Corona-Leugner unter den Ärzten in Mitteldeutschland?

Deutschlandweit sorgen Fälle von Ärzten immer wieder für Schlagzeilen, die fragwürdige Thesen zu Corona vertreten. Sie stellen falsche Maskenatteste aus oder verbieten sogar das Maske tragen in ihren Praxen.

Ein Arzt hält eine OP-Maske in der Hand.
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In der Corona-Pandemie halten sich hartnäckig Mythen und falsche Behauptungen. Mit unserem MDR JUMP-Faktencheck versuchen wir aufzuklären. Richtig schwierig wird es aber, wenn Ärzte das Coronavirus verharmlosen und so ihre Patienten gefährden. Mehr als 100 solcher Fälle werden laut rbb gerade in Berlin untersucht. Dabei soll es um Ärzte gehen, die das Maske tragen in ihren Praxen ausdrücklich verbieten oder Gefälligkeitsatteste ausstellen. Auch hier in unseren drei Bundesländern sind solche Fälle bekannt geworden.

Mitteldeutsche Ärztekammern prüfen

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind bisher nur wenige Ärzte aufgefallen, die das Coronavirus leugnen und sich nicht an die Regeln halten. Das ergab eine MDR JUMP-Umfrage bei den drei Landesärztekammern. Der Pressesprecher der Sächsischen Landesärztekammer Knut Köhler sagte im MDR JUMP-Gespräch:

Wir kennen viele Fälle vom Hörensagen, aber nur wenige mit Hausnummer.

Und da liegt das Problem. Die Ärztekammern können nur aktiv werden, wenn Patienten eine konkrete Meldung machen. Davor scheuen aber viele zurück, denn es geht ja auch um das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, so Köhler weiter. Ihm zufolge laufen derzeit Berufsrechtsprüfungen gegen vier oder fünf Mediziner in Sachsen, die gegen die Maskenpflicht verstoßen oder andere Hygienemaßnahmen nicht eingehalten haben sollen.

Kein flächendeckendes Problem

Auch in Sachsen-Anhalt und in Thüringen ist das Problem bekannt, aber überschaubar. Zehn Sachverhalte hat die Landesärztekammer Sachsen-Anhalt bisher geprüft, drei Prüfungen laufen aktuell, teilte die Pressestelle in Magdeburg auf MDR JUMP-Anfrage mit. In Thüringen hält sich die Zahl der Coronaleugner unter den Ärzten in Grenzen, mit Ausnahme eines "prominenten" Falls eines Mediziners aus Gera, der auch für die AfD im Bundestag sitzt, teilte uns die dortige Landesärztekammer mit.

Hauptproblematik: Atteste gegen Masketragen

Besonders im Visier der Ärztekammern sind so genannte Gefälligkeitsatteste. Solche Atteste tauchen in großer Zahl immer wieder bei coronakritischen Demonstrationen auf. Doch klar ist: Ärzte sind zur Sorgfalt verpflichtet und dürfen ohne konkreten Anlass niemanden vom Tragen einer Maske befreien. Aber auch hier sagen alle drei Landesärztekammern: Es gibt solche Fälle, aber nicht in großem Umfang. Knut Köhler, Pressesprecher sächsische Landesärztekammer:

99 Prozent der Mediziner hier machen gute Arbeit und sind für ihre Patienten da.

Und natürlich dürften Ärzte ihre Privatmeinung haben. Die Abgrenzung müsse aber klar sein, heißt es von der Thüringer Landesärztekammer: freie Meinungsäußerung ja, aber in ihrer Praxis, gegenüber den Patienten sind Ärzte zur gewissenhaften Berufsausübung verpflichtet.

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