Virologe Drosten: Dritte Welle mit Lockdown brechen

Deutschland befindet sich mitten in der dritten Welle. Die Forderungen nach einem harten Lockdown werden immer lauter - nicht nur von Medizinern und Wissenschaftlern, sondern auch aus der Wirtschaft.

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin
Bildrechte: imago images / Reiner Zensen

Die Zahl der deutschlandweiten Corona-Infektionen steigt weiter an. Die Gesundheitsämter hatten dem Robert-Koch-Institut (RKI) zuletzt über 17.000 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Die Zahl der Todesfälle beläuft sich aktuell auf 249. Eine Bilanz, die deutlich macht: Deutschland befindet sich mitten in der dritten Welle. Vor einer Woche meldete das RKI noch rund 15.000 Neuinfektionen.

Die Lage ist ernst. Das liegt vor allem an der britischen Mutation, die sich aktuell rasend schnell verbreitet. Die Zahl der Nachweise der Variante B.1.1.7. würde noch diese Woche über 90 Prozent erreichen, so Prof. Christian Drosten im Podcast „Das Coronavirus Update“ bei NDR-Info. Die britische Variante sei eindeutig krankmachender und tödlicher. Wer sich mit dieser Mutation infiziert, hat laut Drosten eine höhere Wahrscheinlichkeit ins Krankenhaus zu müssen und auch zu versterben.

Laut Drosten kann dritte Welle noch gestoppt werden

Die dritte Welle habe noch früher begonnen als zuvor mithilfe von Modellierungen berechnet wurde, erklärte Drosten im Podcast. Auch steigende Impfquoten seien kein Argument mehr gegen härtere Maßnahmen, da es nach wie vor Probleme mit der Verfügbarkeit von Impfstoffen gebe. Jetzt würde nur noch der „Holzhammer“ helfen: strengere Corona-Regeln mit weitreichenden Schließungen und Kontakteinschränkungen.

Ich glaube, es wird nicht ohne einen neuen Lockdown gehen, um diese Dynamik, die sich jetzt ohne jeden Zweifel eingestellt hat, noch einmal zu verzögern.

Das trifft auf Zuspruch in der Bevölkerung: 36 Prozent halten härtere Maßnahmen für sinnvoll. Das ergab eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer. 26 Prozent der Befragten halten demnach die geltenden Maßnahmen gegen das Virus für übertrieben, 31 Prozent für gerade richtig.

Dass vor allem die Kontakte reduziert werden müssten, sei laut Drosten klar. Das gelte für den Privatbereich, den Erziehungs- und Bildungsbereich sowie für die Arbeitsstätten.

Gesamtmetall-Präsident befürwortet harten Lockdown

Aktuell wird der Wunsch nach einer klaren Linie auch aus der Wirtschaft immer lauter. Ein kurzer Lockdown in Verbindung mit Tests und Impfungen sei laut dem Chef des ifo Instituts Prof. Clemens Fuest, wirtschaftlich besser als der aktuelle Zustand des „Kontrollverlusts“. Ähnlich sieht es der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall Stefan Wolf, der sich gegenüber der Bild am Sonntag äußerte.

Es wäre mir lieber, wenn wir noch mal zehn Tage bundesweit in einen harten Lockdown gehen und danach überall öffnen können, anstatt über Monate keine klaren Strukturen zu haben.

Wie geht’s mit den Modellprojekten weiter?

Die Modellprojekte hätten bislang alle nicht beweisen können, dass sie funktionieren, so Drosten. Dass sich Menschen vermehrt testen ließen, sei grundlegend eine gute Idee. Wichtig für die Durchführung seien aber eine wissenschaftliche Begleitung, vorher festgelegte Abbruchkriterien und eine Vergleichsstadt ohne Modellprojekt, erklärte der Virologe im Podcast.

Man sollte sich eine ganze Zahl von solchen Erfolgskriterien hinlegen, bevor man diesen Modellversuch macht, um dann irgendwann in der Nachbewertung zu sagen: Das war erfolgreich.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 30. März 2021 | 11:00 Uhr

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