Friseure im Lockdown: "Dieses Nichtstun ist schon belastend"

Seit Mitte Dezember haben die Friseure wieder zu. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Eine Friseurmeisterin aus Nordhausen schildert ihre Lage.

Eine Frau bekommt einen Haarschnitt
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Ines Grohmann ist Inhaberin des Friseursalons Hair Lounge in Nordhausen. Seit dem 15. Dezember ist ihr Laden wieder geschlossen. Im MDR JUMP-Gespräch berichtet die Friseurmeisterin, wie sie die schwierige Zeit meistert.

MDR JUMP: Frau Grohmann - seit einem Monat ist Ihr Laden zu, nun schon zum zweiten Mal. Wie gehts Ihnen und ihren Mitarbeitern?

Ines Grohmann: Also ich arbeite sonst im Schnitt zehn, zwölf Stunden am Tag, jetzt das Nichtstun ist schon belastend. Man versucht, sich abzulenken, bürokratische Dinge zu klären. Kontakt habe ich zu meinen Mitarbeitern täglich. Wir sind ein kleines Unternehmen, fünf Mitarbeiter mit mir. Und es geht sehr familiär bei uns zu. Und so stehen wir auch in unserer erzwungenen freien Zeit immer in Kontakt

MDR JUMP: Jetzt will ja der Staat mit Hilfen einspringen. Ist schon Geld bei Ihnen gelandet?

Team des Friseursalons Hair Lounge in Nordhausen
Bildrechte: Friseursalon Hair Lounge Nordhausen

Ines Grohmann: Nein, jetzt noch nicht, was mir auch irgendwo logisch ist. Man muss ja auch Verständnis aufbringen und nicht nur an sich denken. Die Unterlagen, die Abrechnungen, die Buchung für Dezember sind erst gestern zum Steuerbüro gegangen. Ich hatte zwar mal gehört, dass pauschal Abschläge gezahlt werden würden, aber dahingehend ist noch nichts gekommen. Ich habe ja auch einen Lehrling. Seine Ausbildungsvergütung zahle ich privat weiter. Für Dezember ist es schwierig. Aber der Zusammenhalt ist jetzt einfach auch wichtig in unserem kleinen Team. Und da darf keiner auf der Strecke bleiben.

MDR JUMP: Jetzt werden die ersten Kunden schon ungeduldig und wollen wieder zum Friseur. Wie ist es bei Ihnen? Kribbelt es da in den Händen, wenn man rausgewachsene Frisuren sieht?

Ines Grohmann: Nicht nur in den Händen. Es ist schon dramatisch und es betrifft ja den eigenen Kopf. Wir würden lieber heute, als morgen wieder arbeiten gehen. Meine Mitarbeiter und ich hoffen, dass es bald wieder losgeht. Wir fehlen uns natürlich auch untereinander sehr.

MDR JUMP: Einen Tipp von Ihnen: Soll man Hand an den eigenen Schopf legen oder sich doch lieber eine Lockdown-Solidaritätsmatte wachsen lassen?

Ines Grohmann: Lieber Lockdown-Solidaritätsmatte. Von selber Haare abschneiden rate ich definitiv ab. Ich selbst schneide mir ja noch nicht mal den Pony selber. Also nein, davon würde ich generell abraten. Wobei der Haarschnitt im Selbstversuch sicher noch das geringere Übel ist. Problematischer wären dann verfärbte Haare durch in Eigenregie erstellte Haarfarben.

MDR JUMP: Sie sind ja auch aktives Mitglied im Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer Erfurt. Wie sieht es mit Meisterprüfungen gerade aus? Geht das?

Ines Grohmann: Nein, die Prüfungsverfahren sind auf Eis gelegt. Das ist für viele ein Problem: Wie geht es weiter? Wann habe ich meine Prüfung? Es können keine Zensurenkonferenzen stattfinden. Das ist für angehende Friseurmeister ja auch existenziell sicher eine große Hürde. Und da ist Innovation gefragt. Also ich weiß zum Beispiel von einer privaten Meisterschule in Erfurt. Die bieten Präsenzunterricht an im virtuellen Klassenzimmer und können somit die theoretischen Fachgebiete abarbeiten und ihre Mitarbeiter schulen. Also Krisen bringen auch mitunter positiver Entwicklungen in Gang.

MDR JUMP: Vielen Dank Ines Grohmann, Friseurmeisterin und Inhaberin der Hair Lounge in Nordhausen für das Gespräch.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 05. Januar 2021 | 15:40 Uhr

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