Corona: Kann Gurgeln die Ansteckungsgefahr senken?

Mundspülungen sollen im Kampf gegen die Corona-Pandemie helfen, sagen Krankenhaushygieniker. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn rät zum Gurgeln. Aber hilft das wirklich?

Eine Frau gurgelt
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Gurgeln – dieses einfache und fast in Vergessenheit geratene Hausmittel bei Erkältungskrankheiten könnte Coronaviren aufhalten. Zumindest könne es helfen, die Ansteckungsgefahr im privaten Bereich zu minimieren, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU):

Jens Spahn
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Wissenschaftlich belegt ist das noch nicht. Aber die Idee dahinter ist, dass Gurgeln mit Mundspülungen aus in Alkohol gelösten ätherischen Ölen oder sogar Kochsalz die Viruslast im Mund-und-Rachen-Raum senken soll.

Er gurgele ohnehin regelmäßig, es könne ja nicht schaden, sagte der Minister, der erst im November an Covid-19 erkrankt war. Eine Gurgel-Empfehlung wollte Spahn aber nicht aussprechen.  

Krankenhaushygieniker fordern Gurgel-Empfehlung

Krankenhaushygieniker halten Gurgeln für "extrem simpel und sehr wirksam". Das sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Peter Walger. Studien hätten ergeben, dass durch Mundspülungen weniger Viren verteilt werden und so die Ansteckungswahrscheinlichkeit "signifikant reduziert" werden könne. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene fordert sogar eine offizielle Gurgel-Empfehlung für die Bevölkerung.

Gurgeln hat lange Tradition

Den Experten zufolge wurde Gurgeln bereits während der Spanischen Grippe 1918 als Schutz gegen Ansteckung empfohlen. In der ehemaligen DDR wurden Schulkinder bei der Ankunft im Ferienlager zum Gurgeln aufgefordert. Auch 2009 bei Ausbruch der Schweinegrippe gab es Gurgel-Empfehlungen, unter anderem in Japan.

Diese Mundspülungen sollen geeignet sein

Eine Studie verschiedener deutscher Forschungseinrichtungen hat bei acht frei verkäuflichen Mundspülungen eine Wirkung nachgewiesen: Der Virusgehalt im Mundraum wurde deutlich verringert. Bei drei Spülungen konnte das Virus gar nicht mehr nachgewiesen werden. Am wirksamsten sind demnach diese Mundspülungen:

ein Mann gurgelt
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  • Dequonal
  • Iso-Betadine Mundwasser 1%
  • Listerine Cool Mint

Aber Achtung: Bei zu häufigem Gurgeln kann es zu Irritationen oder gar Entzündungen im Mund kommen. Wer kein Mundwasser mag oder verträgt, der soll nach der Empfehlung der Hygieniker mit einer Kochsalzlösung, grünem Tee, Granatapfel- oder Aroniasaft oder Salbeiextrakt gurgeln. Hier sei die Wirksamkeit gegen Grippe- und andere Coronaviren nachgewiesen. Damit gebe es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Wirkung gegen Sars Cov 2. Aber mit diesen Hausmitteln soll am besten mehrere Minuten lang gegurgelt werden.

Kritik von Virologen Kekulé

Der Virologe Alexander Kekulé von der Uni Halle ist vom Gurgeln gegen Corona nicht überzeugt. Zwar hätte die oben genannte Studie sogar das Verschwinden des Virus nachgewiesen, aber das sei lediglich unter Laborbedingungen und nicht am Menschen getestet worden. Außerdem war das Verschwinden nur von kurzer Dauer. Wenn man gegurgelt hat und dann eine halbe Stunde wartet, haben die mit dem Coronavirus infizierten Zelle nämlich wieder neue Viren produziert, erklärt der Virologe. Das Virus wird also immer wieder nachgebildet. Deshalb bringe das Gurgeln etwas, um die Viren, die sich im Mund-Rachen-Raum befinden, fortzuspülen. Es helfe aber nicht gegen infizierte Zellen, so Kekulé.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP-Themen des Tages | 10. Dezember 2020 | 19:50 Uhr

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