Warum es keine Corona-Impfpflicht geben wird

Eine – nicht ganz kleine – Minderheit der Menschen in Deutschland will sich nicht gegen Corona impfen lassen, selbst wenn der Impfstoff verfügbar ist. Wird es Zwang auf sie geben? Nein, sagt die Politik. Tatsächlich ist das wohl auch gar nicht nötig.

Ein Patient erhält eine Impfung
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Bald schon dürfte es losgehen, dann werden auch in Deutschland die ersten Menschen gegen das Corona-Virus geimpft. Und wenn man mit anderen über das Thema spricht, dann fällt einem auf: Es gibt, grob gesprochen, zwei Gruppen. Den einen können Zulassung und Impfstart gar nicht schnell genug gehen. Sie beklagen sich, dass etwa in den USA oder Großbritannien der auch in Deutschland vor der Zulassung stehende Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer bereits gespritzt wird, die Europäischen Arzneimittelprüfer sich dagegen länger Zeit lassen. Wie kann das sein, klagen diese Leute, Geschwindigkeit rette doch Leben.

Menschen, die sich entweder sicher oder wahrscheinlich impfen lassen wollen, stellen etwa zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland.

Die zweite, kleinere Gruppe wiederum sieht das ganz anders. Diese Menschen wollen sich nicht impfen lassen, oft mit Verweis auf mögliche Nebenwirkungen. Ihr Argument: Kein neues Medikament ist ohne Risiken. Die Zulassung sei aber viel zu schnell erfolgt, um diese Probleme ausreichend studiert zu haben. Manche vermuten gar, der Impfstoff verändere das Erbgut der Geimpften – auch wenn das nicht stimmt.

Verweis auf die Masern

Ein kleiner Junge ist beim Arzt und wird geimpft
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Wer der Impfung skeptisch gegenüber steht, für den stellt sich eine Frage: Was, wenn es eine Impfpflicht gibt? Muss man sich dann das Medikament spritzen lassen, das man gar nicht will? Wer Angst vor solch einem Szenario hat, verweist dann oft auf die Impfpflicht im Fall der Masern. Die wurde ja in diesem Jahr eingeführt an allen deutschen Schulen, bei Tagesmüttern und Kitas, aber auch an anderen Gemeinschaftseinrichtungen wie Flüchtlingsunterkünften und in Arztpraxen und Kliniken.

Die Politik hat immer wieder klargestellt, dass im Gegensatz dazu bei Corona keine allgemeine Impfpflicht geplant ist. "Niemand wird gezwungen werden, sich impfen zu lassen, sondern es ist eine freiwillige Entscheidung", so Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Ich gebe Ihnen mein Wort", so auch Gesundheitsminister Jens Spahn. "Es wird in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben."

Stattdessen setzt man also auf Freiwilligkeit. Spahn sagt: Bis Ende des Sommers 2021 könnten 60 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Das ist eine interessante Größe. Denn Experten gehen davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssten, damit eine sogenannte Herdenimmunität entsteht.

Das bedeutet: Wenn es nur genug Menschen gibt, die immun gegen das Virus sind, dann endet auch dessen Verbreitung in der Gesellschaft. Und dann wären auch die Menschen geschützt, die den Pieks gar nicht bekommen haben.

Masernimpfung schützt vor allem Kinder, bei Corona gelten die aber als weniger betroffen

Bei den Masern muss der Anteil der Geimpften aber viel höher liegen, damit dieser Effekt eintritt. Und zwar bei etwa 95 Prozent. Deswegen, so die Politik, machte der Zwang für die betroffenen Bevölkerungsgruppe, nämlich Kinder, durchaus Sinn. Denn nur so lässt sich die Ausbreitung der Krankheit stoppen. Bei Corona, so sehen die Entscheidungsträger das wohl, sollte die Zahl der Freiwilligen ausreichen.

Masern bei Kleinkind
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Bei den Masern ist die Sache auch so, dass vor alle Kinder von den Folgen betroffen wären. Diese Gruppe wollte die Politik besonders schützen – durch eine Impfung, die lebenslange Immunität bietet. Bei Corona wiederum gelten junge Menschen gerade nicht als sehr gefährdet. Das heißt: Wer besonders verwundbar ist, ist alt genug, um sich selbst für eine Impfung zu entscheiden.

Zumal es beim Corona-Impfstoff tatsächlich vor allem erst einmal um den Eigenschutz geht, so sagt man es auch beim Robert Koch-Institut (RKI). Bisher ist nämlich noch nicht klar, ob Geimpfte „nur“ vor dem Ausbruch der Krankheit geschützt sind du das Virus in diesem Fall trotzdem noch weiterverbreiten könnten. Außerdem wird sich zeigen müssen, wie lange der Impfschutz hält. Von einem lebenslangen Schutz wie bei den Masern träumt dabei wohl kaum jemand.

Privatunternehmen können Impfung durchaus einfordern

Der CDU-Politiker Erwin Rüddel ist Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag. Er sagt: "Es wird bei uns in Deutschland keine Impfpflicht geben, darauf kann man sich verlassen." Eine Impfquote von 60 Prozent werde auch ohne Impfpflicht zu erreichen sein. Eine Impfpflicht gewissermaßen durch die Hintertür schließt Rüddel auch aus. Einen Immunitätsausweis "wird es nicht geben", sagt er. Privatunternehmen können allerdings womöglich schon auf eine Impfung pochen, so hat die australische Fluggesellschaft Quantas angekündigt, in Zukunft nur geimpfte Passagiere zu befördern.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 20. Dezember 2020 | 13:10 Uhr

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