Ab ins Homeoffice - oder doch nicht?

Der Weg zur Arbeit oder auch das Kollegengespräch in der Büroküche – das sind nach Meinung von Experten und Politikern aktuell die größten Corona-Hotspots. Deshalb heißt es jetzt: Homeoffice wo immer es geht.

Eine Frau arbeitet während der Corona-Einschränkungen im Homeoffice
Bildrechte: imago / imago images / Hans Lucas

Während wir uns im Privaten abschotten sollen, keine Freunde und Verwandten treffen, ist das im Arbeitsleben bisher anders. Viele gehen ganz normal arbeiten und treffen Kollegen. Doch das soll sich nun ändern. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat eine Verordnung auf den Weg gebracht, die schon nächste Woche in Kraft treten soll.

Angebotspflicht für Homeoffice

Die Verordnung verpflichtet Arbeitgeber, den Angestellten ein Angebot zu machen: Wenn diese das möchten, können sie auch von zu Hause aus arbeiten. Natürlich geht das nur, wenn die Tätigkeit das auch zulässt. Es soll sogar Kontrollen geben, ob Chefs diese Angebote auch wirklich unterbreiten. Heil warnte bei Bild live Arbeitgeber davor, die Möglichkeit zum Homeoffice willkürlich abzulehnen:

Sie müssen klar sagen, wo es geht - und auch, wo es nicht geht. Wo es möglich ist, sollen sie es ermöglichen, und das wird im Zweifelsfall auch von Arbeitsschutzbehörden überprüft.

Für die Beschäftigten wiederum besteht aber keine Pflicht, das Angebot anzunehmen. Der Mitarbeiter kann sich also weigern.  

Zustimmung aus Mitteldeutschland

Alle drei Ministerpräsidenten aus dem Sendegebiet unterstützen die neuen Homeoffice-Vorgaben. Sachsens Landeschef Michael Kretschmer (CDU) sagte:

Je mehr Menschen ihre Arbeit von zu Hause erledigen können, desto weniger Kontakte gibt es.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) mahnt schon länger:

Der Homeoffice-Anteil ist nicht ausreichend.

Man müsse konsequenter die bestehenden Möglichkeiten nutzen, um das Infektionsrisiko zu senken. Dazu gehöre das Arbeiten im Homeoffice, so Haseloff.

Für Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) ist die "Kontaktreduzierung für alle Menschen in der Breite" in der Pandemiebekämpfung der wichtigste Punkt. Sein Bundesland verzeichnet gerade die höchsten Infektionszahlen bundesweit. Nicht überall aber sei Homeoffice durchführbar:

Kühe melken kann man sicherlich nicht im Homeoffice. Es geht darum, dass vielleicht die Mitarbeiterin im Büro einige Zeit zu Hause arbeitet.

Wichtig sei, dass sich die Kollegen so wenig wie möglich begegnen, so Ramelow.

Kritik aus der Wirtschaft

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander, hat die beschlossenen Vorgaben für mehr Homeoffice als "inakzeptabel" bezeichnet. Noch im November habe Heil verkündet, von diesem Vorhaben abzusehen. Die sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) kritisierten das Vorhaben als weder zielführend noch verhältnismäßig. Viele Unternehmen hätten bereits umfassend in Hygieneschutz am Arbeitsplatz investiert. Auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hält nichts von der Regulierung. Vor allem für kleinere Betriebe sei das schwierig, sagte er der Welt:

Manche kleineren und mittleren Betriebe sind weder technisch, noch organisatorisch, noch mental in der Lage, das Thema Homeoffice umzusetzen.

Homeoffice in vielen Bereichen gar nicht möglich

Es gibt sehr viele Bereiche, da ist gar nicht an Arbeiten von zu Hause aus zu denken. Laut Statistik arbeiten mehr als die Hälfte der Beschäftigten in unseren drei Ländern nicht im Büro. Wer beispielsweise in der Land- und Forstwirtschaft, dem Baugewerbe und dem Gesundheits- und Sozialwesen arbeitet, sitzt vergleichsweise selten vor dem Computer. Doch selbst viele klassische Bürojobs kann man nicht zu Hause erledigen. Wer beispielsweise mit sensiblen Personendaten arbeitet, kann nicht ins Homeoffice. Darauf hat das sächsische Innenministerium hingewiesen.

Bringt Homeoffice wirklich so viel?

Durch mehr Arbeiten von zu Hause aus erhoffen sich Bund und Länder eine Verringerung der Kontakte auf dem Arbeitsweg und am Arbeitsplatz. Dies soll helfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Mehr Homeoffice könnte die Zahl der Infektionen deutlich verringern. Das haben Wirtschaftswissenschaftler berechnet. Forscher um den Bonner Ökonomieprofessor Hans-Martin von Gaudecker haben eine Erhöhung der Homeoffice-Quote auf 35 Prozent simuliert. Derzeit wird sie auf 25 Prozent geschätzt. Durch die Erhöhung um zehn Prozent könnte die Zahl der Neuinfektionen Ende Februar um gut ein Viertel geringer sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP-Nachrichten | 20. Januar 2021 | 13:00 Uhr

Weitere Informationen zu Corona

Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum.
Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank