Lamas als Hoffnung gegen Covid-19

Kaffeetassen, T-Shirts, Eiscreme, Socken - Das „No Drama Lama“ ziert zahlreiche Produkte. Doch die pelzigen Tierchen sind nicht nur extrem lässig. Sie könnten uns auch beim Kampf gegen das Coronavirus helfen, sagen Forscher jetzt.

Lama
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Als Besitzer eines Lamas hat man derzeit mindestens zwei Wege, um mit der Coronakrise umzugehen. Man kann es machen wie Jon Azoff. Der Amerikaner ist im Vorstand eines ganz besonderen Tierheims an der Half Moon Bay bei San Francisco im Bundesstaat Kalifornien. Auf der “Sweet Farm“ bekommen Tiere ein Zuhause, die woanders nicht mehr gebraucht werden. Und Azoff hatte kürzlich eine kuriose Geschäftsidee: Gegen Geld können sich Interessenten ihre Videokonferenzen aufpeppen lassen – indem auch Tiere von der Farm zugeschaltet werden. Einer der Stars dabei ist das Lama „Paco“.

Mehr als 100 Mal habe man bereits Tiere vermittelt, heißt es bei „Sweet Farm“. Und weitere 500 Interessenten stünden auf der Warteliste, man sei ausgebucht bis in den Juni. Das Geld – 65 Dollar für 20 Minuten Lama in einer privaten Videoschalte oder 100 Dollar in einem 10 Minuten Call für Firmen – soll zum Kauf von Futter für die Tiere genutzt werden.

Lama soll bei Suche nach Corona-Impfstoff helfen

Oder aber, man macht es wie Xavier Saelens. Der Impfstoffforscher arbeitet an der Universität im belgischen Gent. Und auch er sieht regelmäßig ein Lama. Aber nicht in einer Videokonferenz, sondern in echt. Es heißt „Winter“ und soll Saelens und seinen Kollegen bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus helfen.

Die Forscher arbeiten schon seit 2016 mit dem Lama. Sie hatten ihm ungefährliche Dosen des Erregers der Krankheiten Sars und Mers gegeben. Dabei hatten sie nachweisen können, dass das Tier Antikörper gegen die Viren bildete. Im Fachmagazin „Cell“ berichtet das Team nun von ähnlichen, offenbar erfolgreich verlaufenen Experimenten mit dem verwandten Sars-CoV2-Erreger. An der Forschung waren auch Wissenschaftler der University of Texas in Austin beteiligt.

Hintergrund der Arbeiten ist ein bereits länger bekannter Umstand: Im Gegensatz zu uns Menschen bilden manche Tiere mehr als eine Art von Antikörpern, mit deren Hilfe ihr Immunsystem Eindringlinge bekämpft. Zu diesen Tieren gehören zum Beispiel Haie. Aber mit denen können Forscher nicht so gut experimentieren, sie kommen einfach nicht so gut an sie ran.

Zum Glück verfügen auch Lamas über den zusätzlichen Typ von Antikörpern, der für die Versuche interessant ist. Außerdem seien die Tiere viel kuschliger als Haie, so Forscher Daniel Wrapp von der University of Texas.

Antikörper
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Die Antikörper, für die sich das Team interessiert, sind nur etwa ein Viertel so groß wie die von uns Menschen. Das heißt, sie können auch an kleineren Strukturen eindringender Viren andocken. Das kann verhindern, dass die Erreger in Körperzellen eindringen können. Bei Experimenten mit Zellkulturen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Lama „Winters“ Immunsystem auf diese Weise tatsächlich auch den neuen Corona-Erreger neutralisieren kann. Und nicht nur das: Die Mini-Antikörper lassen sich auch an die von uns Menschen anhängen. So ließe sich der Effekt auch bei uns nutzbar machen.

Bevor nun aber die Hoffnungen zu groß werden: Nein, ein Lama wird uns wohl nicht alle retten. Und das hat mehrere Gründe. Zum einen muss der Antikörper erst einmal klinisch getestet werden. Die Versuche könnten nach Ansicht der Forscher vielleicht Ende des Jahres starten. Und dann dauern sie normalerweise noch viele weitere Monate.

Und dann ist es so, dass solch eine Impfung mit Antikörpern einen entscheidenden Nachteil hat: Sie wirkt nur für eine bestimmte Zeit. Passive Immunisierung heißt das Ganze. Nützlich könnte das zum Beispiel für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Medizin und Pflege sein, die Covid-19 noch nicht durchgemacht haben und viel mit Erkrankten in Kontakt kommen. Sie ließen sich so für eine Weile schützen. Weil der Organismus die Antikörper aber wieder abbaut, hielte der Effekt nicht allzu lange an.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 08. Mai 2020 | 23:00 Uhr

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