildungsministerien der Länder sind bei der Beantwortung sehr vorsichtig: Alle planen zunächst mit weitgehendem Normalbetrieb und auch mit Schulaktivitäten, Ausflügen und Klassenfahrten. Festlegen für den Rest des Schuljahres will sich aber niemand.

Kein klares Bild bei Luftfiltern  

Für manche sind Luftfilter die Lösung für einen coronasicheren Schulbetrieb, andere bezweifeln ihre Wirksamkeit. In Bayern und Berlin werden viele Klassenzimmer gerade mit Luftfiltern aufgerüstet. In Bayern wurden Anträge für Filteranlagen für 14.000 Räume in Schulen gestellt. Ministerpräsident Söder hat das Ziel ausgegeben, dass es im Herbst in jedem Klassenzimmer und den Kitas mobile Luftfilter geben soll. Berlin hat nach eigenen Angaben die Anschaffung von rund 8.000 mobilen Luftfiltern gefördert, womit immerhin ein Drittel der Berliner Klassenräume ausgestattet werden können.

Auch Thüringen gibt Geld für Luftfilteranlagen und andere Ausstattung aus: fünf Millionen Euro seien eingeplant, eine halbe Million davon für die wissenschaftliche Begleitung zu Raumluftanlagen an Schulen. Einen detaillierten Überblick, wofür die Schulen das Geld genau verwenden, hat die Landesregierung nach eigenen Angaben nicht. Demnach ist auch unklar, in wie vielen Thüringer Schulen zu Beginn des neuen Schuljahres Luftfilter zum Einsatz kommen werden.

Die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt gehören dagegen zu den Luftfilter-Skeptikern. Ein Sprecher des sächsischen Kultusministeriums sagte auf MDR JUMP-Anfrage, dass man aufgrund der derzeitigen Diskussionen den Eindruck gewinnen könne:

… dass die 4. Welle, wenn sie denn kommt, offenbar nur mit dem Einsatz von Luftfiltern gebrochen werden kann. Mit Verlaub, das ist aberwitzig.

Dirk Reelfs, Sprecher des sächsischen Kultusministeriums

Die beiden Bundesländer setzen, wie viele andere auch, weiter auf das normale Lüften und verweisen auf die Empfehlungen des Umweltbundesamtes (UBA). Danach könnten mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein. Außerdem sei der Einsatz noch nicht in großem Maßstab in der Praxis erprobt. Stelle man solche Geräte falsch auf oder bediene sie nicht richtig, könne man sogar einen gegenteiligen Effekt erzielen, steht in einem Eckpapier des UBA.

UBA: Luftfilteranlagen rechnen sich nicht

Ein weiterer Punkt seien die hohen Anschaffungskosten. Hinzu komme, dass nach Beendigung der Pandemie solche Geräte an Schulen nicht mehr gebraucht würden. Es handele sich damit um keine nachhaltige Investition, so das UBA. Dennoch zahlt der Bund jetzt Fördermittel für fest verbaute Anlagen. Es gibt maximal 500.000 Euro. Die Förderung ist allerdings begrenzt auf Einrichtungen für Kinder bis zwölf Jahre, da für diese Altersgruppe bisher kein Corona-Impfstoff zugelassen ist, teilte das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit.

Forscher: Luftreiniger sind sinnvoll

Inzwischen gibt es mehrere Studien, in denen die Wirkung von mobilen Luftreinigern auf Aerosole in der Atemluft von Klassenräumen untersucht wurde, unter anderem eine vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München. Darin wurde festgestellt, dass die Aerosolkonzentration in einem 80 Quadratmeter großen Raum innerhalb kurzer Zeit auf ein niedriges Maß reduziert werden konnte. Studienleiter Christian Kähler meint, dass Luftreiniger eine neue Corona-Welle im Herbst an den Schulen verhindern könnten:

Mit den mobilen Raumluftreinigern können sie das indirekte Infektionsrisiko in Schulen nahezu vollständig ausschließen, wenn sie die richtig betreiben ... Diese Geräte bieten vor allen Virusvarianten einen guten Schutz.

Prof. Christian Kähler, Universität der Bundeswehr München

Mit Material von dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Themen des Tages | 01. Juli 2021 | 19:40 Uhr

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