Homeschooling - So läuft der Unterricht von zu Hause

Seit einigen Wochen sind viele Eltern nebenbei auch Aushilfslehrer. Sie kämpfen sich gemeinsam mit den Kindern durchs Homeschooling. Manche erfolgreicher als Andere. Wie läuft es und geht das nicht besser? Wir habe mit Lehrerverbänden aus Mitteldeutschland darüber gesprochen.

Homeschooling: Vater sitzt mit seinem Sohn vor einem Laptop und hilft seinem Sohn bei den Schulaufgaben, die  während der Schulschliessung wegen der Coronavirus-Krise zu Hause erledigt werden müssen.
In Corona-Zeiten müssen die Eltern noch mehr bei Schulaufgaben unterstützen. Bildrechte: imago images / Petra Schneider

Homeschooling stellt alle vor Herausforderungen: Lehrer, Schüler und Eltern. Von jetzt auf gleich mussten sie sich an die neue Situation gewöhnen. Lehrer mussten ihren Unterricht umstellen, Schüler können ihre Freunde und Lehrer nicht mehr sehen und Eltern wurden plötzlich zu Lehrern. Für alle keine einfache Situation.

Fehlende Ansprechpartner, Strategien und Materialien

Die Probleme sind vielfältig: Zum Beispiel müssen Eltern ihren Kindern neuen Lehrstoff beibringen, obwohl sie keine pädagogische Ausbildung haben. Auch ihr habt uns auf Facebook eure Probleme geschildert: Sie reichen von der Überforderung mit der eigenen Arbeit und gleichzeitig Homeschooling, fehlenden Materialien und Ansprechpartnern und besonders bei den Kindern, die fehlenden Sozialkontakte. Anika aus Coswig in Sachsen-Anhalt schreibt zum Beispiel:

Es ist enorm Kräfteraubend. Wir haben vier schulpflichtige Kids daheim. Dazu ein Kita-Kind. Alles unter einen Hut zu bekommen braucht enorm viel Koordination und starke Nerven.

Schulen haben Digitalisierung verschlafen

Wir haben die Lehrerverbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nach ihren Erfahrungen zum Thema gefragt. Rolf Busch, der Landesvorsitzendes des Thüringer Lehrerverbandes bilanziert die vergangenen Wochen Homeschooling so:

Wir können jetzt nicht bewältigen, was wir die letzten zehn Jahre bei der Digitalisierung verschlafen haben. Es gibt Schulen, die sind ziemlich weit, und andere warten auf Vorgaben des Ministeriums.

Das Land Thüringen arbeitet vor allem mit der sogenannten Schulcloud. Das ist eine Onlineplattform für Lehrer, Eltern und Schüler. Dort können sie sich austauschen, Stundenpläne hochladen, miteinander kommunizieren und beispielsweise Lernmaterialien zur Verfügung stellen. Getestet wurde sie bisher von 50 Pilotschulen. Doch reibungslos funktioniert sie nicht. Allein drei Wochen hätten die Thüringer Schulen gebraucht, um sich und ihre Schüler bei der Plattform anzumelden.

Sein Kolleg Jens Weichelt vom Sächsischen Lehrerverband erklärt, dass es keine einheitlichen Empfehlungen gibt, wie der Unterricht ablaufen soll:

Letztlich ist es so, dass jede Lehrerin oder jeder Lehrer die individuellen Voraussetzungen der Schüler und der Schule beachtet. Deshalb findet im Prinzip jede Lehrerin bzw. jeder Lehrer seinen eigenen Weg, um die Lernaufgaben zu konzipieren und an die Schüler zu bringen und mit ihnen zu kommunizieren.

Problem für Lehrer: Absprachen sind kompliziert

Die Frustration der Eltern ist in den vergangenen Wochen Homeschooling gestiegen. Jens Weichelt vom Sächsischen Lehrerverband sagt: "Die Eltern erkennen spätestens jetzt, dass Wissensvermittlung und pädagogische Begleitung nicht einfach sind." Rolf Busch aus Thüringen kann Frust verstehen, aber er hat auch Verständnis für die Lehrer: "Lehrer sind auch nur sowas wie Menschen und es gibt solche und solche. Ich habe Verständnis, wenn sie ihre private Email und Handynummer nicht rausgeben wollen." Ein Problem sei auch, eine fehlende Plattform für die Lehrer, damit sie sich austauschen können. Ein virtuelles Lehrerzimmer sozusagen. Absprachen fehlen dann auch im Unterricht: so kann es passieren, dass Schüler von einem Lehrer fünf Aufgaben bekommen und von einem anderen dann nochmal.

So können sich Lehrer, Eltern und Schüler mit der Situation arrangieren

Damit sich der Frust weder bei Schülern und Eltern, noch den Lehrern aufstaut, wünscht sich Rolf Busch vom Thüringer Lehrerverband mehr Gelassenheit bei allen. Und sollte es doch mal zu Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Lehrern kommen, hat er einen Tipp: "Der Ton macht die Musik. Wenn ich jemand anplautze, darf ich mich nicht wundern, wenn man was anderes bekommt. Wir sind alle in einer extremen Anspannungssituation. Da kann man als Eltern auch mal sagen: Das ist eine außergewöhnliche Situation, dann erledigen wir diese Aufgabe jetzt nicht, weil mein Kind nicht von früh bis abends daran sitzen soll." Jens Weichelt vom Sächsischen Lehrerverband ergänzt: "Der direkte Kontakt zwischen Eltern und Lehrern ist immer noch der beste Weg, um Schwierigkeiten auszuräumen."

Homeschooling
Bildrechte: imago images / Ritzau Scanpix / Unger Anthon

Digitales Lernen wird in Zukunft wichtiger

Ein normaler Schulalltag scheint auch in den kommenden Wochen und Monaten unwahrscheinlich. Rolf Busch erwarte auch nach den Sommerferien noch die Ausnahmesituation, da es Risikopatienten und Quarantäne unter Schülern und Lehrern gäbe. Doch das sieht er auch als Chance:

Absehbar wird digitales Lernen einen größeren Stellenwert bekommen. Wir brauchen Kontinuität und einen Weg, wie wir mitten in der Krise das digitale Lernen zum Laufen bringen. Deshalb gibt es auch Versuche vom Bund, dass die soziale Spaltung nicht noch größer wird. Weil einige Schüler bessere technische Möglichkeiten haben, als Andere.

Zuschuss vom Bund

Da nicht alle Kinder uneingeschränkten Zugang zu technischen Voraussetzungen haben, um am digitalen Unterricht teilzunehmen, will der Bund bedürftige Schüler unterstützen. 150 Euro sollen sie als Zuschuss bei dem Kauf eines Tablets, Computers oder Laptops bekommen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. April 2020 | 12:45 Uhr

Weitere Informationen zu Corona