Schweden verschärft Kampf gegen Coronavirus

Schweden geht gegen das Coronavirus anders vor als die meisten betroffenen Länder. Das öffentliche Leben ist bei weitem nicht so eingeschränkt. Doch mit zunehmender Ausbreitung des Virus, mehr Infizierten und Toten kippt die Stimmung allmählich, einige Maßnahmen werden verschärft. MDR JUMP-Redakteurin Christiane Luft ist in Schweden unterwegs und berichtet von ihren ganz persönlichen Eindrücken.

Hauseingang schwedisches Haus im Winter, umrahmt von Bäumen
Bildrechte: MDR JUMP

Schweden geht mit einem verschärften Versammlungsverbot in die neue Woche. Bis zuletzt waren Treffen von maximal 500 Leuten erlaubt, nun sind im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus Zusammenkünfte von mehr als 50 Menschen verboten. Unübersichtlich ist aber, wo das überall gilt. Zum Beispiel sind ja Schulen weiter geöffnet. Dort dürfen sich auch künftig mehr als 50 Kinder und Lehrer gleichzeitig aufhalten. Hier bei mir im Dorf höre ich, dass man zumindest das gemeinsame Mittagessen in der Schule vorübergehend aussetzen will. Für Supermärkte, den öffentlichen Nahverkehr oder Sportanlagen wie Schwimmhallen gilt das Verbot ebenfalls nicht.

Größere Menschenansammlungen verboten

Verboten sind dagegen Hochzeiten, Beerdigungen, Theatervorstellungen und ähnliches, mit mehr als 50 Gästen. Der Gottesdienst findet mancherorts nun im Schichtmodell statt. Es dürfen immer nur 49 Leute gleichzeitig in die Kirche, dann wird die Tür zugemacht. Wenn die Andacht vorbei ist und der erste Schwung das Gotteshaus verlassen hat, sind die nächsten an der Reihe usw.

Massentests in Planung

Hände halten Röhrchen mit Aufschrift Corona
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Nachdem die WHO geraten hat, so viele Menschen wie möglich zu testen wird nun auch Schweden aktiver. Die Regierung plant, der Volksgesundheitsbehörde den Auftrag zu geben schleunigst eine nationale Strategie zu erarbeiten um die Anzahl der Covid-19 Tests zu erhöhen. Bislang wird nämlich nur sehr wenig getestet. Drive-In-Test Stationen, wie in Deutschland, gibt es kaum.

Material- und Personalmangel bei Corona-Tests

Viele Kritiker des schwedischen Gesundheitssystems fühlen sich bestätigt. Der Sparkurs der vergangenen Jahre führt jetzt dazu, dass es weder genügend Tests gibt, noch ausreichend Personal, das die Tests durchführen könnte. Und so liegt der Fokus im Moment ausschließlich auf zwei Gruppen: Leute, die ins Krankenhaus eingeliefert werden und Personal, das im Gesundheits- und Altenpflegebereich arbeitet und den Verdacht hat, an Covid-19 erkrankt zu sein. Zusätzlich gibt es Stichproben. Alle anderen, die krank sind mit Erkältungs- oder Grippesymptomen werden bislang nicht getestet. Sie sollen zu Hause bleiben, um nicht zu riskieren, dass sie andere anstecken.

Wir müssen unsere Ressourcen dafür verwenden, Krankenhauspersonal und Risikopatienten zu schützen.

Karin Tegmark Wisell, Abteilungschefin Volksgesundheitsbehörde

Die bisherige Vorgehensweise bedeutet, dass eigentlich niemand hier weiß, wie massiv und wie rasch die Ansteckung in Schweden vonstattengeht.

Alarmierender Facebook-Post von Krankenschwester

Einen dramatischen Einblick bekomme ich durch den Facebook-Post einer Krankenschwester aus Uppsala. Sie arbeitet im dortigen Krankenhaus, kommt gerade aus der Nachtschicht auf der Intensivstation. Sie schreibt: die vergangenen Tage waren überwältigend. Es strömen immer mehr Menschen ins Krankenhaus, sie alle sind krank, schwerkrank. Unter ihnen seien nicht nur Menschen der Risikogruppe, sondern viele, die jünger sind als 50 Jahre, ohne Vorerkrankungen. Es gibt täglich neue Richtlinien und neue Hygienevorschriften. Pensioniertes Personal wird aus dem Ruhestand geholt, junge Eltern aus der Elternzeit. Viele Menschen fragen: was können wir für euch tun, wie können wir euch helfen. Und sie schreibt: Folgt den Empfehlungen der Regierung und Behörden. Überlegt einmal mehr, ob ihr wirklich zum Einkaufen fahren müsst, obwohl ihr erkältet seid, ob die Oma wirklich das Enkelkind besuchen muss und ob du wirklich zu Ostern verreisen musst. Denk daran: jeder kann krank werden: dein Kind, dein Partner, deine Eltern. Sie alle könnten schon bald auf der Intensivstation liegen. Was ich mache: ich gehe morgen wieder auf Arbeit ins Krankenhaus, dir zuliebe. Was du machen kannst: bleib zu Hause, mir zuliebe! Der Eintrag wurde 60.000 Mal geliked, 11.000 Mal kommentiert.

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