Rettet der Lolli-Test das nächste Schuljahr?

Corona-Tests können nerven, vor allem wenn das Stäbchen tief in Nase oder Rachen muss. Besser geeignet wären so genannte Lolli-Tests, die Experten gerade für Schulen empfehlen. Was sind die Vor- und Nachteile?

Eine Schülerin der Klaase 3a der Maria-Kunigunda-Grundschule macht den "Lolli-Test.
Bildrechte: dpa

Bis Anfang September ist jetzt erst einmal Ruhe in den Schulhäusern und Pausenhöfen unserer Region. Die Kids freuen sich über Sommerferien. Bei vielen Eltern schwingt aber eine bange Frage im Hintergrund mit: Wie geht es im neuen Schuljahr weiter angesichts der wieder steigenden Corona-Fallzahlen, die auf die besonders ansteckende Delta-Variante zurückgeführt werden? Die Politik hat bereits klargemacht, dass es erneute Schulschließungen nicht geben soll. So hat sich zum Beispiel Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer geäußert: Das sei eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, aber auch der psychischen Gesundheit von Kindern und Familien. Der Fehler, die Schulen zu schließen, dürfe nicht wiederholt werden, so Kretschmer.

Eine Möglichkeit, die Schulen auch bei steigenden Fallzahlen offen zu halten, ist das häufige Testen. Und hier gibt es ein vergleichsweise neues Verfahren, das vom Robert Koch-Institut (RKI) empfohlen wird. Die Rede ist von sogenannten Lolli-Tests. Die heißen so, weil man ein Teststäbchen für etwa 30 Sekunden in den Mund nimmt – eben wie einen Lolli. Auf diese Art und Weise bekommt man eine Speichelprobe. Und jetzt kommt das Interessante: Diese wird erst einmal nicht einzeln getestet. Stattdessen kommen die Speichelproben alle zusammen in ein Röhrchen. Und das wird dann in einem Labor mit der als sehr zuverlässig geltenden PCR-Methode untersucht. Experten sprechen von einer Pooltestung.


Bis ein Verdachtsfall bestätigt ist, vergeht einige Zeit

Wenn die Probe positiv ist, dann ist höchstwahrscheinlich mindestens eines der Kinder infiziert. Für diesen Fall haben sie einen weiteren Lolli-Test schon nach Hause mitbekommen. Dieser muss dort am nächsten Morgen durchgeführt werden. Die Probe wird dann in die Schule oder Kita gebracht – und kommt wieder ins Labor. Dort wird aber dieses Mal jede einzelne Probe untersucht - und nicht mehr alle der ganzen Klasse zusammen. So sollten die infizierten Kinder und Jugendlichen direkt gefunden werden.

Laut RKI lässt sich auf diese Weise eine mittlere und hohe Viruslast „sehr sicher“ erkennen. Das Institut hatte ein Pilotprojekt an 32 Kitas in Köln ausgewertet.
Dort war das Verfahren seit April angewandt worden. Seit Mai wird auch an allen Grund- und Förderschulen in Nordrhein-Westfalen so getestet.

Die Lolli-Tests seien im Vergleich zu den bisher in den Schulen verwendeten Antigen-Schnelltests sensitiver, so das Fazit. Das heißt: Mehr tatsächlich Kranke werden auch als solche erkannt. Und noch einen Vorteil zum Stäbchen-in-die Nase-Schnelltest, den unsere Kids kennen – und in vielen Fällen hassen: Die Probenentnahme mit dem Lolli nervt nicht so. Auch das ist ja ein wichtiger Punkt. alles in allem könne die Lolli-Methode „eine Grundlage für ein breit anwendbares und systematisches Testkonzept in Kitas und Schulen“ sein, so das RKI.

Virologin Brinkmann lobt das Konzept

Die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Institut für Infektionsforschung in Braunschweig hat sich ebenfalls positiv geäußert. Sie sprach von einem „sehr guten Mittel, um die Kurve flach und den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten“. In Köln habe man gezeigt, „dass es funktioniert und gut angenommen wird“.

Ganz einfach wird die Sache wohl trotzdem nicht. Zwar spricht der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) auch von einem „positiven Beitrag in der Teststrategie“. Die Pooltests mit der Lolli-Methode können einen „wertvollen und wichtigen Zusatzbeitrag zur Aufdeckung von Infektionen, insbesondere vor dem Auftreten von Symptomen“ leisten. Allerdings würde ein flächendeckender Einsatz der Tests „erhebliche logistische Herausforderungen“ zur Folge haben, ein „Vorlauf von einigen Wochen“ sei nötig.

Klar ist: Tests mit der Lolli-Methode würden die Kapazitäten der Labore stark belasten. Je nachdem, welche Kinder konkret mitmachen sollen, geht es um Hunderttausende zusätzliche PCR-Tests pro Woche. Derzeit müssten die Labore das wohl noch stemmen können. Wenn aber die Corona-Zahlen insgesamt wieder steigen, könnte die Testkapazität so schnell an ihre Grenzen kommen.

Und noch andere Fragen stellen sich, zum Beispiel diese: Wie kommen die Proben eigentlich aus den Schulen in die Labore? Auch das lässt sich mit einigem Aufwand sicher organisieren. Aber dass das in der Ferienzeit klappt, ist – vorsichtig ausgedrückt – nicht unbedingt gesagt.
Sachsen, zum Beispiel, hat auch wegen des enormen Organisationsaufwandes bereits klargestellt: An den rund 1.400 öffentlichen und freien Schulen des Freistaats wird es im kommenden Schuljahr keine Lolli-Tests geben. Man setzt stattdessen weiter auf selbst durchzuführende Antigen-Schnelltests.

Und was ist eigentlich mit Luftfiltern?

Ach ja: Auch bei einem anderen vieldiskutierten Mittel im Kampf gegen Corona ist man in Sachsen derzeit eher skeptisch: Es geht um Luftfilter für die Klassenräume. „Das Allheilmittel, wie es gern einige hätten, wird es nicht sein", so Kultusminister Christian Piwarz. Die nötigen Millionen-Investitionen könnten an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. „Wir haben immer gesagt, dass einfaches Lüften wesentlich effektiver ist als der Einsatz dieser Geräte.“ Allerdings hatte ein Modellprojekt mit mobilen Luftfiltern im Erzgebirgskreis im Frühjahr durchaus positive Ergebnisse gebracht.

Zumindest für schlecht zu belüftende Schulräume fördert der Bund die Anschaffung mobiler Luftfilter – mit insgesamt 200 Millionen Euro. Auf Sachsen entfallen dabei laut Minister Piwarz rund zehn Millionen Euro. Um sie abzurufen, muss das Land aber die gleiche Summe dazugeben. „Nun schauen wir, wo das Geld herkommt.“ Mit einer hohen Nachfrage rechne er nicht, erklärte der Minister.

Sachsen-Anhalt setzt dagegen auf die Luftfilter. Diese sollen während der Sommerferien in schlecht zu lüftenden Klassenzimmern eingebaut werden, so ein Kabinettsbeschluss. Zunächst müsse aber eine Bestandsaufnahme gemacht werden, hieß es im Bildungsministerium in Magdeburg. Dabei geht es um die Frage, wie viele Räumlichkeiten ausgestattet werden sollen und welche Kosten dadurch entstehen.

Weitere Informationen zu Corona