Sinkende Impfquote: So können kreative Angebote helfen

Die Impfquote in Deutschland sinkt. Um gegen die Müdigkeit beim Impfen vorzugehen, fordern nun immer mehr Menschen kreative Lösungen – zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Fußballvereinen.

Mitarbeiterinnen eines mobilen Impfteams bereiten im Dorf-Vereinshaus Seidewitz hinter der Theke die Impfdosen für die Corona-Schutzimpfung auf.
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Die Zahl der Impfungen in Deutschland sinkt. Während am vergangenen Dienstag noch fast eine Million Dosen verabreicht wurden, waren es diese Woche rund 220.000 weniger. Dabei ist es so einfach wie nie zuvor einen Termin zu bekommen: die Priorisierung wurde aufgehoben und vielerorts ist auch eine Impfung ohne vorherigen Termin möglich. Um gegen die sich ausbreitende Impfmüdigkeit anzugehen, werden nun Forderungen nach besonders kreativen Angeboten oder Prämien laut.

Die USA haben dabei schon ganz eigene Lösungen gefunden: im Osten des Landes gab es eine Lotterie, bei der Impflinge Geld in Höhe von einer Million US-Dollar, Stipendien oder Jagdgewehre gewinnen konnten. In Russland können sich Fußballfans von Zenit St. Petersburg schon seit März bei einem Besuch im Stadion impfen lassen.

Und wie sieht's in Mitteldeutschland aus?

Kreative Lösungen gegen die abschwächende Motivation, sich impfen zu lassen, gibt es immer häufiger – auch in Mitteldeutschland. Im Vogtland sollen dabei auch die Sportvereine mit ins Boot geholt werden. Zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Vereinen wie dem VfB Auerbach oder dem VFC Plauen sollen gegen die Impfmüdigkeit helfen.

Der Landrat des Vogtlandkreises Rolf Keil erzählt im Interview mit MDR JUMP, wie die Kampagne des Vogtlandes nun die Impfung für die Menschen vor Ort einfacher machen will:

Rolf Keil (CDU), Landrat vom Vogtlandkreis
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Wir starten mit Plakat-Aktionen in den Gemeinden und wollen Werbung im Radio und in den Zeitungen schalten. In den Impfzentren des DRK gibt es ab 14 Uhr Impfungen ohne Termin, auch zur Zweitimpfung. Außerdem haben wir mobile Impfdienste, um zu den Menschen vor Ort zu fahren, auch in die Vereine. Das soll es den Menschen einfach machen.

Im Erzgebirge fand am vergangenen Sonntag eine ähnliche Aktion statt. Gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz wurden am Stadion von Erzgebirge Aue 500 Impfdosen verteilt – dabei konnten auch Kurzentschlossene ohne Termin vorbeikommen. Die Zweitimpfungen finden am 25. Juli mit einer kleinen Dankesgeste der „Veilchen“ statt.

Impfen ohne Termin

In mehr als der Hälfte der Landkreise in Sachsen-Anhalt sind Corona-Impfungen in den Impfzentren inzwischen ohne Termin möglich. Im Impfzentrum Gardelegen sowie in den Außenstellen Salzwedel und Kakerbeck werden beispielsweise sogar „Tage der offenen Tür“ veranstaltet, damit sich auch Kurzentschlossene ohne einen Termin impfen lassen können.

In den sächsischen Impfzentren sind seit vergangenem Freitag an allen Standorten Impfungen ohne Termin möglich – mit Ausnahme des temporären Impfzentrums in Grimma. Auch wer seine Zweitimpfung bereits versäumt hatte, könne vorbeikommen, so Gesundheitsministerin Petra Köpping in Dresden.

Keiner wird fragen, warum Sie nicht da waren.

Sachsens DRK-Vorstandschef Rüdiger Unger empfiehlt trotzdem, sich vorab per Telefon oder über das Internet anzumelden. Ansonsten könne es zu längeren Wartezeiten kommen.

Im Erfurter Impfzentrum in Thüringen wird es an diesem Wochenende die Möglichkeit geben, sich ohne einen Termin die Impfung gegen das Coronavirus abzuholen. Das Gesundheitsministerium wies darauf hin, dass dieses Angebot auch für Kurzentschlossene oder Besucher der Buga gelte.

Impfung im Bus

Um möglichst viele Menschen mobil erreichen zu können, werden auch immer wieder Impfbusse eingesetzt. Heute und morgen steht dafür zum Beispiel ein Bus am Chemnitz Center Röhrsdorf bereit: von 10 bis 19 Uhr wird dabei Johnson&Johnson oder BionTech geimpft. Die ersten 100 Impflinge erhalten obendrauf einen Gutschein im Wert von 10 Euro für ihren Einkauf im Center.

Firmenimpfungen

VW in Sachsen hat bisher 5.000 Menschen in einem umgebauten Impfmobil geimpft. Dabei können sich übrigens nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch deren Familienangehörige (ab 18 Jahren), Lebenspartner und Mitarbeiter von Partnerunternehmen impfen lassen. Ähnliche Angebote gibt es auch bei Porsche und BMW in Leipzig oder dem Chiphersteller Globalfoundries in Dresden.

Betriebe in Thüringen sollen beim Impfen gegen Covid-19 durch mobile Impfteams der Kassenärztlichen Vereinigung (KVT) unterstützt werden, so die Industrie- und Handelskammer Erfurt. Die mobilen Teams sollen in Firmen einspringen, in denen Betriebsärzte nicht selbst impfen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 08. Juli 2021 | 19:20 Uhr

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