Wann bin ich dran, wie gibt’s den Termin? Alles zur Corona-Impfung

Impfzentrum, mobile Teams, Telefonhotline, Internet-Terminvereinbarung – gar nicht so einfach, den Ablauf der nun beginnenden Corona-Impfkampagne zu verstehen. Hier die wichtigsten Fakten. Auch wenn die manchmal frustrierend sein können.

Eine Seniorin wird gegen Corona geimpft
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Normalerweise turnen in der Sporthalle in der Heinrich-Pera-Straße im Zentrum von Halle Grundschulkinder, auch diverse Vereine trainieren hier. Doch was ist schon normal in diesen Tagen? Und so ist in der Sporthalle gerade ein Impfzentrum eingerichtet worden. Am Montag, dem 11. Januar sollen die Corona-Impfungen dort beginnen – allerdings auf einem sehr überschaubaren Niveau: Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand hat vorgerechnet, dass am ersten Tag zunächst 100 Impfungen verabreicht werden, am Tag darauf weitere 95. Impfberechtigt sind vorerst nur Einwohner im Alter ab 80 Jahren, die vorab einen Termin gebucht haben. Mehr Impfungen sind aktuell nicht möglich, weil erst weiterer Impfstoff angeliefert werden muss.

Wie in Halle beginnen auch an zahlreichen anderen Stellen bei uns in der Region die Impfzentren ihre Arbeit aufzunehmen – und eigentlich überall scheint die Lage zum Start ziemlich unbefriedigend zu sein. Die Probleme sind an vielen Orten vergleichbar. Die gute Nachricht: Die Impfungen sind freiwillig, sie sind kostenlos und versprechen nach wissenschaftlichen Studien einen guten Schutz vor dem Sars-CoV-2-Erreger. Viele Gerüchte über angebliche Probleme im Zusammenhang mit der Impfung treffen nicht zu. Und nein, der Impfstoff verändert auch nicht unser Erbgut.

Terminvereinbarung ist nicht einfach

Die schlechte Nachricht: Die Impfungen starten nur langsam und mit Schwierigkeiten. Da ist etwa die Sache mit den Terminen. Geimpft werden sollen zunächst einmal Menschen, die älter als 80 sind. Um beim Beispiel Halle zu bleiben: In der Stadt sind das genau 18.889 Frauen und Männer. Damit sie sich schützen lassen können, müssen sich die Senioren über die bisher als akut überlastet geltende Telefonhotline 116117 oder im Internet Termine buchen.

Auch das ist allerdings nicht eben einfach. Man muss sich zum Termin durchklicken, eine Schnellprüfung der Impfberechtigung absolvieren – und bekommt dann einen so genannten Vermittlungscode, den man im Impfzentrum vorzeigen muss per Mail oder SMS. Wer das technisch nicht hinbekommt, der hat erst einmal Pech. Die Stadt Halle hat sich immerhin vorgenommen, 2.691 Menschen anzuschreiben, die älter als 90 Jahre alt sind - und mit ihnen dann telefonisch Impftermine zu vereinbaren.

Das nächste Problem erfasst man auch schnell, wenn man die Zahlen in diesem Text liest: Anfang kommender Woche stehen für Halle also 195 Impfdosen bereit. Doch so schnell wie möglich geimpft werden müssten mehr als 18.000 über 80-Jährige. Da haut etwas nicht hin. Zumal jeder Geimpfte zu zwei verschiedenen Terminen den Pieks bekommen muss, damit das Immunsystem den vollen Schutz aufbaut. Natürlich werden nach und nach weitere Impfdosen angeliefert werden. Doch klar ist: Selbst um die Risikogruppen mit der Impfung schützen zu können, wird es lange dauern – auch wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Impfungen für alle ab dem zweiten Quartal in Aussicht gestellt hat.

Was da ist, ist oft schon verteilt oder verplant

Doch vorerst muss die Politik um Geduld bitte, wie etwa Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne: Man arbeite mit Hochdruck daran, die Kapazitäten für die 14 Impfzentren des Landes auszubauen. Bis Mitte Februar rechnet das Land nach eigenem Bekunden mit 175.000 Dosen des Impfstoffs der Firmen Biontech und Pfizer.

Kartons mit dem Corona-Impfstoff des US-Biotech-Unternehmens Moderna
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Seit dieser Woche ist auch ein zweites Präparat in Europa zugelassen. Es kommt vom Hersteller Moderna, dürfte aber zunächst nur in kleineren Mengen zur Verfügung stehen. Es basiert auf einer ähnlichen Technologie wie der Biontech/Pfizer-Impfstoff, hat aber weniger hohe Anforderungen an die Kühlung bei Transport und Lagerung.

In Sachsen ist die Lage ähnlich prekär wie in den anderen Ländern unserer Region: Der Freistaat hat nach eigenen Angaben bis zum 30. Dezember 2020 insgesamt 68.250 Impfdosen erhalten. „Bis zum avisierten Eingang von weiteren 34.125 Dosen bis Mitte Januar sind alle Impfdosen bereits verteilt oder verplant“, heißt es von der Landesregierung.

Die 13 Impfzentren des Landes „starten ihren Betrieb um den 11. Januar 2021, wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht und kontinuierlich nach Sachsen geliefert wird“. Dann beginne auch die Anmeldung für Impftermine. Diese soll online oder telefonisch erfolgen können.

Pro Tag sollen in Sachsen täglich bis zu 13.000 Bürgerinnen und Bürger geimpft werden, sagt das Land – wenn es mal soweit ist. Auch in Thüringen ist für viele Menschen erst einmal warten angesagt. Hier sollen die Impfzentren am 13. Januar öffnen. Und Termine lassen sich – im Prinzip – über eine spezielle Webseite vereinbaren. Doch das geht nur, wenn auch genügend Impfstoffdosen verfügbar sind. Sonst ist, wie in dieser Woche, oft keine Buchung möglich.

Nachweis ist wichtig, Impfpass wäre schön

Wer dann einen Termin ergattert hat, muss im Impfzentrum noch einmal nachweisen, dass er die Impfung aktuell auch bekommen darf. Dazu wird das Alter mit Hilfe des Personalausweises geprüft. Wer in Altenpflege, Medizin oder bei der Notfallrettung arbeitet und deswegen auch geimpft werden kann, muss das mit einer Bestätigung des Arbeitgebers belegen. Sonst gibt es keine Spritze. Nicht verpflichtend – aber erwünscht – ist dagegen der Impfausweis.

Parallel zu den Impfungen in den Impfzentren laufen weiter die Impfungen in Senioreneinrichtungen, für die mobile Teams bei uns in der Region unterwegs sind. Dafür müssen die Heimbewohner oder ihre Angehörigen keine besonderen Schritte einhalten. Aber auch hier ist gegebenenfalls Geduld gefragt. Minister Spahn hat allerdings in Aussicht gestellt, dass alle Heimbewohner im Januar eine Impfung bekommen sollen.

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