Urlaub wegen Corona abgesagt: Wie gibt´s das Geld zurück?

20.03.2020 | 16:08 Uhr

Das ist gerade bitter für viele Menschen: Ihr lang ersehnter Urlaub fällt aus. Oder es ist schon deutlich abzusehen, dass es mit der Reise nicht klappen wird. Damit entgeht nicht nur die dringend nötige Erholung. Vielen haben für Flug, Hotel oder die komplette Reise schon viel Geld angezahlt.

Geschlossene Schalter am Flughafen Hannover
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Das Auswärtige Amt rät von sämtlichen Reisen ins Ausland ab. Die Warnung gilt laut Außenminister Heiko Maas bis Ende April. Gleichzeitig lässt die Bundesregierung mit Flügen zehntausende Deutsche aus dem Ausland zurückholen. An den Außengrenzen von Deutschland dürfen Reisende ohne triftigen Grund nicht ausreisen. Auch Urlaube in Deutschland sind fast unmöglich: Mecklenburg-Vorpommern etwa lässt gar keine Touristen mehr ins Land. Vermieter dürfen keine Gäste aufnehmen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen Hotels und Urlaubsunterkünfte schließen. Viele Reisen sind damit aktuell schon ausgefallen. Weitere schon gebuchte Urlaube in den nächsten Tagen oder Wochen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht möglich sein.

Worauf müssen Reisende jetzt achten?

Christian Solmecke
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Wir klären gemeinsam mit dem Kölner Juristen und Experten für Internetrecht Christian Solmecke, welche Folgen die vielen Urlaubsausfälle für Reisende haben. Und ob die Reisen zu Ostern, Pfingsten oder im Sommer besser jetzt schon stornieren sollten.

Was gilt für bereits abgesagte Reisen?

Eine Lufthansamaschine mit dem Flug LH 1749 aus Tunis rollt über das Vorfeld des Flughafen München
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TUI hat sämtliche Reisen bereits bis zum 23. April abgesagt, alltours bis Ende April. Auch viele andere Veranstalter haben mit umfassenden Stops aller Reisen auf die Corona-Krise reagiert, wie dieser umfangreiche Branchenüberblick zeigt. In allen diesen eindeutigen Fällen müssen die Veranstalter bereits gezahlte Gelder für die Reise auch wieder zurückzahlen. Reisende sollten sich laut unserem Experten dafür an die Veranstalter wenden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) rät Urlaubern zu Augenmaß, um den Reiseunternehmen die Zahlungsfähigkeit zu erhalten. Wer könne, sollte auch einen Gutschein des Veranstalters akzeptieren. Vzbv-Chef Klaus Müller sagte aber auch:

Verbraucher müssen frei entscheiden können, ob der Reisepreis erstattet werden soll oder sie das Angebot eines mindestens ein Jahr lang gültigen Gutscheins annehmen, den sie flexibel einsetzen können.

Gibt es Unterschiede zwischen Pauschalreisen und individuell zusammengestellten Reisen?

Hat man einen Pauschalurlaub mit einem Paket aus Flug oder Zugfahrt und Unterkunft gebucht, gibt es den gesamten Reisepreis zurück. Bei individuell gebuchten Reisen dagegen ist das laut unserem Experten nicht ganz so einfach. Gemeint sind Urlaube, bei denen Anreise, Unterkunft und vielleicht auch noch Ausflüge einzeln gebucht wurden. Christian Solmecke sagt: "Da muss man dann schauen, ob das entsprechende Land schon ein Sperrgebiet war, in das gar kein Flugzeug mehr hinfliegen konnte und deswegen dann die Reise abgesagt worden ist." Dann könnten sich Reisende auch an die Fluggesellschaft wenden, um ihr Geld zurückzubekommen. Schwieriger wird es bei Reisen in Länder ohne Reiseverbote:

Konnte man zum Beispiel mit einem Flugzeug noch in das Reiseland hinein, dann musste man im Falle einer Individualreise den Flug selber stornieren. Dann bekommen Reisende nur gewisse Anteile des Fluges, insbesondere die Flughafengebühren und Steuern erstattet. Sie bleiben aber auf dem Rest erst mal sitzen.

Sollte man anstehende Reisen schon stornieren?

Die Absagen vieler Reiseveranstalter gelten erstmal bis Mitte oder Ende April. Auch die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus laufen erstmal nur ein paar Wochen. Niemand weiß aber derzeit, wie es weitergeht und ob spätere Urlaube dann stattfinden. Christian Solmecke rät zur Geduld, auch wenn es vielleicht schwerfällt. Reisende sollten zunächst erst einmal in die Bedingungen der Veranstalter und Fluglinien schauen: Viele zeigen sich da gerade sehr kulant und erlauben die Absage von Urlauben und Reisen, die noch weiter in der Zukunft liegen.

Generell kann man aber noch nicht ohne weiteres den Sommerurlaub stornieren. Hier ist noch überhaupt nicht absehbar, was im Sommer für Reiseregelungen existieren werden. Dann hat man tatsächlich die Kosten am Hals, sofern man nicht ohnehin vertraglich die Möglichkeit hatte, zu stornieren.

Was gilt für Reisen in Deutschland?

Auch in Deutschland sind einige Regionen beispielsweise im Norden schon zu Sperrgebieten für Touristen erklärt worden. Dann haben die Reiseveranstalter oder auch Fluggesellschaften keine Möglichkeit, dort Touristen hinzubringen. Dann gibt es sowohl bei Pauschal- als auch Individualreisen das Geld zurück. Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden gibt es in der Corona-Krise übrigens nicht. Darauf weist der ADAC beim Bayrischen Rundfunk hin. Danach ist der Veranstalter nicht in der Schadenersatzpflicht, "wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, die der Veranstalter nicht zu vertreten hat".

Springt die Reiserücktrittsversicherung ein?

Die Anbieter von Reiserücktrittsversicherungen zahlen, wenn man etwa wegen einer Krankheit oder anderen gravierenden Gründen die Reise komplett absagen muss. Dann werden die Stornierungskosten übernommen, die wenige Tage vor Urlaubsbeginn sogar mehr als 75 Prozent des Reisepreises betragen können. Wer also etwa selbst am Corona-Virus erkrankt und nicht reisen kann, bekommt das Geld zurück. Anders sieht das aus, wenn man wegen Corona-Fällen nicht in ein bestimmtes Urlaubsland reisen kann oder will oder wenn es Reisewarnungen gibt. Das ist meist kein Versicherungsfall und die Versicherung springt nicht ein. Sicherheitshalber kann man aber trotzdem nachfragen, ob diese Möglichkeit besteht.

Einfacher umbuchen und stornieren

Fluggesellschaften wie Lufthansa, Ryanair oder Condor und Reiseveranstalter wie TUI haben inzwischen schon auf die Sorgen von Reisenden und die Entwicklungen bei der Ausbreitung des Coronavirus reagiert. Sie haben ihre Stornierungsregeln gelockert und erleichtern Umbuchungen. Diese neuen Regeln sollen für alle Urlaube, Flüge und Fahrten gelten, die ab jetzt gebucht werden. Danach können Urlauber bis zwei Wochen vor dem Abreisetermin umbuchen. Alternativ können sie bei manchen Unternehmen die Reise ganz absagen. Die Deutsche Bahn will zudem den Fahrpreis erstatten, wenn Veranstaltungen ausfallen. Das Portal Airbnb erlaubt kostenlose Stornierungen für Gebiete mit sehr vielen erkrankten Menschen für den Zeitraum vom 14. März bis zum 14. April. Einen umfangreichen Überblick und die Links zu den Stornierungsregeln der Unternehmen liefert das Reiseportal Travel Dealz.

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Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 20. März 2020 | 18:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2020, 16:10 Uhr

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