Corona-Virus: Experten fürchten drastische Zunahme von häuslicher Gewalt

01.04.2020 | 09:03 Uhr

Wenn Menschen sehr viel Zeit auf engem Raum miteinander verbringen, sind Konflikte vorprogrammiert. Experten befürchten, dass Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen zu einem Anstieg häuslicher Gewalt führen.

Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen
Bildrechte: dpa

Wo Menschen lange eng zusammenleben müssen, sind Konflikte vorprogrammiert. Und gerade jetzt, in der Corona-Krise liegen bei vielen die Nerven blank. Experten, wie beispielsweise die Opferschutzorganisation Weißer Ring, rechnen in Deutschland mit einem Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt. In China hätten sich die Fälle von häuslicher Gewalt während des Lockdowns verdreifacht, stellte eine Frauenrechtsorganisation fest.

Frauenhäuser rüsten sich

Ähnliches befürchtet auch Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding im Interview mit MDR JUMP:

Wir merken es noch nicht, aber wir bereiten uns darauf vor.

So habe sie etwa Frauenhäuser gebeten, die Zahl der Plätze aufzustocken und sie versucht, die Häuser besser miteinander zu vernetzten. So soll ein Frauenhaus mit freien Kapazitäten eines ohne unterstützen können.

Immerhin: Das Budget für zusätzliche Maßnahmen sei da, erklärt Justizministerin Keding:

Wir haben noch eine kleine Reserve, aber die ist wirklich schmal.

Ihre sächsische Kollegin Katja Maier hat ebenfalls Maßnahmen ergriffen, um den erwarteten Andrang abzufangen: Die Belegungszahlen werden wöchentlich abgefragt. Sobald man merke, dass die Kapazitäten ausgeschöpft werden, würden über Ferienwohnung, Hotels oder Mutter-Kind-Einrichtungen neue Kapazitäten geschaffen. Amelie Voigt vom autonomen Frauenhaus in Leipzig befürchtet ebenfalls einen Anstieg der Fälle:

Jetzt, würde ich sagen, geht es gerade erst los.

Die Statistiken würden belegen, dass es viel mehr Anfragen nach Frauenhaus-Plätzen geben wird. Auch sei es wichtig, Augen und Ohren offen zu halten, sagt Justizministerin Keding. Man bekomme ja doch mit, was in der Nachbarschaft vor sich geht. Dann könne man Betroffene ansprechen, und auf Angebote hinweisen.

Hilfsangebote gibt es trotz Corona

Ähnlich sieht es auch Alexander Gans vom Kinderschutzbund in Thüringen. Man könne klopfen, nachfragen, auf Hilfsangebote hinweisen und im Zweifel Polizei oder Jugendamt informieren.

Die wichtigen Stellen, wie Staatsanwaltschaft und Polizei arbeiten trozt Corona weiter. Und auch Beratungs- und Hilfsangebote, wie die Nummer gegen Kummer für Jugendliche, das Elterntelefon oder das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen sind nach wie vor besetzt und verfügbar.

Wichtige Beratungsangebote und Telefonnummern Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 0800 0 116 016
Nummer gegen Kummer: 116 111
Elterntelefon: 0800 111 0 550

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. April 2020 | 13:45 Uhr

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