Sollten Eltern bevorzugt gegen Corona geimpft werden?

Immer mehr Kinder und Jugendliche infizieren sich mit dem Coronavirus. Sollten Eltern daher bevorzugt geimpft werden, solange es keinen Impfstoff für Kinder gibt?

Eine Spritze mit dem Impfstoff von Astrazeneca liegt im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle.
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Verschiedene Studien und Erfahrungen, zum Beispiel auch aus England, zeigen: Kinder und Jugendliche sind immer öfter mit dem Coronavirus infiziert. Das liegt vor allem an den Mutationen des Virus. Laut RKI ist die Sieben-Tage-Inzidenz von Kindern in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen. Sie lag zum Beispiel bei Kindern zwischen 5 und 9 Jahren in der vergangenen Woche bei einem Rekordwert von 185. Die Kinder und Jugendlichen könnten auch ihre Eltern anstecken.

Sollten Eltern möglichst schnell geimpft werden?

Deshalb fordert die sächsische Impfkommission, dass Eltern schneller geimpft werden. Dr. Ursula Marschall ist leitende Medizinerin bei der BARMER. Sie sagte im Gespräch mit MDR JUMP:

Auch wenn sie keinerlei Symptome zeigen, können sie trotzdem das Virus weiterleiten. Von der Seite her würde es absolut Sinn machen, Eltern früher zu impfen.

Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER

Doch sie stellt sich die Frage, vor wem die Eltern in der Impf-Priorisierung eingeordnet werden sollten. Schließlich gibt es noch viele andere gefährdete Personengruppen, die derzeit noch nicht geimpft werden können. Laut Marschall müssten weitere Studien klären, welchen Effekt eine bevorzugte Impfung von Eltern haben könnte.

Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER
Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER Bildrechte: BARMER

Alternative: Kinder impfen

Aufgrund der hohen Zahl der Ansteckungen unter Kindern und Jugendlichen könnte auch eine Impfung dieser Gruppe das Pandemiegeschehen eindämmen. Der Hersteller BioNTech plant derzeit die Zulassung seines Impfstoffes für Jugendliche ab 12 Jahren.

Zunehmend liegen uns die Studien-Daten vor für Kinder bis 12. Deswegen kann man, wenn es von den Daten her belegbar ist, die Zulassung erweitern.

Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER

Ein Kind bekommt eine Spritze
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Doch diese Daten zu erhalten ist schwieriger als für Erwachsene. "Wir können Kinder keinen Risiken aussetzen", sagt Marschall weiter. Denn der kindliche Organismus entwickle sich noch.

Wir brauchen einfach mehr Daten, mehr Erfahrungen, mehr Studien, bevor man das auf diese vulnerable Gruppe der Kinder unter 12 ausdehnen kann. Das wird noch ein bisschen dauern.

Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 29. April 2021 | 19:10 Uhr

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