Kritik am Pflegebonus: Weshalb gilt er nur in der Altenpflege?

Pflegekräfte sollen mehr Wertschätzung erfahren. Aufgrund der höheren Belastung in der Corona-Krise erhalten sie einen Bonus von 1.000 Euro. Viele Bundesländer stocken den Betrag nochmals um 500 Euro auf. Allerdings gibt es das Geld nur für die Altenpflege. Das hat vor allem bürokratische Gründe.

Eine Pflegerin betreut einen älteren Mann
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Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig und systemrelevant einige Berufe sind. Beschäftigte in der Pflege bekommen deshalb einen einmaligen Bonus ausgezahlt. Doch in vielen Pflegeberufen kann man sich nicht darüber freuen. Denn der Pflegebonus gilt nur für die ambulante und stationäre Altenpflege. Auf der MDR JUMP-Facebookseite hat sich Sandra Schwabe kritisch dazu geäußert:

Ich arbeite in einem Heim für geistig und körperlich Schwerbehinderte. Wir machen die gleiche Arbeit. Wir sind auch am Ende unsere Kräfte und werden von der Bundesregierung ausgegrenzt, genauso wie die Pfleger im Krankenhaus. Wir sind zur Zeit Psychologen, Familie und vieles mehr für unsere Bewohner.

Geld kommt von der Pflegeversicherung

Die 1.000 Euro werden von der Pflegeversicherung übernommen. Das Geld wird steuerfrei überwiesen, damit die Pflegekräfte mehr davon haben. Deshalb soll es „zum Zweck der Wertschätzung für die besonderen Anforderungen während der Coronavirus-SARS-CoV-2-Pandemie eine für jeden Beschäftigten einmalige Sonderleistung" geben, steht im Gesetz. Die zusätzlichen 500 Euro der Länder sollen auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausgezahlt werden.

Wieso nur die Altenpflege?

Wir haben Sandras Kritik aufgenommen und beim Bundesgesundheitsministerium nachgefragt, weshalb nur Beschäftigte in der Altenpflege von einer Bonuszahlung profitieren. Aus der Pressestelle bekommen wir eine Erklärung, weshalb der Pflegebonus nicht für Krankenhausmitarbeiter gilt:

Die Finanzstrukturen im Bereich der stationären Krankenpflege sind grundsätzlich anders aufgebaut als die in der Pflege. Seit Anfang 2020 werden die Pflegepersonalkosten für die "Pflege am Bett" durch die Einführung des sog. Pflegebudgets unabhängig von den Fallpauschalen finanziert. [...] Auch tarifvertraglich vereinbarte Einmalzahlungen oder Boni, die Krankenhäuser ihrem Pflegepersonal [...] zahlen, werden von den Kostenträgern im Rahmen des Pflegebudgets refinanziert.

Schuld an den unterschiedlichen Entscheidungen zu Bonuszahlungen ist also die Abrechnung und Finanzierung der Leistungen. Das bestätigt auch Ivonne Köhler-Roth vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe. Sie nennt noch weitere Gründe, weshalb der Bonus nur für eine Berufsgruppe bestimmt ist:

Zwei der Argumente in der Diskussion waren, dass man vielen Berufsgruppen, die auch ein Risiko haben, keine Prämie zahlt und vor allem, dass in der Pflege im Krankenhaus deutlich besser verdient wird als in der Langzeitpflege.

Ivonne Köhler-Roth, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe

Pflegerin spricht mit Seniorin im Rollstuhl
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Kritik: Regelung ist ungerecht

Für den Berufsverband ist der Pflegebonus nicht umfassend genug:

In quasi allen Versorgungsbereichen besteht ein erhöhtes Risiko. Und die betroffenen Berufe sind als typische Frauenberufe in der Regel schlecht bezahlt.

Ivonne Köhler-Roth, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe

Deshalb fordert der DBfK, die Prämie an alle Pflegerinnen und Pfleger auszuzahlen. Dazu gehören auch Reha- und Behinderteneinrichtungen.

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