Schwere Entzündungen bei Kindern im Zusammenhang mit Covid-19 - Was ist da los?

Kinder und Corona – da gibt es noch immer viele offene Fragen. Bis jetzt ging es vor allem darum, ob und wie stark sie das Sars-CoV-2-Virus weitergeben. Doch zuletzt gab es auch – bisher zum Glück seltene – Fälle, in denen junge Patienten von einer schweren Entzündung betroffen waren

Ein Kind mit Mundschutz und Roller im Zoo von Wuhan
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Die ersten Berichte hatte es aus Großbritannien gegeben, später auch aus New York, Frankreich oder Italien: Ärzte bemerkten bei einigen ihrer jungen Patienten eine schwere Entzündungskrankheit, die dem sogenannten Kawasaki-Syndrom ähnelt. Derzeit sind nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) im schwedischen Solna rund 230 mögliche Fällen bekannt, mindestens zwei Kinder seien gestorben.

„Eltern müssen jetzt wirklich nicht in Panik verfallen“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner. Man rede bisher über „sehr, sehr seltene Fälle“.Falls Kinder hohes Fieber hätten und krank seien, sollten sie mit ihren Eltern zum Kinderarzt. „Wir kennen das Krankheitsbild und können die Kinder diagnostizieren und behandeln, falls dies nötig sein sollte“, so Hübner.

Geringes Risiko für Kinder

Im Allgemeinen gilt das Erkrankungsrisiko für Kinder sowohl für Covid-19 als auch für die neue Erkrankung, die von Experten MIS-C („Multisystem inflammatory disorder in children“) oder PIMS („Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“) bezeichnet wird, weiter als gering. Aber manchmal treten die Fälle aber dann doch auf: Die Patienten bekommen oft schweres Fieber um die 40 Grad, das sich auch mit Medikamenten nicht senken lässt. Dazu kommen andere Beschwerden, zum Beispiel eine Herzentzündung, Blutgerinnungsstörungen oder Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Erbrechen oder Bauchschmerzen.

Hintergrund der Erkrankung ist offenbar eine überschießende Reaktion des körpereigenen Immunsystems nach einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Erreger. „Das ist auch nicht so überraschend, weil wir wissen, dass Viren eben eine solche Reaktion auslösen können“, sagt Ania Muntau, Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Und auch Muntau fordert Eltern auf: „Die Sorge, die ich im Moment habe, ist, dass die Menschen und die Kinder nicht in die Notaufnahmen der Kinderkliniken kommen, weil die Familien eine solch hohe Sorge vor einer Infektion haben.“ Das sei das wirkliche Risiko - „weil wenn wir die Kinder früh sehen, dann werden wir sie effektiv behandeln können“.

Verbindung mit Covid-19 noch unklar

Wie genau Covid-19 und die neuartige Krankheit zusammenhängen, müssen die Experten noch herausfinden. Ärzte in Italien haben sich aber Kinder mit schweren Entzündungskrankheiten in der Provinz Bergamo angeschaut. In der Fachzeitschrift "The Lancet" berichten sie, dass die Fälle tatsächlich mit Covid-19 in Verbindung stehen könnten. Sie analysieren den Krankheitsverlauf zehn von Patienten mit entsprechenden Symptomen. Mit Blick auf den Untersuchungszeitraum erklären sie, dass das einer 30-fachen Zunahme im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie entsprechen würde. Sie warnen aber davor, dass ihre Schlussfolgerungen wegen der niedrigen Zahl der Betroffenen mit Vorsicht zu bewerten seien.

Kinderärztin Muntau berichtet, bei den bekannten Fällen in New York oder Bergamo sei das Entzündungssyndrom wohl in unterschiedlichen Phasen der Covid-19-Erkrankung aufgetreten. Das lege nahe, dass es womöglich unterschiedliche Entstehungsweisen gebe. Klar ist das aber nicht.

Vielleicht können auch Ältere erkranken

Der Kinderarzt Sunil Sood von der Cohen-Kinderklinik in New York sagte der Nachrichtenagentur AFP, in den meisten Fällen sei dir Krankheit vier bis sechs Wochen nach einer Coronavirus-Infektion aufgetreten. Er sprach von einer "verspäteten und übersteigerten Immunabwehrreaktion" des Körpers.

Es ist nicht sicher, dass die Erkrankung wie bisher beobachtet wirklich nur junge Menschen betrifft. Vielleicht können auch Ältere daran erkranken. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat jedenfalls Mediziner aus aller Welt dazu aufgerufen, mit seiner Organisation und den nationalen Gesundheitsbehörden zusammenzuarbeiten. Es gehe darum, die Krankheit „besser zu verstehen”.

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