"Die Polizei steht im Moment auch unter Stress"

25.03.2020 | 14:00 Uhr

Mehr als 400 Corona-Fälle gibt es aktuell, allein in Thüringen. Tausende Menschen sind in Quarantäne, dürfen ihre Wohnung nicht verlassen. Und auf den Straßen herrscht, wie überall bei uns im Osten, strenges Kontaktverbot. Überwachen muss das alles die Polizei. Aber die ist selbst so langsam am Ende ihrer Kräfte.

Wappen der Polizei Sachsen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir haben darüber mit Kai Christ gesprochen. Er ist Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Thüringen.

Die Landes-Polizei-Direktion will die Beamten jetzt sogar allein auf Streife schicken, damit nicht immer zwei Polizisten im Wagen auf engem Raum zusammenhocken. Was halten Sie denn davon?

Wir sind mit diesem Vorschlag überhaupt nicht glücklich. Wir wissen, dass die Polizei als Organisation im Moment auch unter Stress steht. Für uns steht aber die Eigensicherung an allererster Stelle, und wir hoffen darauf, dass die Landespolizeidirektion noch andere Möglichkeiten findet, den Ansteckungsgefahren zu begegnen. Wir wollen keine Kollegen auf den Straßen, die einzeln handeln.

Wie läuft das denn überhaupt mit dem Abstand halten im normalen Dienst? Die 1,50m Mindestabstand gelten doch auch für Sie, oder?

Ja, grundsätzlich würden die auch für uns gelten. Aber es gibt keine Verordnung ohne Ausnahme.  Wenn wir zum Beispiel eine Festnahme machen müssen, dann ist 1,50 m Abstand zu den Kollegen und auch zu dem Festzunehmenden nicht einzuhalten. Wir haben auch nicht so große Funkwagen, dass wir darin den Abstand halten können, wenn wir nebeneinander sitzen. In den Dienststellen wird das aber versucht weitestgehend einzuhalten.

Wenn jetzt ein Polizist mit Corona infiziert wird und die halbe Dienststelle in Quarantäne muss. Können wir Bürger uns dann noch darauf verlassen, dass die Polizei uns hilft, wenn wir Sie brauchen?

Dieses Worst-Case-Szenario begegnet uns stellenweise zurzeit schon. Wir haben aber Mittel und Möglichkeiten gewisse Reserven zu mobilisieren, damit der Grundschutz der Bevölkerung aufrechterhalten werden kann. Möglicherweise muss dann die Bereitschaftspolizei, die jetzt keine Großlagen mehr zu bewältigen hat, weil alles abgesagt ist, einspringen.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie denn so gerade von ihren Kollegen auf der Straße? Wird die Kontaktsperre eingehalten oder gibt es noch größere Menschengruppen draußen?

Wir hören, dass die Bevölkerung mittlerweile weitestgehend kooperativ ist und den Kontaktverboten folgt. Wir haben keine Rückmeldung, dass es da größere Probleme gibt. Wir müssen abwarten, wenn die Temperaturen steigen, ob sich dann die Bevölkerung auch noch daran hält, im Park irgendwelche Partys zu feiern. Aktuell gibt es da aber keine größeren Verwerfungen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 25. März 2020 | 12:45 Uhr

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