Schüler lernen wieder zu Hause: Teils massive Probleme bei Lernplattformen

Am Computer Aufgaben herunterladen und erledigt zurückschicken: Das ist wieder Alltag für Schüler in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Doch Technik-Probleme bei den Lernplattformen sorgen für Frust.

Schulkind sitzt am Tisch vor Laptop und löst Aufgaben aus dem Homeschooling
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In Sachsen lernen Schüler seit Montag wieder zu Hause, in Sachsen-Anhalt und Thüringen seit Mittwoch: Bis mindestens Anfang Januar ist wieder "Homeschooling" angesagt oder auch "Distanzunterricht", wie die offizielle Bezeichnung lautet. Für den "Distanzunterricht" seien die Schulen gerüstet, versicherte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) noch Ende November. Doch viele Schüler und auch Lehrer erlebten in den ersten Tagen des Lockdowns etwas anderes: Sie konnten sich nicht in die staatlichen Lernplattformen einloggen, über die Unterricht erteilt und Lernstoff abgerufen werden kann. Manche Nutzer flogen sofort wieder raus, es gab teils lange Wartezeiten beim Herunterladen der Aufgaben.

Sachsen: LernSax mit Problemen in Hauptlernzeit am Vormittag

Gleich am Montagmorgen ging für viele Schüler und Lehrer im Freistaat online nichts mehr: Die Lernplattform LernSax war nach einem massiven Hackerangriff lahmgelegt worden. Der Cyberangriff richtete sich laut Kultusministerium zwar gegen eine andere Lernplattform. Die nutzte aber die gleiche Technologie und dasselbe Rechenzentrum in Karlsruhe. Damit gab es auch bei LernSax massive Probleme. Dazu kam noch ein Technikfehler in dem Rechenzentrum, so das Ministerium heute. Lydia Engelmann, Stadträtin für die Grünen in Freital, schimpfte auf Twitter:

Auch den folgenden Tagen hakte es bei der Lernplattform noch, so das LernSax-Team: Die Probleme seien vor allem in der Hauptlernzeit zwischen 9.00 und 11.30 Uhr aufgetreten. Schüler und Lehrer halfen sich daher gegenseitig. Wer die Aufgaben am Nachmittag oder Abend doch herunterladen konnte, teilte diese in WhatsApp-Gruppen oder per E-Mail mit Mitschülern. In den Rand-Zeiten war die Lernplattform besser erreichbar. Die soll jetzt stabiler laufen. In der Nacht zum Mittwoch ging ein neues Sicherheitssystem im Rechenzentrum in Karlsruhe in Betrieb. Dafür habe Sachsen 500.000 Euro ausgegeben, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums dem MDR. Minister Christian Piwarz (CDU) sagte am Donnerstag:

Ich bedauere, dass es ausgerechnet in dieser angespannten Situation zu diesem Zwischenfall gekommen ist. Ich kann immer nur wieder versichern, dass alles Erforderliche unternommen wird, um die Anfälligkeit des Systems weiter zu minimieren.

Am Wochenende solle LernSax auf eine neue Technik-Plattform umziehen, die weniger anfällig für den festgestellten Software-Fehler sei. Bis dahin könne es noch zu Einschränkungen kommen. Das Kultusministerium rät Lehrern, Unterrichtsmaterial und Aufgaben auch über E-Mails oder die Webseiten der Schulen an die Schüler auszugeben. Eine Sprecherin sagte MDR JUMP:

Aufgrund der technischen Probleme darf den Schülern kein Nachteil entstehen. Dies wird durch die Lehrer auch berücksichtigt. So werden beispielsweise angegebene Abgabetermine verschoben.

Thüringen: "Lehrer sollen Bereitstellen von Aufgaben über den Tag strecken"

In Thüringen hatten Schüler am Mittwoch und auch am Donnerstag Probleme, Aufgabenblätter und Hausaufgaben aus der Schulcloud herunterzuladen. Manche konnten sich nicht einloggen. Auch die Videokonferenzen für den direkten Kontakt von Lehrern und Schülern funktionierten nicht, sagte Landesschulsprecher Leon Schwalbe dem MDR. Der Ansturm zehntausender Nutzer überlaste die Server der Lernplattform enorm, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums MDR JUMP. Ein Krisenteam arbeite schon seit Tagen daran, mehr Serverkapazitäten für die Schulcloud zu bekommen. Dann könnten mehr Nutzer gleichzeitig ohne Probleme die Lernplattform nutzen. Der Sprecher sagte, Thüringen könne die Schwierigkeiten mit der Lernplattform nicht allein lösen:

Es wird immer mehr deutlich, dass die Probleme bundesweit bestehen. Das lässt den vorläufigen Schluss zu, dass die in Deutschland verfügbaren Rechen- bzw. Serverkapazitäten offenbar derzeit nicht ausreichen, um dem Lockdown im Schulbereich mittels digitaler Angebote immer störungsfrei zu begegnen.

Ein Junge arbeitet an seinen Aufgaben und hat einen Laptop aufgeklappt.
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Die Schulcloud des Freistaates sei auch ein Opfer des eigenen Erfolgs geworden: Thüringen war im März mit gerade mal 25 Schulen gestartet. Zehn Monate später können schon vier von fünf Schülern die Schulcloud nutzen. Dafür habe Thüringen eine Million Euro an Bundesmitteln aus dem Digitalpakt eingesetzt. Um die Lernplattform etwas zu entlasten, sollten Lehrer den Distanzunterricht antizyklisch organisieren, sagte der Sprecher:

Wir empfehlen, Lernaufgaben oder Übertragungen über die Tageszeit zu strecken, mit die gleichzeitige Last von der Schulcloud genommen werden kann. Das sollte auch von Schulleitungen nach Möglichkeit koordiniert werden.

Aktuell würden oft einmal am Tag sehr große Aufgabenpakete an die Schüler verschickt. Die sollten besser auf mehrere kleine Aufgabenpakete verteilt werden.

Sachsen-Anhalt: "Arbeiten hart dran, dass am 11. Januar alles stabil läuft"

Schüler der Schillerschule arbeiten mit einem Tablet.
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In Sachsen-Anhalt konnten zahlreiche Schüler und Lehrer am Mittwoch und teilweise auch am Donnerstag nicht auf Inhalte auf der Internet-Lernplattform Moodle zugreifen. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) bat für die Probleme im MDR um Entschuldigung und sprach von einem "bedauerlichen Zustand". Die Plattform wird von rund zwei Dritteln der Lehrer in Sachsen-Anhalt genutzt, um Aufgaben zu verteilen und Unterrichtsinhalte zu erläutern. Ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte MDR JUMP, die Kapazitäten der Server der Lernplattform hätten nicht ausgereicht. Das sei auch zum Beginn des ersten Lockdowns im März und April passiert, damals habe man bereits nachgesteuert:

Wir haben dann im Sommer festgestellt, dass wir bei den Kapazitäten an Grenzen stoßen werden. Sachsen-Anhalt hat da auch nachgearbeitet und das an einen Dienstleister gegeben.

Man sei bei den Servern gerade mitten im Umzug. Parallel könnten die Lehrer für den Distanzunterricht die sichere emuCLOUD und die Anton-App nutzen und darüber auch Aufgaben verteilen.

Aber uns ist klar: Es gibt keinen Anlass, die Füße hochzulegen. Das war nochmal ein wichtiger Test vor Weihnachten. Und jetzt arbeiten wir hart dran, dass wir am 11. Januar entsprechend vorbereitet sind. Falls es dann länger Distanzunterricht geben sollte.

Niemand müsse sich Sorgen um seine schulischen Leistungen machen, wenn die Lernplattform ein, zwei Tage nicht funktioniere und Unterrichtseinheiten nicht abgearbeitet werden können. Das komme auch im normalen Schulalltag vor, wenn etwa ein Lehrer länger krank sei. Auch da finde man Wege.

Wenn es beim digitalen Lernen hakt: Diese Alternativen gibt es

Im Netz gibt es einige gute und kostenlose Alternativen zu den staatlichen Lernplattformen. Die sind zwar nicht immer so breit ausgelegt, der Austausch zwischen Lehrer und Schüler oder Live-Unterricht ist dort gar nicht oder nur eingeschränkt möglich. Die Alternativen liefern aber vorgefertigte Lerneinheiten, mit den Schüler im "Stoff bleiben" oder sich auch auf Prüfungen oder Klassenarbeiten vorbereiten können.

Bei der Lern-App Anton (für Android, iOS und Windows) werden Lerninhalte für die Klassen 1 – 10 an Grundschulen, Oberschulen, Förderschulen und Gymnasien bereitgestellt. Nutzen Lehrer die App, können sie für ihre Schüler Gruppen erstellen und dort Lerninhalte bereitstellen lassen und Aufgaben zuweisen.

Die App simpleclub (für Android, kostenlos) bietet kurze Nachhilfevideos für Fächer wie Mathematik, Physik, Geschichte oder Geografie. Das Angebot richtet sich an Schüler der Klassen 5 bis 13. Mit einem kostenpflichtigen Abo können Schüler und Eltern Vorbereitungskurse und Testklausuren nutzen.

Die Learnattack-Plattform des Duden-Verlags können Eltern und Schüler 48 Stunden lang kostenlos testen. Dafür ist zwar ein Abo nötig. Das wird dann aber nicht automatisch verlängert. Auf Nachfrage kann dieser Test auch auf sieben Tage verlängert werden, so eine Sprecherin der Plattform auf Nachfrage von MDR JUMP. Abgedeckt werden unter anderem die Fächer Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik und Physik für die Klassen 4 bis 13. Für die gibt es Videos und Online-Übungsaufgaben. Die Lerninhalte orientieren sich laut der Plattform an den Lehrplänen der Bundesländer

Eine Übersicht der Lernplattformen mit Tests hat das Technik- und Computermagazin CHIP zusammengestellt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 17. Dezember 2020 | 19:50 Uhr

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