Wie sinnvoll ist die Grippeschutzimpfung in der Corona Zeit?

Bis ein Impfstoff gegen Corona auf dem Markt ist, müssen wir alle mit der Gefahr des Virus leben. Experten raten in der Zwischenzeit, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Wir erklären warum.

Eine Person wird geimpft.
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Über die Grippeschutzimpfung wird jedes Jahr aufs Neue diskutiert. Viele halten sie für zwingend notwendig - manche halten an der Überzeugung fest, dass diese nur für Kinder, Schwangere und ältere Menschen notwendig sei. In der Zeit rund um Corona entflammt eine neue Diskussion: Hilft die Grippeschutzimpfung gegen Corona oder schwächt sie den Körper sogar? Experten sprechen sich aus mehreren Gründen dafür aus, sich vor der anstehenden Grippesaison zu schützen.

Haseloff für flächendeckende Grippeimpfung

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff will sich für eine möglichst flächendeckende Grippeschutzimpfung in Sachsen-Anhalt einsetzen. Er sagte in einer Regierungserklärung, dass eine Grippewelle während der Corona-Krise vermieden werden muss. Außerdem würden das gleichzeitige Auftreten einer Grippe und des Coronavirus bei einem Menschen die Diagnose erschweren. Dadurch könnten Betroffene schwerer behandelt werden. Auf diese Gefahren wurde Haseloff nach eigenen Angaben durch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle hingewiesen. Deswegen ruft er die Abgeordneten im Landtag auf, ihn bei dem Plan einer flächendeckenden Grippeimpfung in Sachsen-Anhalt zu unterstützten. 

Dr. Ursula Marschall leitet den Forschungsbereich "Medizin- und Versorgungsforschung" bei der gesetzlichen Krankenkasse BARMER. Auch sie hat sich im MDR JUMP-Interview für Grippeschutzimpfungen ausgesprochen:

Wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass Menschen, die regelmäßig zur Grippeimpfung gegangen sind, auch besser gegen die Vogel- und Schweinegrippe geschützt waren. Es ist aber noch nicht geklärt, ob das auch für das Corona-Virus gilt. Die Impfstoffe gegen Grippe sind aber so sicher, dass es besser ist, sich impfen zu lassen – als es nicht zu tun.

Grippeschutz kann Corona-Verlauf mildern

Eine Grippeschutzimpfung kann auch entscheidende Auswirkungen auf den Verlauf der Krankheit haben. Der Virologe Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert vom Uniklinikum Leipzig hat im MDR-Interview darauf hingewiesen, dass bestimmte Impfungen dazu führen können, dass Erkrankungen glimpflicher ablaufen:

Es ist natürlich gut, wenn man gegen Influenza oder gegen Pneumokokken schon geschützt ist, durch eine Impfung. Dann ist das Risiko, dass man zwei Infektionen hat - nämlich Pneumokokken plus Covid - viel geringer und damit ist auch die Schwere der Erkrankung in aller Regel geringer.

Vor allem für Risikopatienten ist daher eine Grippeschutzimpfung sinnvoll, weil sie das gleichzeitige Auftreten mehrerer Krankheiten verhindern kann. Die Impfung gegen Grippe schützt allerdings nicht vor dem Coronavirus selbst.

Grippeimpfung ist nicht gefährlich

Immer wieder kursieren im Netz auch Meldungen, dass Grippeimpfungen dazu führen könnten, dass Menschen die sich mit dem Coronavirus anstecken, einen schlimmeren Krankheitsverlauf hätten. Diese Meldung ist aber falsch. Das beweist laut der Tagesschau ein Faktencheck der Nachrichtenagentur dpa.

Hintergrund dieser Falschmeldung ist ein falsch interpretiertes Zitat eines britischen Influenza-Experten. Der wies in einem Interview darauf hin, dass Menschen, die durch die Grippe gefährdet sind, auch beim Coronavirus in die Risikogruppe zählen. Er wollte also allgemein ausdrücken, dass sich die beiden Risikogruppen ähneln.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 24. Juni 2020 | 18:40 Uhr

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