So kämpfen die Länder gegen die Impfmüdigkeit

Die Corona-Impfung gilt als wirksamstes Mittel gegen die Pandemie. Mit einer genügend hohen Impfquote könnte auf Lockdowns verzichtet werden. Doch die Impfkampagne stockt. Was wollen die Länder gegen Impfmüdigkeit tun?

Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum.
Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Die Impfkampagne gerät langsam aber sicher ins Stocken. Zwar sind EU-weit mittlerweile mehr Menschen geimpft, als in den USA, aber die Zahl der Erstimpfungen nimmt kontinuierlich ab. Waren es zwischenzeitlich mal über eine Millionen Impfungen pro Tag in Deutschland, sind es mittlerweile gerade mal um die 200.000.

Dabei ist Impfstoff mittlerweile im Überfluss da und an einen Termin zu kommen ist mittlerweile auch kein großes Problem mehr.

In den Ländern zerbricht man sich mittlerweile den Kopf darüber, wie man die Menschen doch noch zum Impfen bekommen könnte. In Polen soll es etwa eine Lotterie richten, bei der es zum Impfshot noch Lose mit der Chance auf ein Auto, Elektroroller oder Geldgewinne gibt. Deutsche Politiker lehnen solche Angebote bisher noch ab und setzen auf niedrigschwellige Angebote.

Sachsen

Sachsen ist mit 42 Prozent Impfquote weiter Schlusslicht in Deutschland. Deshalb beriet Ministerpräsident Kretschmer heute mit Regierungsvertretern, Kommunen und Verbänden darüber, wie man die Impfbereitschaft weiter steigern könnte. Für Kretschmer ist klar:

Es kann keinen Zwang zur Impfung geben und den soll es auch nicht geben.

Auch von Anreizen durch Gutscheinen hält Kretschmer wenig. Die Sachsen "mit offenem Blick auf das Thema schauen". Stattdessen setzt Sachsen auf niedrigschwellige Angebote, erklärt Dagmar Neukirch, Staatssekretärin im sächsischen Gesundheitsministerium nach dem Impfgipfel. Dafür soll es Impfangebote in Kommunen "direkt vor der Haustüre" geben.

Kretschmer und die Teilnehmer des Gipfels appellierten vor der Presse auch nochmal an die Solidarität der Bevölkerung, sich impfen zu lassen und so einen weiteren Lockdown zu verhindern.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sind rund 45 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. 55 Prozent haben mindestens eine Dosis erhalten. Doch auch hier stocken die Zahlen. Sozialministerin Petra Grimm-Benne will deshalb "den Turbo anwerfen".

Die Impfzentren im Land sollen im September schließen. Ab dann sollen nur noch die Arztpraxen Corona-Schutzimpfungen durchführen. Damit die Impfquote weiter steigt, stellte Grimm-Benne für die nächsten Wochen viele Sonderaktionen in Aussicht und appelliert an die Bevölkerung.

Vom Impf-Bus, der über die Dörfer tourt, bis zu Angeboten auf Marktplätzen und Supermarkt-Parkplätzen: Nutzen Sie die Chance, sich impfen zu lassen.

Thüringen

Auch in Thüringen stagniert die Impfkampagne. Dort sind etwa 45 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Und auch dort gibt es immer wieder offene Aktionen, bei denen ohne Termine Impfungen angeboten werden sollen.

Seit Anfang Juli wird in Erfurt etwa der Impfstoff von Johnson & Johnson, von dem man nur eine Dosis braucht, an Kurzentschlossene verimpft. Außerdem werden dort mobile Impf-Teams in kleine und mittelständische Unternehmen geschickt. Außerdem hat das Gesundheitsministerium auch eine Kampagne vorgelegt, mit der Menschen, die kein Deutsch sprechen über Impfungen informiert werden sollen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 20. Juli 2021 | 06:00 Uhr

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