Wie die Corona-Warn-App helfen soll

Am Dienstag geht die Corona Tracing App an den Start. Damit soll eine schnellere Verfolgung von Infektionsketten möglich sein. Was dran ist, wie sie funktioniert und was du im Umgang beachten musst erfährst du hier.

Auf dem Bildschirm eines Apple iPhone SE ist der vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung herausgegebene Startschirm einer Corona Warn-App abgebildet.
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Wie funktioniert die App?

Wenn die App und Bluetooth auf deinem Handy aktiviert sind, dann bekommt dein Handy aller 15 bis 20 Minuten eine Identifikationsnummer. Die wird anderen Handys, denen du auf rund zwei Meter nahe kommst mitgeteilt und dort für 14 Tage gespeichert. So sammeln die Handy also Daten von allen Nutzern der App denen man in den letzten Tagen nah war. Wird nun einer von denen positiv auf das Corona-Virus getestet, dann erhältst du eine Nachricht darüber und kannst dich selbst testen lassen. So soll es schneller möglich sein, die Kontakte von Infizierten nachzuvollziehen und zu informieren.

Positiv: Die Daten werden dezentral gespeichert, also nur auf dem jeweiligen Handy und nach 14 Tagen gelöscht. Dazu Dr. Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen:

Das ist aus unserer Sicht sehr wichtig, denn so können die Nutzer sicher sein, dass niemand irgendein Bewegungsprofil oder ähnliches erstellen kann.

Und: dadurch, dass immer neuen ID-s vergeben werden, kannst du auch nicht persönlich identifiziert werden.

Wie kannst du sie nutzen?

Egal ob Du iOS oder Android nutzt - auf allen diesen Smartphones haben die Anbieter in den letzten Woche schon die Schnittstellensoftware installiert. So können die Handys miteinander kommunizieren. Du brauchst Dir dafür bloß jetzt im App-Shop deines Anbieters die App kostenlos herunterzuladen. Die App gibt es für Android hier über den Google Play Store und hier im App-Store für iPhones. Zudem hat die Bundesregierung eine eigene offizielle Internetseite aufgesetzt. So soll verhindert werden, dass Nutzer auf Fake-Apps hereinfallen. Ganz wichtig: "Sie müssen natürlich die Bluetooth-Funktion an Ihrem Handy immer dann aktiv haben, wenn Sie unterwegs sind", sagt Katja Henschler. Dabei sieht die Expertin von der Verbraucherzentrale tatsächlich ein Sicherheitsrisiko: "Die Anbieter haben erklärt, dass sie neben der Schnittstellensoftware auch gleich noch ein stabileres und sicheres Bluetooth aufgespielt haben. Ob das aber wirklich nicht zu hacken ist, bleibt abzuwarten." Wichtig: du kannst selbst entscheiden, ob du die App nutzt und auch, ob du ein positives Testergebnis überhaupt mitteilst.

Ein Speicherproblem bekommst du laut App-Entwicklern nicht. Die gesammelten IDs werden erstens regelmäßig gelöscht und zweitens soll die Datenmenge keinen Einfluss auf die Funktion deines Handy haben.

Was passiert im Ernstfall?

Wenn einer deiner Kontakte der letzten 14 Tage tatsächlich positiv getestet wurde, bekommst du darüber eine Nachricht auf dein Handy mit Informationen, wie du dich weiter verhalten musst. Nun solltest du dich umgehend bei deinem Arzt oder dem zuständigen Gesundheitsamt melden und dich testen lassen. Solltest du selbst positiv getestet werden, bekommst du vom Arzt oder dem Labor entweder einen QR-Code, den du scannst oder du musst eine Hotline anrufen und bekommst den Code dort. Erst mit dem Code kannst du über die App deinen Kontakten mitteilen, dass du positiv getestet wurdest. Nun sollten sich die anderen entsprechend testen lassen.

Durch den Code soll verhindert werden, dass Spaßvögel und Spinner über die App Falschmeldungen absetzen und so die Akzeptanz in der Öffentlichkeit kaputt machen.

Wer bezahlt App oder/und Corona-Test?

Für die App bezahlst Du nichts, das wird durchweg vom Bund finanziert. Solltest du tatsächlich von einem deiner Kontakte die Information bekommen, dass er positiv getestet wurde und willst dich nun selbst testen lassen, dann zahlst du nach Auskunft des Bundesgesundheitsministerium ebenfalls nichts: "In dem Sinne sind Sie ja dann eine Kontaktperson und für die werden die Testkosten von den Krankenkassen bezahlt."

Wo gibt’s noch Probleme?

Eigentlich soll ja alles ganz anonym ablaufen, aber: Unser Gesundheitssystem ist digital noch so schlecht aufgestellt, dass nicht jedes Labor oder jeder Arzt einen QR-Code erzeugen und versenden kann, mit dem du dich in der App einloggen kannst. Für die Anfangszeit soll es deshalb auch möglich sein, dass du nach deinem positivem Testergebnis eine sogenannte Verifikations-Hotline anrufst. Dort wird nach Angaben vom Bundesgesundheitsministerium psychologisch geschultes Personal herausfinden, ob du tatsächlich positiv getestet wurdest und dir dann einen Zugangscode zur App geben, damit du deine Kontakte warnen kannst.  

Die Expertin der Verbraucherzentrale sieht das kritisch: "Dieser Anruf und das Abfragen bei der Hotline, unter Umständen noch mit Anzeigen der eigenen Handynummer und Nennung des Namens haben eben nichts mehr mit der gewünschten Anonymität und dem geforderten Datenschutz zu tun."

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP MORNINGSHOW | 16. Juni 2020 | 07:10 Uhr

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