Verpfeifen oder nicht – Was tun, wenn der Nachbar sich nicht an die Corona-Regeln hält?

Die Corona-Regeln bestimmen unseren Alltag. Nur wenn alle sich daran halten, kann das Virus eingedämmt werden. Doch was tun, wenn man Regelverstöße beobachtet?

Mann spioniert durch Jalousie und telefoniert dabei
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Immer wieder gibt es Verstöße gegen die Corona-Regeln: So musste die Polizei erst am Wochenende wieder in Sachsen mehrere Partys auflösen. Unter anderem hatten in Dresden 60 Menschen im Gartenlokal einer Kleingartenanlage gefeiert. Ist jemand, der so etwas beobachtet und den Behörden meldet, ein Denunziant oder ein aufmerksamer Bürger?

Situation analysieren

Zunächst ist es wichtig, die jeweilige Situation einzuschätzen. Wenn jemand im Freien allein ohne Maske spazieren geht, ist das eine andere Sache, als wenn der Nachbar eine große Party schmeißt. Professor Dr. Sebastian Rödl beschäftigt sich mit solchen Themen. Er ist Professor für Praktische Philosophie an der Universität Leipzig. Er sagte im MDR JUMP-Gespräch:

Wenn der Nachbar eine Party mit vielen Leuten feiert, betrifft das nicht nur mich und den Nachbarn, sondern, wenn sich auf der Party Menschen anstecken, dann im Krankenhaus Intensivbetten belegen und andere nicht oder nicht so schnell behandelt werden können, dann ist das ja etwas, was auf die ganze Gemeinschaft wirkt.

In so einem Fall sei es am besten, zuerst mit dem Nachbarn zu sprechen, ihm klarzumachen, dass solche Partys die Anzahl der Kontakte erhöht und für die ganze Gemeinschaft Folgen hat, die fatal sein können. Wenn der Nachbar nicht einsichtig ist, kann es durchaus schon mal möglich sein, jemanden darauf aufmerksam zu machen, der das dann noch nachdrücklicher sagt, so Rödl. Das sei kein Denunziantentum.

Es geht ja darum, dass diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten, andere gefährden. Es geht nicht um Regeln, zu denen man unterschiedliche Meinungen haben kann. Es geht darum, dass man sich so verhält, dass es für andere gefährlich und schädlich ist und da ist es vollkommen angebracht, darauf hinzuwirken dass dieses Verhallten eingestellt wird.

Es sei natürlich blöd, immer gleich die Polizei zu rufen. Da müsse man die tatsächliche Gefahr abwägen. Auch ob man jemanden auf einen Corona-Verstoß wirklich anspricht, sei von der jeweiligen Situation abhängig, so Rödl. Treffe man beispielsweise in einem Bus auf einen aggressiven Maskenverweigerer, sei es vielleicht besser, den Bus zu verlassen. Man habe zwar auch da das Recht, etwas zu sagen, es könne aber günstiger für einen selbst sein, es bleibenzulassen, weil die betroffene Person für den Hinweis gar nicht empfänglich ist.

Warum an die Regeln halten, wenn andere es nicht tun

Auch mit dieser Frage hat sich Professor Rödl beschäftigt. Er sagt: dazu müsse man sich fragen worum es eigentlich geht. Oberstes Ziel sei ja, das Virus einzudämmen. Das geht nur, wenn wir uns alle an dieselben Maßnahmen halten. Es bringe nichts, sich selber eigene Maßnahmen zurechtzubasteln.

Wir brauchen eine gemeinsame Antwort. Und das ist eben eine, die nur von Organen der Gemeinschaft verantwortlich festgelegt werden kann.

Im Augenblick wisse niemand genau, ob und wie gut einzelne Maßnahmen wirken. Das Wichtige an diesen Regeln sei auch gar nicht, dass man sie alle einzeln rechtfertigen könne. Viel wichtiger sei es, dass sie insgesamt einen aussichtsreichen Versuch darstellen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 18. Januar 2021 | 13:10 Uhr

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