Deutlich härte Corona-Regeln in allen drei mitteldeutschen Ländern

Der "Lockdown Light" hat in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu wenig Wirkung gezeigt. Jetzt werden die Maßnahmen in allen drei Ländern teils drastisch verschärft.

Passanten gehen durch die Fußgängerzone in der Petersstraße in der Leipziger Innenstadt.
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Um die dramatisch gestiegenen Corona-Infektionszahlen in den Griff zu bekommen gelten in Sachsen ab Montag deutlich verschärfte Maßnahmen. Sozialministerin Köpping und Kultusminster Piwarz haben die Details zum harten Lockdown bekannt gegeben. Dabei verwies die Ministerin auf die drastisch gestiegenen Infektionszahlen in Sachsen. Das mache sie sehr besorgt. 2.754 Patienten befänden sich im Krankenhaus, davon 494 auf Intensivstationen. Die Maßnahmen würden beschlossen, weil die Krankenhäuser Alarm schlagen, so Köpping:

Petra Köpping Sozialministerin Sachsen exakt
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Das Land muss zur Ruhe kommen. Wir beschließen das, weil die Lage so ist, wie sie ist.

Neue Corona-Schutzverordnung in Sachsen ab Montag

Schließungen im Einzelhandel

Im Einzelhandel dürfen ab Montag nur noch Unternehmen weiter Kunden empfangen, die den Grundbedarf sichern. Dazu zählen:

  • Supermärkte und Einzelhandel für Lebensmittel
  • Großhandelsgeschäfte
  • Getränkemärkte
  • Tierbedarfsmärkte
  • Banken, Sparkassen und Geldautomaten
  • Tankstellen
  • Poststellen
  • Apotheken
  • Optiker und Hörgeräteakustiker
  • Sanitätshäuser und Drogerien
  • Friseure
  • Kfz- und Fahrradwerkstätten
  • Waschsalons und Reinigungen
  • Baumärkte sind nur noch für Handwerker offen
  • der Verkauf von Weihnachtsbäumen ist weiterhin erlaubt

Kitas und Schulen werden geschlossen

Schulen, Kitas und Horte werden vorerst bis 10 Januar geschlossen. Es gibt eine Notbetreuung für so genannte systemrelevante Berufsgruppen. Dazu müssen in der Regel beide Eltern einen Nachweis erbringen. Die Details sind auf der Corona-Webseite der Landesregierung nachzulesen. Kultusminister Piwarz sagte, er habe ein sehr großes Interesse daran, die Schulen und Kitas nach dem 10. Januar wieder zu öffnen und zum Präsenzunterricht zurückzukehren. Man habe mit dem Homeschooling im Frühjahr nicht so gute Erfahrungen gemacht.

Versammlungen, Hochzeiten und Beerdigungen

Bis zu 1.000 Menschen dürfen sich versammeln, wenn die 7-Tage-Inzidenz bei unter 200 liegt. Liegt sie darüber, sind nur noch 200 Teilnehmer erlaubt. Bei einer Inzidenz über 300 sind es noch 10 Menschen, die sich versammeln dürfen. Auch für Hochzeiten und Beerdigungen wurden die Zahlen eingeschränkt auf maximal 10 Gäste.

Behinderten- und Pflegeeinrichtungen

In Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen wird es strengere Hygienevorschriften geben. Besucher dürfen die Heime nur noch mit einem negativen Corona-Schnelltest betreten.

Verschärfte Auflagen im öffentlichen Raum

Neben der begrenzten Anzahl von Menschen, die sich zusammen im öffentlichen Raum bewegen dürfen (max. fünf Personen aus zwei Haushalten), wird auch der Alkoholkonsum im öffentlichen Raum untersagt. Zudem gilt eine Maskenpflicht auf allen öffentlichen Straßen und Plätzen, es sei denn man ist ganz allein. Es soll mehr Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei geben.

Nächtliche Ausgangsbeschränkungen

Sollte die Inzidenz in ganz Sachsen fünf Tage in Folge bei über 200 liegen, gibt es landesweit Ausgangssperren zwischen 22 und 6 Uhr. Das ist aktuell der Fall. Das Haus oder die Wohnung darf nur noch aus dringendem Grund verlassen werden. Von dem nächtlichen Ausgangsverbot ausgenommen ist der Weg zur Arbeit oder auch Gassigehen mit dem Hund. Ein Besuch beim Nachbarn sei ausdrücklich nicht erlaubt, so Sozialministerin Köpping. Zu Weihnachten und Silvester wird die Ausgangssperre aufgehoben.

15-Kilometer-Radius

Sport- und Freizeitaktivitäten, sowie Einkaufen ist nur noch in einem Umkreis von 15 Kilometern um den eigenen Wohnort möglich. Die Landesgrenze darf dabei übertreten werden. Allerdings solle sich jeder genau überlegen, ob es jetzt wirklich wichtig ist, im Nachbarbundesland shoppen zu gehen, mahnte Sozialministerin Köpping. Der kleine Grenzverkehr nach Tschechien bleibt weiter ausgesetzt.

Lockerungen nur zu Weihnachten

Über den Zeitraum von Weihnachten dürfen sich - wie geplant - zehn Menschen treffen. Hotels und Pensionen können Gäste, die zum Familienbesuch da sind, aufnehmen. Touristische Reisen sind aber nicht zulässig. Die Lockerungen zu den Feiertagen gelten vom 23.12.20 12:00 Uhr bis 27.12.20 12:00 Uhr. Zu Silvester dürfen sich nur bis zu fünf Menschen treffen. Die 15-Kilometer-Regel und die nächtlichen Ausgangssperren werden zu den Feiertagen aufgehoben.

Auch Thüringen verschärft die Gangart

Die Thüringer müssen sich ebenfalls auf härtere Corona-Regeln einstellen. Die Landesregierung hat unter anderem Ladenschließungen und Distanzunterricht beschlossen. Dies soll ab 19. Dezember gelten. Alle Geschäfte, die nicht zur Sicherung des Grundbedarfs dienten, sollen schließen. Schüler der Klassen eins bis sechs sollen zu Hause lernen. Bis Klasse vier ist eine schulische Betreuung vorgesehen, falls die Kinder nicht von ihren Eltern betreut werden können. Über mögliche nächtliche Ausgangsbeschränkungen und die Regelungen über die Feiertage will die Regierung kommenden Dienstag beraten.

Härtere Corona-Schutzmaßnahmen auch in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) hat ebenfalls eine Verschärfung angekündigt. Dies betreffe vor allem Pflegeheime und Schulen. In den Heimen soll die Testpflicht für Beschäftigte, Besucher und Heimbewohner verschärft werden. Auch in Bezug auf Besuche solle ein härteres Regime eingeführt werden, betonte Haseloff. Darauf habe sich die Regierung verständigt. In den Corona-Hotspots im Land sollen zudem die schulischen Aktivitäten heruntergefahren werden. Am Dienstag kommende Woche will die Landesregierung eine neue Verordnung auf den Weg bringen, in der die Maßnahmen über die Weihnachtsfeiertage bis Anfang Januar geregelt sein sollen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 11. Dezember 2020 | 21:00 Uhr

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