Neue Einschätzung: Sollten jetzt alle Schulen Luftfilter bekommen?

Das Umweltbundesamt hat die Einschätzung zu Luftfiltern in Schulen geändert. Sie könnten Viren im Klassenzimmer reduzieren. Werden sie deshalb jetzt in allen Schulen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen installiert?

Ein Luftfiltergerät steht in einem Klassenzimmer
Können Luftfilter das neue Schuljahr sicherer machen? Bildrechte: dpa

Das Thema ist umstritten: Benötigen wir in allen Klassenzimmern Luftfilter, um die Corona-Pandemie erfolgreich zu bekämpfen? Schon lange wird darüber diskutiert. Was bringt es und lohnt es sich, viel Geld dafür zu investieren? Auch auf unserer MDR JUMP-Facebookseite habt ihr darüber diskutiert.

Doro aus Kleinschmalkalden schreibt: "In den Schulen hat sich immer noch nichts getan." Sie ärgert sich, dass bereits seit vergangenem Jahr über den großflächigen Einsatz der Filteranlagen diskutiert, aber kaum gehandelt werde. Ramon hält dem entgegen und schreibt "Die sind doch viel zu teuer".

Luftfilter können helfen

Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau gelten als richtungsweisend. Bisher hieß es, dass mobile Luftfilter in Klassenräumen kein Ersatz für das Lüften darstellen könnten.

Mobile Luftreiniger können weder CO2 noch Luftfeuchte abführen. Zudem sind sie in der Regel nicht in der Lage, die Innenraumluft schnell und zuverlässig von Viren zu befreien, insbesondere in dicht belegten Klassenräumen.

Umweltbundesamt

Viele Bildungsministerien in Deutschland verweisen auf die Argumentation der Behörde. Aus dem Kultusministerium in Erfurt heißt es beispielsweise: "Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes [...] lassen sich zugespitzt folgendermaßen zusammenfassen: Der beste Luftreiniger ist das geöffnete Fenster."

Die Einschätzung des Umweltbundesamtes wurde jetzt aber konkretisiert. Heinz-Jörn Moriske beschäftigt sich für das Amt mit der Innenraumlufthygiene. Dem Handelsblatt sagte er:

Natürlich helfen mobile Luftfilter gegen Viren – wenn es sich um geprüfte Geräte handelt und sie richtig im Klassenraum aufgestellt sind.

Heinz-Jörn Moriske, Umweltbundesamt

Nach den neuesten Empfehlungen sind die Luftfilteranlagen vor allem in Unterrichtsräumen mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit sinnvoll. Also, wenn beispielsweise Fenster nur angekippt geöffnet werden können. Dann sei der Einsatz mobiler Luftreiniger sinnvoll, um die Wahrscheinlichkeit einer indirekten Infektion zu minimieren.

Ein Luftfilter steht in einem Restaurant.
Bildrechte: dpa

Gibt es jetzt Luftfilter in Mitteldeutschland?

Im Hinblick auf das kommende Schuljahr müssen die Länder entscheiden, ob Luftfilter im Klassenraum eingesetzt werden. Vor allem im Winter, wenn das regelmäßige Lüften aufgrund der Kälte wieder unangenehmer ist, könnten Luftfilter helfen. Thüringen plant Geld für Luftfilteranlagen und andere Ausstattung auszugeben. Aber einen detaillierten Überblick, wofür die Schulen das Geld genau verwenden, hat die Landesregierung nach eigenen Angaben nicht. Ein Sprecher des sächsischen Kultusministeriums schreibt auf MDR JUMP-Anfrage:

Auch die neuerliche Einschätzung des Umweltbundesamtes rechtfertigt nicht die flächendeckende Einführung von mobilen Luftfiltern.

Dirk Reelfs, Sprecher des sächsischen Kultusministeriums

Es heißt weiter, dass die Anschaffung mobiler Luftfilter durch die Träger der Schulen begrüßt werde, wenn die Klassenräume nur schlecht gelüftet werden können. Spezielle Förderprogramme sind in Sachsen nicht geplant.

Jedoch gibt es eine Bundesweite Förderung. Der Bund zahlt für fest verbaute Anlagen maximal 500.000 Euro. Das Geld ist allerdings begrenzt auf Einrichtungen für Kinder bis zwölf Jahre, da für diese Altersgruppe bisher kein Corona-Impfstoff zugelassen ist, teilte das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit.

In Sachsen-Anhalt soll vor allem diese bundesweite Förderung genutzt werden. "Derzeit eruiert Sachsen-Anhalt darüber hinaus gehende Möglichkeiten", heißt es vom Bildungsministerium auf Anfrage von MDR JUMP. In Thüringen wird die Einschätzung des Umweltbundesamtes geteilt: "Dieser Forderung des Umweltbundesamtes [...] schließt sich das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft uneingeschränkt an."

Kekulé sieht Geräte kritisch

Der Virologe Alexander Kekulé glaubt jedoch nicht daran, dass Luftfilter überhaupt einen großen Effekt haben könnten. Gegenüber dem MDR sagte er: "Vom Konzept her ist es möglich, dass Luftfilter etwas bringen. Allerdings nur in bestimmten Settings." Für Klassenzimmer gebe es zu wenige Untersuchungen, um perfekte Bedingungen zu erhalten.

Ich bin dagegen, einen Schrotschuss zu machen, der dann nur der Industrie hilft, die die Luftfilter herstellt.

Alexander Kekulé, Virologe

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Nachrichten | 12. Juli 2021 | 06:00 Uhr

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