Harter Lockdown vor Weihnachten: Die Regeln in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Viele Neuinfektionen, die Zahl der Corona-Todesfälle steigt weiter: Deutschland geht daher erneut in einen harten Lockdown. Für Weihnachten gelten doch härtere Kontaktbeschränkungen als angekündigt.

Weihnachtsbaum auf dem Erfurter Domplatz: Der Weihnachtsmarkt in der Thüringer Landeshauptstadt fällt wie in vielen Gemeinden und Städten in diesem Jahr aus.
Weihnachtsbaum auf dem Erfurter Domplatz: Der Weihnachtsmarkt in der Thüringer Landeshauptstadt fällt wie in vielen Gemeinden und Städten in diesem Jahr aus. Bildrechte: imago images / Future Image

Fast 30.000 erfasste Neuinfektionen und 600 Corona-Tote innerhalb eines  Tages: Am Freitag waren die bisher höchsten Corona-Zahlen für Deutschland bekanntgegeben worden. Am Sonntag beschlossen daher Bund und Länder: Ab Mittwoch fährt Deutschland wie schon im März das öffentliche Leben fast ganz herunter und geht mindestens bis zum 10. Januar in einen bundesweiten Lockdown. Welche Regeln gelten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen? Wir geben einen Überblick.

Sachsen macht schon am Montag dicht

Sachsen gilt bundesweit als Corona-Brennpunkt. Die Zahl der Neuinfektionen steigt weiter deutlich an. Der Freistaat hat daher schon am Freitag einen harten Lockdown beschlossen, der ab Montag (14. Dezember) gilt. Zu dem gebe es keine Alternative, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach den Beratungen vom Sonntag:

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Ende Oktober 2020 bei einer Diskussionreihe der Volkshochschule
Bildrechte: imago images / Sven Ellger

Deutschland muss zur Ruhe kommen. Nur so haben wir eine Chance, die Kontakte um das notwendige Maß zu reduzieren.

Die Zeit der Appelle sei vorbei. Es brauche jetzt "klare, autoritäre Maßnahmen des Staates" und die würden auch kontrolliert. Das sind die Corona-Regeln, die jetzt in Sachsen gelten:

Nur Geschäfte für Grundbedarf noch offen

  • Dazu zählen Supermärkte und Einzelhandel für Lebensmittel, Getränkemärkte und auch Geschäfte für Tierbedarf
  • Banken, Sparkassen und Geldautomaten
  • Tankstellen und Poststellen
  • Apotheken
  • Optiker und Hörgeräteakustiker
  • Sanitätshäuser und Drogerien
  • Auto- und Fahrradwerkstätten
  • Waschsalons und Reinigungen
  • der Verkauf von Weihnachtsbäumen ist weiterhin erlaubt

Was gilt für Friseure?

Friseure gehören laut Sachsens aktueller Corona-Schutzverordnung auch zur Grundversorgung und dürfen daher vorerst weiter Kunden empfangen. Allerdings nur bis Mittwoch. Dann müssen sie schließen, so wie in anderen Bundesländern auch. Das hat am Montag Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bekannt gegeben. Die Regelung zu Friseuren werde entsprechend angepasst. Wer schließen muss, soll Wirtschaftshilfen bekommen, so Sachsens Regierungschef. Man wolle "möglichst viele über die schwere Zeit bringen".

Kitas und Schulen geschlossen

Schulen, Kitas und Horte sind bis einschließlich zum 8. Januar geschlossen. Es gibt eine Notbetreuung für die Kindergartenkinder und Grund- und Förderschüler bis zur 4. Klasse. Die dürfen Eltern aus den so genannten systemrelevanten Berufsgruppen in Anspruch nehmen. Die Details sind auf der Corona-Webseite der Landesregierung zusammengefasst. In der Woche vor den Weihnachtsferien (ab dem 19. Dezember) und im neuen Jahr vom 4. bis zum 8. Januar sollen Schüler zu Hause lernen. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sagte, er habe ein sehr großes Interesse daran, die Schulen und Kitas nach dem 10. Januar wieder zu öffnen und zum Präsenzunterricht zurückzukehren. Man habe mit dem Homeschooling im Frühjahr nicht so gute Erfahrungen gemacht.

Verschärfte Auflagen im öffentlichen Raum

Alkohol darf in der Öffentlichkeit weder ausgeschenkt noch getrunken werden. Zudem gilt eine Maskenpflicht für mehr Orte in der Öffentlichkeit als bisher: Der Mund-Nasen-Schutz soll überall dort getragen werden, wo Menschen sich begegnen: Auf Parkplätzen, im Nahverkehr, in Geschäften, auf Arbeit (außer am Arbeitsplatz direkt, wenn der Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten werden kann). Wohnung und Haus dürfen nur noch aus triftigen Gründen verlassen werden, also für Arztbesuche, fürs Einkaufen, Schule und Kita und Sport im Freien im 15-Kilometer-Radius. Auch Besuche bei Partnern oder Familie sind laut Sachsens Landesregierung weiter ausdrücklich erlaubt, wenn dabei nicht mehr nicht mehr als fünf Personen zusammenkommen.

Nächtliche Ausgangsbeschränkungen in Corona-Hotspots

Sollte der Inzidenzwert in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt fünf Tage in Folge bei über 200 liegen, gibt es dort Ausgangssperren zwischen 22 und 6 Uhr. Die gelten aktuell für alle Regionen in Sachsen außer der Stadt Leipzig. Das Haus oder die Wohnung darf in dieser Zeit nur noch aus einem dringenden Grund verlassen werden, also für Arbeit oder Lieferverkehr. Ein Besuch beim Nachbarn sei ausdrücklich nicht erlaubt, so Sozialministerin Köpping letzte Woche. Für Heiligabend und die Silvesternacht gilt die Ausgangssperre laut Sachsen nicht.

15-Kilometer-Radius

Sport- und Freizeitaktivitäten und auch Einkaufen ist nur noch in einem Umkreis von 15 Kilometern um den eigenen Wohnort möglich. Die Landesgrenze darf dabei übertreten werden. Allerdings solle sich jeder genau überlegen, ob es jetzt wirklich wichtig ist, im Nachbarbundesland shoppen zu gehen, mahnte Sozialministerin Köpping. Der "kleine Grenzverkehr" nach Tschechien bleibt weiter ausgesetzt.

Lockerungen nur zu Weihnachten

Auch Sachsen folgt den Beschlüssen zum harten Lockdown vom Sonntag: Über die Weihnachtsfeiertage dürfen nur vier weitere Personen aus dem engsten Familienkreis zum eigenen Haushalt hinzukommen. Bisher war vorgesehen, dass sich bis zu zehn Menschen im "engsten Familien- oder Freundeskreis" (Sachsens Corona-Verordnung) treffen dürfen. Am Dienstag will Sachsen die entsprechende Regelung in der Corona-Verordnung anpassen. Danach gelten die Lockerungen zu den Feiertagen vom 23.12.20 12:00 Uhr bis 27.12.20 12:00 Uhr. Bund und Länder hatten sich am Sonntag auf ein kleineres Zeitfenster vom 24. bis zum 26. Dezember geeinigt. Möglicherweise ändert Sachsen seine Regeln dazu auch noch einmal.  

Innenraum einer katholischen Kirche in Winden
Bildrechte: imago images / Eibner

Gottesdienste zu Weihnachten sind erlaubt, wenn dabei nicht gesungen und der Mindestabstand eingehalten wird. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) raten jedoch von Kirchenbesuchen an Heiligabend ab. Michael Kretschmer sagte dem MDR, er werde den Weihnachtsgottesdienst in diesem Jahr erstmals nicht besuchen:

Das ist für viele Menschen bitter. Aber wir tun es für unsere nächsten Angehörigen, die wollen wir schützen.

Thüringen setzt auf noch etwas härtere Einschnitte

In Thüringen gilt ab Mittwoch der für ganz Deutschland vereinbarte Lockdown. Die neue Verordnung dazu soll noch am Montag veröffentlicht werden. Der Freistaat folgt dabei den Beschlüssen von Bund und Ländern. In einigen Bereichen will Thüringen aber noch strengere Maßnahmen durchsetzen, weil sich im Land das Coronavirus gerade besonders stark verbreitet. So gilt eine landesweite Ausgangsbeschränkung zwischen 22.00 und 5.00 Uhr. In der Zeit darf die Wohnung nur für den Weg zur Arbeit verlassen werden oder um Angehörige zu versorgen. Gottesdienste bleiben unter strengen Auflagen erlaubt. Über Weihnachten sind Treffen mit vier engen Familienangehörigen aus weiteren Hausständen erlaubt. Aktuell dürfen sich nicht mehr als fünf Menschen aus maximal zwei Haushalten privat treffen.

Mädchen sitzt am Schreibtisch und lernt ihre Unterrichts-Aufgaben auf dem iPad.
Bildrechte: imago images/MiS

Wie in Sachsen auch werden Geschäfte geschlossen, die nicht für die Grundversorgung nötig sind. Friseurgeschäfte müssen in Thüringen ab Mittwoch schließen. Schüler sollen vom 16. bis zum 22. Dezember und im neuen Jahr vom 4. bis zum 8. Januar zu Hause lernen. Ausnahmen gibt es laut Bildungsministerium nur bei wichtigen Prüfungen. Auch Kindergärten schließen ab Mittwoch. Eine Notbetreuung soll es für Kita-Kinder und Schüler bis zur 6. Klasse geben, wenn sie von den Eltern nicht anderweitig versorgt werden können.

Härtere Corona-Schutzmaßnahmen auch in Sachsen-Anhalt ab Mittwoch

Am Montag soll auch Sachsen-Anhalts Landesregierung eine neue Corona-Verordnung mit strengen Regeln beschließen. Die soll auch ab Mittwoch gelten. Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte, die Zahlen seien in Sachsen-Anhalt zwar noch immer niedriger als im Bundesschnitt:

Aber sie steigen an und das kann uns nicht ruhig sein lassen.

Der Lockdown biete nun die Chance, die Entwicklung in Sachsen-Anhalt und in Deutschland zu drehen.

Bis auf wenige Ausnahmen wie Supermärkte schließen Geschäfte, Kita- und Schulkinder bleiben zu Hause, Böller und Feuerwerke dürfen nicht verkauft werden: Sachsen-Anhalt folgt im Wesentlichen den Beschlüssen vom Sonntag zum harten Lockdown. Ab Mittwoch soll es in Kitas und Schulen eine Notbetreuung geben, nur Schüler ab der 6. Klasse sollen zu Hause unterrichtet werden. Wenn möglich, sollen zudem alle Eltern zu Hause bleiben. Haseloff forderte auch Arbeitgeber in Branchen, die nicht von Schließungen betroffen sind, auf, ihre Angestellten von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Für Weihnachten hat Sachsen-Anhalt die Kontaktbeschränkungen am Montag so geregelt: Vier weitere Personen aus maximal zwei Hausständen dürfen zum eigenen Haushalt dazu kommen.

Übersichtlich in der NINA-Warn-App: Diese Regeln gelten vor Ort

Warn App NINA
Bildrechte: imago images / Marius Schwarz

Manche Regeln gelten nur in bestimmten Regionen, andere erst ab einer bestimmten Zahl von Neuinfektionen. Da verlieren viele schnell den Überblick. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat daher seine Warn-App NINA aufgerüstet. Die zeigt jetzt für den eigenen Standort und auf Wunsch auch für weitere Orte an, welche Corona-Maßnahmen gerade gelten. So kann man auch sehen, was etwa für den Wohnort der Eltern oder an der Arbeitsstelle wichtig ist. Das Ganze klappte in einem ersten kurzen MDR JUMP-Test problemlos. Positiv: Alles wird in einem kurzen Überblick gezeigt, für weitere Fragen sind die jeweils geltenden Corona-Verordnungen des Bundeslandes verlinkt. Die App gibt es kostenlos für iPhones und Android-Smartphones.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und epd.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Dezember 2020 | 12:45 Uhr

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