Erst AstraZeneca, dann Biontech – Wie gut schützt die Kombi-Impfung?

Wer unter 60 ist und bei der ersten Corona-Impfung eine Spritze mit dem Präparat von AstraZeneca bekommen hat, erhält bei der Zweitimpfung ein anderes Mittel, aktuell von Biontech oder Moderna. Neue Forschungsergebnisse belegen, dass das wohl eine gute Idee ist.

Impfstoff der Firman BionTech und AstraZeneca
Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Erst kam die Erleichterung, dann die Verunsicherung. Wer bei uns in der Region aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen schon ziemlich zu Beginn der Corona-Impfkampagne dran war, und mit dem Präparat von AstraZeneca geimpft wurde, der machte sich wohl ab Mitte März ein paar zusätzliche Sorgen. Da waren zum einen die Berichte über extrem seltene Nebenwirkungen der Impfung, bei denen ein Blutgefäß im Gehirn verstopfen konnte, zum anderen trieb viele bereits Erstgeimpfte die Frage um: Wie geht es denn nun weiter?

Klar war: Mit einer Impfung allein ist man zwar schon ganz gut vor schweren Covid-Verläufen geschützt - der Impfschutz ist aber noch nicht perfekt. Das Ausfallenlassen der Zweitimpfung war also keine Option. Im April empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko) dann: Alle unter 60-Jährigen, die ihre erste Impfung mit dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca erhalten haben, sollen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff bekommen - also aktuell mit Biontech oder Moderna.

Ursprünglich war die Kombination nicht geplant

In diesen Tagen werden bei uns in der Region genau diese Impfungen verabreicht. Der Fokus liegt in vielen Fällen auf den Zweitimpfungen bereits einmal geimpfter Personen. Und da stellen sich viele natürlich die Frage: Wie verträglich und wie wirkungsvoll ist denn eigentlich die Kombination zweier Impfstoffe? Das war ja ursprünglich von den Herstellern eigentlich gar nicht so gedacht.

Vielleicht als erstes zur Verträglichkeit. Da sieht es wohl so aus, dass es bei Nutzung von unterschiedlichen Impfstoffen für Erst- und Zweitimpfung tatsächlich eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für milde und moderate Nebenwirkungen nach der zweiten Dosis gibt. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Oxford nach einer vorläufigen Datenanalyse. Anlass zur Sorge um die Patientensicherheit gebe es aber nicht, betonten die Wissenschaftler.

Vielleicht noch wichtiger ist die Frage nach der Wirksamkeit. Und bevor wir da in die Details gehen, vielleicht noch ein interessanter Punkt: Die Impfstoffe von AstraZeneca, Biontech und Moderna sind sich nämlich ziemlich ähnlich. Sie alle trainieren das Immunsystem des Körpers auf eine vergleichbare Weise, gegen das Corona-Virus aktiv werden zu können. Dafür präsentieren sie ihm ein Protein, das der Erreger nutzt, um in die Zellen einzudringen – und sobald der Körper dieses Protein kennt, kann er Antikörper und T-Zellen dagegen herstellen. Die Impfstoffe setzen alle auf dasselbe Protein, sie unterscheiden sich nur in der Art und Weise, wie es in den Körper kommt. „Die Impfstoffe sind so ähnlich gemacht, dass ich keinen Unterschied erwarte“, sagt der Impfstoffexperte Leif Erik Sander von der Berliner Charité.

Vielversprechende Studie aus Spanien

Es ist also nicht unlogisch, dass sich die Impfstoffe gut ergänzen können. „Bei anderen Impfstoffen ist beobachtet worden, dass eine Kreuzimpfung in einigen Fällen tatsächlich zu einem höheren Schutz führt, als die beiden Impfstoffe alleine“, sagt etwa der Impfstoff-Forscher Torben Schiffner, der an der Universität Leipzig ein neues Institut für Wirkstoffentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie aufbaut. „Dies tritt aber nicht in allen Fällen auf und zum Teil kommt es dabei auch auf die richtige Reihenfolge an.“

Einer Studie des spanischen Gesundheitsministeriums legt nun nahe, dass eine Kombination zweier Corona-Impfstoffe nicht nur möglich, sondern sogar sinnvoll sein dürfte. Sie könnte sogar einen höheren Schutz vor einer Infektion bieten als zwei Impfungen mit AstraZeneca allein. Allerdings wurden noch keine Daten zum Schutz vor Infektionen ausgewertet. Dafür müssen die Versuchsteilnehmer über einen sehr langen Zeitraum beobachtet werden. Stattdessen untersuchten die Mediziner, wie stark die Geimpften Antikörper gebildet hatten. Mit den Ergebnissen waren sie sehr zufrieden.

Das sind gute Nachrichten für die unter 60-Jährigen. Doch was ist mit den Älteren, die auch als Zweitdosis AstraZeneca bekommen? Für sie ist eine Kombinationsimpfung nicht zugelassen. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich Sorgen machen müssen, sagen Impfstoffexperten wie Carsten Watzl von der TU Dortmund. „Es ist kein Impfstoff zweiter Klasse“, so der Immunologe. Die Sicherheit bei den über 60-Jährigen sei „absolut gegeben“.

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