Gesundheitsminister beraten: Bald Impfangebot für alle Kinder?

Die Ständige Impfkomission in Berlin hat sich eigentlich gegen eine generelle Empfehlung der Impfung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen. Nun diskutieren die Gesundheitsminister der Länder heute erneut über das Impfangebot für Jugendliche. Außerdem soll es um die Auffrischungsimpfung für bereits Geimpfte gehen.

Ein Junge bekommt eine Spritze in den Arm
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Die Gesundheitsminister der Bundesländer beraten heute über eine einheitliche Regelung beim Impfen für Kinder und eine Auffrischung der Impfung im September. Ein Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums sieht vor, dass alle 12- bis 17-jährigen ein Impfangebot bekommen sollen.

Eine entsprechende ärztliche Aufklärung sowie eine ggf. notwendige Zustimmung der Sorgeberechtigten werden dabei sichergestellt.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den COVID-19-Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. Vor rund einer Woche empfahl die EMA zudem Moderna. In Deutschland gilt die Empfehlung der Ständigen Impfkomission (STIKO) bisher nur für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen, wie Adipositas oder Diabetes. Mit dem Einverständnis ihrer Eltern können sich Kinder und Jugendliche aber auch ohne Empfehlung der STIKO bereits impfen lassen.

Warum beraten die Gesundheitsminister über Impfungen für Kinder?

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu. In einigen Bundesländern hat der Unterricht bereits begonnen, in Mitteldeutschland bleibt Eltern noch rund ein Monat. Um einen sicheren Schulstart ohne Schließungen oder sich häufende Quarantäne sicherzustellen, sollen nun die Impfungen für Kinder einheitlich geregelt werden. Ein sicherer Schulstart durch die Impfung für 12- bis 17-Jährige ist das Ziel.

Dies kann maßgeblich zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen.

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn haben 900.000 Kinder und Jugendliche, die sich impfen lassen dürfen, auch ihre erste Spritze erhalten. Genug Impfstoff für alle sei vorhanden.

Kann ich mein Kind in Mitteldeutschland impfen lassen?

Es gibt in Deutschland keine Impfpflicht (mit Ausnahme der Impfung gegen Masern). Ob Kinder geimpft werden sollen, liegt also vollkommen im Ermessen der Eltern, woran auch eine einheitliche Regelung der Bundesländer nichts ändern würde.

In Thüringen können sich Kinder ab zwölf Jahren impfen lassen – auch die, für die die Impfung nicht explizit empfohlen wurde. Das bestätigte der Verbandssprecher der Kinder- und Jugendärzte in Thüringen. Die Impfung erfolgt dann vor allem beim Hausarzt, da es in den Impfzentren noch nicht möglich ist. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es aktuell keinen zugelassenen Impfstoff.

In Sachsen-Anhalt gibt es mittlerweile auch in Impfzentren die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren an bestimmten Tagen impfen zu lassen. Viele Familien hätten sich ein solches Angebot gewünscht, da es für sie schwer gewesen sei, einen Termin beim Kinderarzt zu finden, so Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne.

Sachsen hat bereits eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen. Das Bundesland besitzt als einziges eine eigene Impfkommission, die sich bei dem Entschluss auf Daten aus den USA und Israel beruft. Dabei hatten sich die Mediziner vor allem die Risiken einer Impfung und einer Erkrankung mit COVID-19 angeschaut. Laut dieser Abwägung gäbe es „ein klares Überwiegen des Nutzens der Impfung“ für Kinder ab zwölf Jahren. Ab dem 01. August können sich Minderjährige nun beim Kinder- und Hausarzt impfen lassen – ab 14 Jahren sei das auch im Impfzentrum möglich.

Wie gefährlich ist Corona für Kinder?

Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankungen sind selten von schweren Verläufen betroffen. Todesfälle gab es bislang nur vereinzelt und vor allem bei schweren Vorerkrankungen. Die Impfung für Minderjährige ist deswegen auch ein Schutz für andere Menschen. Je mehr Jüngere geimpft sind, desto schlechter kann sich das Virus ausbreiten. Das schützt dann auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können: jüngere Geschwister oder Schwangere zum Beispiel.

Wer darüber nachdenkt, sein Kind impfen zu lassen, kann sich vorher ausführlich informieren. Entweder beim Hausarzt des Vertrauens oder auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit.

Auffrischung für vollständig Geimpfte

Der Beschluss sieht zudem vor, bald Auffrischimpfungen für Risikogruppen anzubieten. Ältere Menschen, Pflegebedürftige und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollen dann ab September ein drittes Mal geimpft werden können.

Laut dem Entwurf des Gesundheitsministeriums wiesen Studienergebnisse darauf hin, „dass es bei bestimmten Personengruppen vermehrt zu einer reduzierten oder schnell nachlassenden Immunantwort nach einer vollständigen Covid-19-Impfung kommen kann".

Wer seinen Impfschutz durch einen Vekorimpfstoff, wie AstraZeneca, bekommen hat, soll übrigens beim dritten Mal mit einem mRNA-Vakzin wie BioNTech geimpft werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 02. August 2021 | 06:00 Uhr

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