Corona-Einschränkungen: Was wird aus dem Sommerurlaub?

08.04.2020 | 16:33 Uhr

Der Osterurlaub fällt dieses Jahr komplett aus. Die Kontaktbeschränkungen wurden bis weit in den April hinein verlängert. Niemand kann sagen, wie es danach weitergeht und ob Reisen in Deutschland oder ins Ausland bald wieder möglich sind. Die Tourismuswirtschaft appelliert an Reisende, gebuchte Flüge oder Urlaube nur zu verschieben statt abzusagen.

Leere Strände, leere Autobahnen, leere Flughäfen: In diesem Jahr ist Ostern für viele völlig anders als sonst. Sachsen und Thüringen haben die Ausgangsbeschränkungen bis zum 20. April verlängert, Sachsen-Anhalt bis zum 19. April. Die Menschen müssen zu Hause Urlaub machen. Offen ist auch, wie es danach weitergeht. Niemand kann aktuell zuverlässig vorhersagen, ob für die nächsten Monate geplante Reisen und der Familien-Sommerurlaub stattfinden.   

"Es gibt aktuell keine Buchungen"

Erste Politiker raten davon ab, für die nächsten Monate fest mit Reisen zu planen: Nordrhein-Westfalens Armin Laschet (CDU) etwa warnte in einem Zeitungsinterview davor, jetzt größere Auslandsreisen zu buchen. Der Tourismusverband Mecklenburg Vorpommern schlug sogar vor, alle Sommerferientermine auf August und September zu verschieben. Viele lassen sich mit ihren Planungen für den Sommer und den Herbst nach den ausgefallenen Osterurlauben jetzt erstmal Zeit. Das bekommt die Tourismuswirtschaft derzeit deutlich zu spüren. Kerstin Heinen, Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV) sagte MDR JUMP:

Kerstin Heinen, Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV)
Bildrechte: DRV/Wyrwa

Die aktuelle Situation ist dramatisch für die gesamte Reisewirtschaft. Im Grunde gibt es aktuell keine Buchungen, weil keiner weiß, wie es weitergehen wird mit der Corona-Pandemie - und ob der Sommerurlaub stattfinden kann. Die Kunden warten derzeit noch ab.

Was gilt für Flüge oder Reisen nach dem Ende der Kontaktbeschränkungen?

Laut dem Beschluss von Bund und Ländern gelten die scharfen Kontaktbeschränkungen bis mindestens zum Ende der Osterferien. Erst am 14. April wollen Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten die Lage neu bewerten. Die geltenden Beschränkungen für Reisende hat der Deutsche Tourismusverband noch einmal für alle Bundesländer zusammengefasst. Wie es ab dem 20. April weiter geht, ist offen. Fallen wegen verlängerter Kontaktbeschränkungen Reisen in Deutschland und wegen geschlossener Grenzen Auslandsreisen aus, gibt es das Geld zurück. Dann kann der Vertrag über ein gebuchtes Hotelzimmer, eine Ferienwohnung, einen Flug oder einen Pauschalurlaub schlicht nicht erfüllt werden. So etwas ist im Gesetz klar geregelt. Das Auswärtige Amt hat zudem eine weltweite Reisewarnung bis Ende April ausgesprochen. Laut den Verbraucherzentralen können damit alle Pauschalreisen kostenfrei storniert werden, die bis dahin starten. Die Tourismuswirtschaft bittet ihre Kunden, Reisen nicht komplett abzusagen. DRV-Sprecherin Kerstin Heinen sagte:

Wir empfehlen, die Reisen zu verschieben und nicht zu stornieren. Weil die nötige Liquidität in den Unternehmen nicht da ist. Wer eine Reise gebucht hat, der möchte ja auch in den Urlaub fahren und da ist Verschieben eine gute Variante.

Müssen fällige Raten für den Urlaub bezahlt werden?

Im Mai werden die zweiten Raten für viele Ferienhäuser oder Pauschalurlaube fällig, die für den Sommer gebucht wurden. Darauf hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im Interview mit dem Tagesspiegel hingewiesen. Vzbv-Vorstand Klaus Müller fordert darin mit Blick auf die Corona-Krise, diese Zahlungsverpflichtung auszusetzen. Eine rechtliche Regelung dazu fehlt aber bisher, sagt auch Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen. Stand jetzt müssten Urlauber die zweite Rate nach der Anzahlung überweisen oder abbuchen lassen. Auch wenn sie nicht wissen, ob der Sommerurlaub ausfällt.

Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen
Bildrechte: Verbraucherzentrale Sachsen

Angst in der Corona-Krise als solche ist kein Rücktrittsgrund von der Buchung. Da müssen Anhaltspunkte wie eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt bestehen.

Sollte man sicherheitshalber Reisen für den Sommer schon absagen?

Da sollten Urlauber möglichst Geduld haben, auch wenn es vielleicht schwer fällt. Grundsätzlich gibt es immer die Möglichkeit, einen Urlaub oder einen gebuchten Flug ohne weitere Kosten abzusagen, wenn sich beide Seiten darauf einlassen. Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen sagte: "Das sind aber immer nur Kulanzlösungen. Und die Reisebranche ist momentan sehr angespannt, da wird man vielleicht nicht so kulant sein können." Reisende könnten derzeit nur abwarten, wie es bei den Corona-Beschränkungen und Grenzschließungen weiter geht. "Einzelne Länder haben ja schon angedeutet, dass weitere Einschränkungen folgen. Dass etwa Urlauber aus dem Ausland nicht einreisen können". Müssen dann Reisen oder Flüge de facto ausfallen, gibt es das Geld zurück. Wer dagegen jetzt schon sicherheitshalber storniert, bleibt möglicherweise auf den Kosten für Flüge oder den Urlaub sitzen. Einen umfangreichen Überblick und die Links zu den Stornierungsregeln der Unternehmen liefert das Reiseportal Travel Dealz.

Muss man selbst stornieren, wenn ein Urlaub wegen Reisebeschränkungen ausfällt?

Leere Hängematte am Strand
Bildrechte: imago images / ingimage

Im Gesetz ist geregelt: Reisende müssen selbst tätig werden und vom Vertrag für die Reise, für Übernachtungen oder Camping-Stellplätze zurücktreten. Oft machen das aber aktuell die Reiseveranstalter, Fluglinien oder auch Hotels schon von sich aus. Sicherheitshalber fragt man aber besser nach. Im Gesetz ist auch geregelt, dass schon gezahlte Gelder zügig an Reisende zurück überwiesen werden müssen. Für Pauschalreisen sei das recht klar geregelt, sagt Verbraucherschützer Görner:

Laut Gesetz muss das 'unverzüglich' passieren, also ohne schuldhaftes Zögern. Maximalfrist sind 14 Tage. Bei Individualreisen gibt es keine konkrete Vorschrift.

Muss man einen Gutschein akzeptieren?

Wird ein Gutschein für ausgefallene Urlaube oder Flüge angeboten, können Reisende darauf eingehen. Etwa wenn sie ihren Reiseveranstalter, ein Hotel oder den Anbieter von Ferienwohnungen aktuell unterstützen wollen. Aktuell wird darüber diskutiert, ob Verbraucher in der Corona-Krise grundsätzlich Gutscheine akzeptieren müssen. Für so eine Gutschein-Lösung setzt sich die Bundesregierung ein, damit Reiseunternehmen oder Fluggesellschaften nicht noch größere finanzielle Probleme bekommen. Das letzte Wort liegt aber bei der EU und die hat darüber bisher noch nicht entschieden. Kerstin Heinen vom DRV sagte:

Der Gutschein, bei der vom DRV geforderten Gutschein-Lösung für abgesagte Reisen, wäre bis Ende 2021 gültig. Wenn er bis dahin nicht eingelöst werden kann, aus welchen Gründen auch immer, wird der Reisepreis bar ausgezahlt.

Hilft eine Reiserücktrittsversicherung weiter?

Die Anbieter von Reiserücktrittsversicherungen zahlen, wenn man etwa wegen einer Krankheit oder anderen gravierenden Gründen die Reise komplett absagen muss. Dann werden die Stornierungskosten übernommen, die wenige Tage vor Urlaubsbeginn teilweise mehr als 75 Prozent des Reisepreises betragen können. Wer also selbst am Corona-Virus erkrankt und deshalb nicht reisen kann, bekommt das Geld für Flüge, Unterkunft oder die Pauschalreise selbst zurück. Anders sieht das aus, wenn man wegen Reisebeschränkungen und geschlossener Grenzen nicht in ein bestimmtes Bundesland oder ins Ausland reisen kann oder will. Das ist meist kein Versicherungsfall und die Versicherung springt nicht ein. Sicherheitshalber kann man aber trotzdem nachfragen, ob diese Möglichkeit besteht. Verbraucherschützer Kay Görner sagt:

Es gibt erste Hinwiese, dass man solche Fälle wie in der aktuellen Situation aufnehmen möchte. Aber das muss man abwarten.

Sollte man jetzt sogar noch schnell für den Sommer buchen?

Diese Überlegung klingt beim ersten Lesen etwas seltsam. Allerdings weiß niemand, ob es vielleicht nach einem möglichen Ende der Kontaktbeschränkungen im  Sommer einen Ansturm auf Ferienwohnung und Hotels in Deutschland gibt. Gleichzeitig könnten Reisende relativ sicher davon ausgehen, ihr Geld bei weiter gehenden Sperren zurückzubekommen. Kay Görner von der Verbraucherzentrale rät von solchen Buchungen ab:

Hände an einem Laptop
Bildrechte: dpa

Momentan weiß keiner, wie sich die Lage entwickelt. Es kann sein, dass ganz Deutschland betroffen ist, dass Bundesländer die Grenzen dicht machen oder sogar Landkreise. Daher wäre ich bei Buchungen sehr zurückhaltend.

Wo kann man nachfragen, welche Reise-Beschränkungen gelten?

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Internetportale eingerichtet, auf denen sie sehr häufig gestellte Alltagsfragen zu den Ausgangsbeschränkungen klären. Dabei geht es auch um Reisen im Bundesland selbst und um Einreisen von Menschen aus anderen Ländern. Zusätzlich kann man im jeweils zuständigen Ordnungsamt nachfragen und bei den Hotlines, die alle drei Bundesländer dafür eingerichtet haben.

Thüringen: 0361 75 049 049 (Corona-Bürger-Hotline der Thüringer Staatskanzlei)

Sachsen: 0800 100 0214 (Corona-Hotline) und 0800 1000214 (Hotline des Sozialministeriums zum Umgang mit den Allgemeinverfügungen Vollzug des Infektionsschutzgesetzes)

Sachsen-Anhalt: 0391 2564 222 (Infotelefon beim Landesamt für Verbraucherschutz)

Zudem gibt es noch das Angebot des Auswärtigen Amtes, das auch Informationen zu Reisen jetzt und in den nächsten Wochen zusammengefasst hat.

Zusätzlich hat auch noch das Bundesministerium für Gesundheit ein deutschlandweites Bürgertelefon eingerichtet: 030 346 465 100.

Mit Material von Reuters und dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 08. April 2020 | 12:00 Uhr

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