Corona-Gipfel: Radikaler Lockdown über Ostern

Deutschland steht vor dem härtesten Lockdown seit Beginn der Corona-Pandemie. Zu Ostern soll das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben weitgehend heruntergefahren werden, um die dritte Welle der Pandemie zu brechen.

Angela Merkel
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Vor drei Wochen schlugen Bund und Länder einen Lockerungskurs im Kampf gegen Corona ein. Jetzt reißen sie das Ruder erneut herum. Der seit mehr als drei Monaten geltende Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird insgesamt um drei Wochen bis zum 18. April verlängert und zu Ostern nochmals verschärft. Am 12. April soll darüber beraten werden, wie es danach weitergeht.

Wir haben das Virus noch nicht besiegen können, es lässt nicht locker.

So begründete Kanzlerin Angela Merkel die harten Maßnahmen. Deutschland sei in einer sehr ernsten Lage mit exponentiell steigenden Fallzahlen, einer steigenden Belastung der Intensivstationen in den Kliniken und der Ausbreitung ansteckenderer Coronavirus-Varianten.

Diese Schritte wurden beim Bund-Länder-Gipfel vereinbart:

Hase mit FFP2-Maske
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  • Ruhepause über Ostern

Gründonnerstag und Karsamstag werden einmalig als Ruhetage definiert. Nur am Karsamstag sollen demnach Supermärkte öffnen dürfen. Private Zusammenkünfte werden beschränkt: Treffen darf sich der eigene mit einem weiteren Hausstand, jedoch maximal fünf Personen, Kinder bis 14 Jahre nicht mitgezählt. Ansammlungen im öffentlichen Raum werden generell untersagt. Wo bereits Außengastronomie offen ist, muss sie für diese fünf Tage wieder geschlossen werden. Kirchen und Religionsgemeinschaft sollen zu Ostern nur Online-Angebote für die Gläubigen machen. Impf- und Testzentren sollen offen bleiben.

  • Notbremse soll greifen

Die Anfang März vereinbarte "Notbremse" bei einer Inzidenz über 100 soll konsequent umgesetzt werden. Öffnungsschritte sollen bei Erreichen dieser Marke zurückgenommen werden. Zudem sind weitere Maßnahmen, wie Ausgangsbeschränkungen, verschärfte Kontaktbeschränkungen und die Pflicht zu tagesaktuellen Schnelltests möglich. In Mitteldeutschland wurde bereits in einigen Landkreisen die Notbremse gezogen, unter anderem in den Landkreisen Zwickau, Meißen, Greiz, im Erzgebirgskreis, dem Vogtland und in

Tim (9) führt unter der Aufsicht seines Vaters einen Corona-Selbsttest durch. Seit dem 18.01.2021 kommen an österreichischen Schulen Corona-Selbsttests für Schüler und Lehrer zum Einsatz - aufgrund der verschobenen Rückkehr in den Präsenzunterricht allerdings nur eingeschränkt.
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  • Mehr Tests an Schulen

Bund und Länder wollen Corona-Tests für Schüler, Lehrkräfte und Kita-Beschäftigte ausweiten und streben baldmöglichst zwei Testungen pro Woche an. Über die praktische Umsetzung wird vielerorts noch diskutiert - beispielsweise über die Frage, ob die Tests zu Hause oder in der Schule stattfinden sollen. Zu möglichen Schulschließungen trafen Merkel und die Ministerpräsidenten keine konkreten Vereinbarungen. Die Länder regeln diese Fragen damit weiterhin in Eigenregie.

  • Mallorca-Urlaub entschärft

Urlaub auf Mallorca wird weiter möglich sein. Bund und Länder appellieren aber an die Fluggesellschaften, keine zusätzlichen Flüge mehr für die Osterferien anzubieten. Zudem soll für alle Flüge aus dem Ausland nach Deutschland eine generelle Testpflicht vor Abflug eingeführt werden. Das zielt vor allem auf Urlauber ab, die in den nächsten Wochen von Mallorca nach Deutschland zurückkehren. In der Osterzeit sollen es um die 40 000 sein.

Ortsschild mit der durchgestrichenen Aufschrift Osterurlaub und Schild mit Coronavirus-Symbol
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  • Hotels im Inland bleiben zu

Tourismus im Inland wird auch in den Osterferien nicht möglich sein. Hotels und andere Beherbergungsbetriebe sollen für Urlauber geschlossen bleiben. Einige Bundesländer, darunter Sachsen-Anhalt drangen darauf, ihren Bürgern Urlaub in Ferienwohnungen, Ferienhäusern, Appartements, Wohnwagen und Wohnmobilen möglich zu machen, sofern diese über eigene Sanitäreinrichtungen verfügen und auch das Essen in Eigenregie organisiert werden kann. Davon ist im Beschluss nichts mehr zu finden.

  • Zwei Tests pro Woche in Firmen

Bund und Länder fordern von den Unternehmen, dass sie Mitarbeiter in den Betrieben zweimal wöchentlich testen. Anfang April werde man sehen, wie viele Unternehmen die Selbstverpflichtung umgesetzt hätten. Bund und Länder betonen im Entwurf, dass die Firmen auf jeden Fall einen größeren Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten sollten. Vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Müller betonte, dass die Firmen in der Pflicht stünden, mehr zu tun.

Kritik an Beschlüssen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat den verlängerten Lockdown für den Einzelhandel scharf kritisiert. Nach wie vor konzentriere sich die Corona-Politik ausschließlich auf die Inzidenzen, nicht aber auf die tatsächliche Infektionsgefahr beim Einkaufen. Diese sei gering, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth:

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Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus. Die alleinige Fixierung auf die Corona-Inzidenzwerte wird der komplexen Lage nicht gerecht.

Zudem rechnet der Handel mit erhöhtem Kundenandrang in Lebensmittelmärkten am Mittwoch und Samstag vor Ostern. Die vereinbarte Schließung am Gründonnerstag sei daher kontraproduktiv.

Infektionszahlen steigen weiter

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet am Dienstag 7485 Neuinfektionen. Das sind 2005 Fälle mehr als vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 108. 250 weitere Menschen sind in den vergangenen 24 Stunden in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 74.964. Insgesamt wurden bislang mehr als 2,674 Millionen Menschen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 23. März 2021 | 09:00 Uhr

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