Wird Corona wieder verschwinden?

Den Sars-CoV-2-Erreger werden wir wohl nie wieder los. Vielleicht ist diese Nachricht aber gar nicht so schlimm, wie sie beim ersten Hinhören klingt.

Eine Frau mit Maske steht vor einer Brücke
Bildrechte: MDR/PantherMedia

Wir alle hoffen in der Corona-Krise auf Normalität. Die wird allerdings wohl noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Die Impfkampagne startet schließlich nur ziemlich stotternd. Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland haben die erste von zwei nötigen Impfungen bekommen. Shutdown, Kontaktbeschränkungen – das wird unser Leben noch einige Zeit bestimmen.

„Das Infektionsgeschehen mit Maßnahmen abzubremsen, wird in Sachsen mit am längsten dauern“, sagt der Pharmazeut Thorsten Lehr von der Universität Saarbrücken. Mittelfristig wird die Zahl der Geimpften aber natürlich immer weiter steigen – und irgendwann, in einigen Monaten, können wir darauf hoffen, einen guten Teil unseres alten Lebens wiederzubekommen. Dann sollten die Belastungen der Krankenhäuser durch Corona und die hohen Todeszahlen im Zusammenhang mit dem Virus Geschichte sein.

Aber Experten sagen auch klar: Corona, also genau genommen der Sars-CoV-2-Erreger, wird wohl nie wieder ganz verschwinden.

Manche wollen nicht, andere können nicht

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Zum einen wird es wohl eine beträchtliche Zahl von Menschen geben, die sich nicht impfen lassen werden – aus welchen Gründen auch immer. Dieses Problem dürfte wohl vor allem in reicheren Staaten auftreten. Zum anderen gibt es wiederum in ärmeren Staaten die Herausforderung, dass man höchstwahrscheinlich längst nicht alle Menschen wird erreichen können. Weil die Zahl der Impfdosen begrenzt ist, weil die Gesundheits-Infrastruktur in diesen Ländern schlecht ist, weil politische Konflikte vielleicht der Fortschritt von Impfkampagnen verhindern – und so weiter.

Für Kinder gibt es ohnehin zumindest bei uns noch keinen zugelassenen Impfstoff. Der Erreger wird es zwar zunehmend schwieriger haben, ungeschützte Menschen für seine Verbreitung zu finden. Aber seine Auswahl wird auch auf lange Sicht noch groß genug sein. So bleibt er eben unter uns, wenngleich hoffentlich nicht mehr so dominant wie aktuell.

Wildtiere zu impfen funktioniert nicht

Wildschwein schaut hinter einem Baum hervor.
Bildrechte: imago images / blickwinkel

Dazu kommt ein anderes Problem: Bei der Verbreitung des Coronavirus spielen Tiere als sogenannte Zwischenwirte eine Rolle. Da sind zum einen Nutztiere wie Schweine, zum anderen Wildtiere wie Frettchen oder Nerze. Über sie könnte das Virus wieder zurück zu Menschen gebracht werden – denn Impfkampagnen bei Wildtieren funktionieren natürlich nicht.

Zumal es leider so ist, auch wenn es uns nicht so vorkommt: Sars-CoV-2 ist eigentlich gar kein so richtig fieser Virus. Es gibt deutlich ansteckendere Exemplare und deutlich tödlichere ebenso. Pocken, Pest oder Malaria – da kommt Sars-CoV-2 vergleichsweise harmlos daher. So zynisch das klingt, wenn man vielleicht gerade einen Angehörigen oder einen Freund in der aktuellen Pandemie verloren hat.

Fast aus den Augen, fast aus dem Sinn

Dass Corona aber – mit dem nüchternen, gefühllosen Auge der Wissenschaft betrachtet - im Vergleich zu anderen Viruskrankheiten nicht ganz so dramatisch ist, dürfte dazu führen, dass der Kampf gegen den Erreger – wenn die aktuelle Krise sich im Zuge der Impfungen erst einmal wieder abgeschwächt hat – wohl international auch nicht mit vollstem Einsatz gefahren wird. Fast aus den Augen, fast aus dem Sinn sozusagen.

Forschende um die Infektiologin Jennie Lavine von der Emory University in Atlanta gehen nach Modellrechnungen davon aus, dass sich Sars-CoV-2 auf lange Sicht zu einem sogenannten endemischen Erreger entwickeln wird. Das heißt: Er wird dann nur noch in bestimmten Regionen auftreten. Das Team hält es sogar für möglich, dass die gerade anlaufenden Impfungen in einigen Jahren eingestellt werden können. Das wäre eine Option, wenn es in der besonders gefährdeten älteren Bevölkerungsgruppe bis dahin eine Teilimmunität gibt und es nur noch selten zu schweren Verläufen und Todesfällen kommt. Sicher ist das aber noch keineswegs.

Insgesamt ist es bisher nur aber nur sehr selten gelungen, einzelne Infektionskrankheiten wieder auszurotten. Das Vorzeigebeispiel, wo das mal geklappt hat, sind die Pocken. Auch bei immerhin zwei anderen, beim Poliovirus und dem Guineawurm sieht es ganz gut aus. Die entsprechenden internationalen Programme dauerten aber viele, viele Jahre.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 23. Januar 2021 | 10:40 Uhr

Weitere Informationen zu Corona