Die Delta-Variante verbreitet sich auch in Mitteldeutschland

Die Delta-Variante des Corona-Virus breitet sich auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen immer weiter aus. Ein Anstieg der Infektionszahlen wie in England könnte uns aber erspart bleiben, sagen Virologen.

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sitzen an einer Corona-Teststrecke vor einem Studentenwohnheim im Dresdner Stadtteil Strehlen
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Die Delta-Variante des Corona-Virus, die zuerst in Indien nachgewiesen wurde, sorgt für neuerliche Nervosität. Sie gilt als wesentlich ansteckender, als bisherige Varianten des Virus. In Australien wird etwa von einem Ausbruch in einem Einkaufszentrum berichtet, obwohl die Menschen dort Abstand gehalten hätten. In Indien wurde zeitweise geraten, selbst zu Hause Maske zu tragen. Die Ansteckung mit dieser Variante soll auch ohne direkten, engen Kontakt möglich sein.

Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Delta-Variante bereits angekommen. In Sachsen habe es alleine in dieser Woche 23 bestätigte Fälle und 41 Verdachtsfälle der Delta-Variante gegeben. Auch in Sachsen-Anhalt sind bereits 25 Fälle der Variante bekannt.

In Thüringen habe es nach Zahlen der Landesregierung zwölf Fälle der neuen Variante gegeben. Aufgetreten ist sie im Altenburger Land, den Städten Erfurt und Suhl sowie dem Kyffhäuserkreis und im Landkreis Eichsfeld, wie aus einem von der Staatskanzlei am Sonntag veröffentlichten Überblick hervorgeht. Ein Fall aus Jena ist noch nicht abschließend geprüft.

Ungeimpfte leichte Beute

Das macht vor allem die Behörden nervös, denn die aktuell niedrigen Infektionszahlen könnten sehr schnell wieder ansteigen, wenn die Delta-Variante vermehrt eingeschleppt wird. Gerade Teil- und Ungeimpfte könnten dann leichte Beute für das Virus werden.

Vor allem macht Experten Sorge, dass Schüler kaum bis gar nicht geimpft würden. Forscher der TU Berlin halten es für keine gute Idee, Kinder dem Virus auszusetzen.

In einem aktuellen Bericht schreiben sie, dass sich bei Schulöffnungen ohne Schutzmaßnahmen sehr viele Schülerinnen und Schüler anstecken würden, "was schlussendlich auch zu einem Anstieg der Krankenhauszahlen führen würde". Über die Spätfolgen einer Covid-Erkrankung bei Kindern wisse man außerdem zu wenig.

Drosten: "Schnell impfen"

Virologe Christian Drosten plädierte deshalb im Podcast "Corona Virus Update" dafür, das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Impfung bei der Bevölkerung zu stärken: "Wir müssen einfach schnell impfen." Bisherige Daten geben für Drosten Signale, dass Delta etwas schwerere Verläufe verursache.

Drostens Kollege Klaus Stöhr widerspricht im Interview mit dem MDR: "Die Erkrankungsschwere scheint vierfach geringer zu sein. Das sind noch vorläufige Daten." Seiner Einschätzung nach ist es falsch, dass wegen der neuen Variante mehr Menschen ins Krankenhaus müssten.

Der Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf für vollständig Geimpfte sei im Vergleich zur noch in Deutschland dominierenden Variante Alpha aber immerhin gleichwertig. Wer sich nur einmal impfen lässt, hat im Vergleich zu älteren Virusformen aber einen schwächeren Schutz.

Sommerferien könnten ein Vorteil sein

Vielerorts steigt deshalb die Angst davor, dass im Herbst eine vierte Welle mit der Delta-Variante ins Haus stehen könnte. In England habe die Variante bereits wieder zu einem massiven Anstieg der Infektionszahlen geführt, geplante Lockerungen mussten dort verschoben werden.

Soweit müsse es in Deutschland aber nicht kommen, sagt Drosten: "Zu der Zeit, als die Inzidenz in England wieder hochging, lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 25 - und da lag sie schon seit mehreren Wochen konstant. Man hatte also nicht so weit runtergebremst, wie wir das in Deutschland jetzt gemacht haben."

Und auch die nach und nach beginnenden Sommerferien könnten die Delta-Variante an der Ausbreitung hindern.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 25. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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