Diese Erfahrungen macht eine Spezialklinik für Long-Covid-Patienten

Erschöpfung & Depressionen: Die Langzeitfolgen einer Erkrankung durch das Coronavirus können dramatisch sein. Eine Rehaklinik in Bad Salzungen berichtet: Die Patientinnen und Patienten werden immer jünger.

Patient bei einer Untersuchung.
Bildrechte: imago images/Hans Lucas

Die Nachfrage ist groß: Viele Menschen brauchen nach einer Erkrankung mit dem Coronavirus weiterhin ärztliche Unterstützung und Therapien. Die bekommen die Betroffenen zum Beispiel in der Rehaklinik in Bad Salzungen, einer Spezialklinik für Long-Covid-Patienten. Im Gespräch mit MDR JUMP sagte Chefarzt Andreas Dösch,

Wir haben aktuell eine extrem hohe Nachfrage nach unseren Reha-Therapie-Angeboten.

Dr. med. Andreas Dösch, Asklepios Parkklinik Bad Salzungen

Dadurch müssen Patientinnen und Patienten auch mit Wartezeiten rechnen.

So groß ist das Problem

Die Liste der möglichen Langzeit-Nebenwirkungen ist lang. In Bad Salzungen werden unterschiedliche Corona-Folgen behandelt. Darunter sind:

  • Atembeschwerden
  • Erschöpfungszustände
  • Müdigkeit
  • Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn
  • Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Gedächtnisprobleme
  • Stimmungsschwankungen
  • Depressionen und Angststörungen

Laut Dösch ist dann eine strukturierte Nachsorge wichtig.

Bei einem Teil der Patienten bestehen diese Folgen auch für zwölf Wochen und länger.

Dr. med. Andreas Dösch, Asklepios Parkklinik Bad Salzungen

Patientin bei einer Untersuchung.
Bildrechte: imago images/Hans Lucas

Vorerkrankungen begünstigen Langzeitfolgen

Besonders Personen, die bereits vorher bestimmte Krankheiten hatten, entwickeln nach einer Corona-Erkrankung erneut Symptome. "Wir beobachten, dass dann diese Symptome zum Teil auch verstärkt werden", sagte Dösch. Insgesamt gehen verschiedene Studien davon aus, dass bis zu 20 Prozent Corona-Infizierten Spätfolgen entwickeln. Auffällig ist in der Rehaklinik in Bad Salzungen, dass Patientinnen und Patienten deutlich jünger werden.

Die Patientinnen und Patienten, die wir jetzt nachsorgen, sind ungefähr 20 bis 30 Jahre jünger, als in der ersten und zweiten Welle.

Dr. med. Andreas Dösch, Asklepios Parkklinik Bad Salzungen

Und auch ein Zusammenhang zwischen dem Verlauf der Corona-Erkrankung und den Langzeitfolgen scheint es zu geben. Das bestätigt Virologe Alexander Kekulé gegenüber dem MDR:

Je schwerer die Erkrankung war, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass solche neurologischen oder psychiatrischen Probleme auftreten.

Alexander Kekulé, Virologe

Er sagt, dass zwar mittlerweile viele Daten zu Langzeitfolgen über sechs Monate hinweg vorliegen. Allerdings rechnet er damit, dass auch eine 12-Monats-Auswertung zeigen wird, dass einige Patientinnen und Patienten dann noch nicht gesund sind.

Asthmaspray soll Spätfolgen lindern

Laut einer neuen Studie soll ein bestimmtes Asthmaspray dazu führen, dass schwere Corona-Verläufe gelindert werden können. Laut Döll könne es vom Mechanismus her Sinn ergeben, diese Therapie in einer frühen Erkrankungsphase zu geben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 13. April 2021 | 19:20 Uhr

Weitere Informationen zu Corona